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    Kritik: Bittersüss: Gwyneth im Duett mit Huey Lewis

    Rührender Gesang in trostloser Umgebung

    Karaoke, das ist das Singen zu einem vorgefertigten Soundtrack, und es handelt sich immer um bekannte Songs. Wer sonst "I will survive" nur bei Liebeskummer in der Badewanne grölt, hat in Karaoke-Bars eine gute Möglichkeit, sich zu blamieren, - was für schadenfrohe Zuhörer meist ergötzlich ist.

    Diese Sorte von Witz gibt es in "Traumpaare" allerdings kaum - wer hier singt, singt nicht nur mit viel Gefühl, sondern auch gut. Am besten singt Huey Lewis, Profisänger im wahren Leben und im Film, der aber so tut, als ob er zufälliger Bargast sei, und Wetten provoziert. Dass er dann stets die Karaoke-Wettbewerbe gewinnt, trägt ihm von betrogenen Zockern manches blaue Auge ein. Unfreiwillig lernt er bei der Beerdigung seiner lang vergessenen Ehefrau seine Tochter kennen.

    Liv, ein Las-Vegas-Showgirl, möchte unbedingt Zeit mit ihrem neu entdeckten Papa verbringen und reist mit ihm durch die Lande. Dann gibt es noch Suzy, eine Amateursängerin, die auf eine professionelle Sängerkarriere hofft und ebenfalls alle Wettbewerbe abklappert. Das Reisegeld verschafft sie sich durch sexuelle Gefälligkeiten. Zu ihr gesellt sich Billy, ein Taxifahrer, der seine Freundin in flagranti mit seinem Geschäftspartner entdeckt und einfach abhaut. Als Hauptfigur kristallisiert sich Todd heraus, gespielt von dem Komiker Paul Giamatti.

    Er ist so gestresst von seinem Leben als vielfliegender Vertreter, dass er Hals über Kopf "Zigaretten holen geht" und seine Familie verlässt. Vollgestopft mit Tabletten, fährt er durch die Gegend und gabelt unterwegs den Anhalter Reggie auf, einen entflohenen Sträfling, mit dem er bald Soul-Duette singt. Besonders für Todd ist das Singen Therapie oder vielmehr eine Sucht: Nachdem er sich in die Bar gewagt und die Seele aus dem Leib gesungen hat, lässt er sein bürgerliches Leben hinter sich. Wie Todd langsam durchdreht und immer tiefer in den Schlamassel gerät, gehört zu den witzigsten Momenten des Films.

    Sichtlich bemüht sich Regisseur Bruce Paltrow, Vater von Gwyneth Paltrow, bitter-süßes Kino "für Erwachsene" mit sozialkritischen Anklängen zu machen und die existenzielle Unbehaustheit seiner Protagonisten sensibel ins Bild zu setzen. Die innere Leere von Todd und all den anderen korrespondiert mit der Trostlosigkeit der Hotels und dem Plastik-Flair der Umgebung. Karaoke selbst ist Teil dieser Unkultur, und fast verzweifelt muten die Anstrengungen an, den millionenfach gehörten Refrains einen authentischen Klang zu entlocken.

    Und doch sind es diese Momente, die am stärksten im Gedächtnis bleiben. Wenn die Handlung dann leider in formelhafte Happy Endings mündet, dann versöhnen die Gesangsdarbietungen mit dem enttäuschenden Verlauf dieser anfangs vielversprechenden Episoden. Gwyneth Paltrow als Liv beispielsweise hat ein dünnes Stimmchen, aber wenn sie "Bette Davis Eyes" singt oder zusammen mit Huey Lewis "Cruisin'" intoniert, entsteht echte Rührung. Und wenn der kleine, dicke Todd und der bedrohliche Reggie zu "Try a little tenderness" auf der Bühne ausflippen, schimmert für einen Augenblick die Möglichkeit eines wahren Lebens im falschen durch.

    Birgit Roschy, AP

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