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Kritik: Bemerkenswerter Streifen

Von der Schönheit Charlize Therons ist in «Monster» wenig zu Für ihre Rolle als Serienmörderin nahm das Model 14 Kilo zu, trug strähniges Haar, einen Satz unglaublich entstellender Zähne und wirkt so auf der Leinwand als verlebte Prostituierte vollkommen authentisch.

Aber es ist nicht dieser kosmetische Stunt, für den Theron den Golden Globe und den Oscar bekommen hat. Es ist eine der großen Frauenrollen wie sie Jodie Foster in «Angeklagt» und Elizabeth Taylor in «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» gespielt haben. Theron hat dieses Potenzial erkannt und das Debüt der Regisseurin Patty Jenkins als Produzentin mitfinanziert.

An Originalschauplätzen gedreht

Erzählt wird die über weite Strecken wahre Geschichte der Amerikanerin Aileen Wuornos, die Ende der 80er Jahre mindestens sechs Männer umgebracht hat und dafür 2002 hingerichtet wurde. Den Medien galt sie als «Monster», als erste weibliche Serienmörderin. Dass Wuornos zuletzt in einer lesbischen Beziehung lebte, war für die sensationslüsterne Presse noch umso besser.

Jenkins drehte an Originalschauplätzen in Florida, dort wo es zwischen Autobahnen, schmierigen Kneipen und Billig-Läden so ganz und gar nicht nach Strandparadies aussieht. Aus dem Off wird das Geschehen teils aus Wuornos' Perspektive erzählt, so eindringlich, dass es einem die Kehle zuschnürt. Jenkins stützt sich in ihrem Film auch auf Briefe, die die Prostituierte aus der Todeszelle an eine Freundin schrieb.

Liebe als letzter Funken Hoffnung

Die 28 Jahre alte Theron spielt ihre Rolle so intensiv, dass schon die erste halbe Stunde einen starken Sog entwickelt – bis hin zu den müden Augen mit den glanzlosen Pupillen, in denen keine Spur von Leben mehr zu sehen ist, noch bevor Wuornos Weg endgültig gescheitert ist. Ihr erstes Opfer ist ein sadistischer Freier, den sie quasi in Notwehr erschießt. Danach ist das bittere Ende unausweichlich.

Ihre naive wie durchtriebene Freundin Selby wirkt in dem Film nicht ganz unschuldig daran, dass Wuornos kriminell wird – eine Paraderolle für Christina Ricci, die als Schauspielerin aufpassen muss, nicht zu sehr ins Schema «niedlich» zu fallen. Beide sind weniger ein lesbisches Paar, sondern eher gestrandete Wesen, die in ihrer Liebe zueinander noch einen letzten Funken Hoffnung finden.

Taten nicht glorifizieren

Dort, wo das Roadmovie «Thelma und Louise» feministischen Freiheitskampf und Rache zelebriert, stellt Jenkins klar, dass Wuornos immer die Wahl gehabt hätte, mit dem Morden aufzuhören. Sie wollte nicht glorifizieren, sondern eine «weitaus größere Wahrheit zu Tage fördern», wie die Regisseurin sagt: «Dass diese Person, die sicherlich auch ein Opfer war, unschuldige Menschen tötete und somit die Leben anderer zerstörte.» So findet Wuornos in einer Szene in der Geldbörse eines ermordeten Mannes das Bild einer im Rollstuhl sitzenden Frau, vermutlich der Ehefrau.

Auch Theron ging es darum, Wuornos gescheiterten Lebensweg zu zeigen, ohne die Grausamkeit der Taten zu verschweigen. Sie reagiert gereizt, wenn manche Kritiker meinen, sie spiele den Part so einfühlsam, weil sie wie ihr Rollen-Alter-Ego eine schwierige Jugend hatte. Ihr Vater wurde 1991 von Therons Mutter in Notwehr erschossen. Eine Wechselwirkung zwischen Film und Biografie sieht Theron nicht. «Das hat nichts damit zu tun», sagt sie. Das sei 13 Jahre her, sie ärgert sich, dass diesem einen Moment eines Lebens so viel Bedeutung beigemessen werde.

Dass Theron es trotz ihrer Vergangenheit zum Model und zur Oscar- Preisträgerin brachte, ließ sie in ihrer südafrikanischen Heimat zur Nationalheldin avancieren. Für das Publikum sind die Besetzung des Films und seine düster-eindringliche Inszenierung ein Glücksfall. «Monster» ist mit Sicherheit einer der bemerkenswertesten Filme, die in diesem Jahr im Kino laufen.

dpa

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