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Kritik: Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens

Auf die Suche nach dem Sinn des Lebens haben sich bekanntlich schon viele begeben. Seit jeher versuchen Philosophen, Künstler, Schriftsteller und Musiker herauszufinden, was es eigentlich wert macht, zu leben.

Für die 20-jährige, geistig behinderte Chloe ist es ihre Katze Catey, die ihr alles bedeutet. Da ist es nur verständlich, dass sie den Lebenswillen verliert, als Catey überfahren wird. Dass das Mädchen gar ins Koma fällt, mag etwas übertrieben wirken, ist aber für die Geschichte wichtig: In der leisen Tragikomödie «Niceland» setzt nun Chloes Freund Jed alles daran, die Antwort auf die wichtigste aller Fragen zu finden, um Chloe wieder ins Leben zurückzuholen. Der isländische Regisseur Fridrik Thor Fridriksson hat daraus einen liebevoll-skurrilen Film geschaffen mit dem britischen Talent Martin Compston in der Hauptrolle.

Die Antwort liegt auf dem Schrottplatz. Dort wohnt Max (Gary Lewis), ein introvertierter Eigenbrödler, der den Fehler macht, im Fernsehen zu behaupten, er wisse, was der Sinn des Lebens sei. Was im Fernsehen gesagt wird, stimmt, denkt Jed (Martin Compston), und macht sich auf den Weg.

Jed, ist ebenfalls geistig behindert und arbeitet normalerweise zusammen mit Chloe (Gudrun Bjarnadottir) in einer Behindertenwerkstatt. Die Behinderungen stehen im Hintergrund der Geschichte, sind aber insofern wichtig, als sie die natürliche, direktere Form des Fragens der Charaktere erklären.

Der romantische Film (Drehbuch: Huldar Breitdfjord) ist poetisches Arthouse-Kino über das Leben und den Umgang mit dem Vergänglichen. In der Person von Jeds Vater hat Fridriksson zudem eine Spur Gesellschaftskritik eingeflochten: Liegt der Sinn etwa darin, jeden Abend mit seiner Ehefrau verstummt vor der TV-Röhre zu sitzen und sich mit Unsinn betäuben zu lassen? Wohl kaum.

Der Film hat witzige Ideen, diese Verstumpfung zu thematisieren: Vor lauter Verzweiflung an seiner Lage kauft Jeds Vater eine Bäckerei leer und bringt die Backwaren in den Wohnwagen seines Sohnes. «Den Sinn des Lebens musst du in dir selbst suchen», sagt er und liefert damit den Schlüssel zur Antwort.

Die Geschichte um die kindlich-naiv denkenden Hauptpersonen ist mit viel Respekt und Humor umgesetzt, hat aber ihre Längen: Sie ist zu linear erzählt, zu einfach, um den Zuschauer mit erfrischenden Erkenntnissen aus dem Sessel zu reißen. Zwar geht die filmische Simplizität mit der Denkweise der Figuren einher und schafft somit eine inhaltliche und erzähltechnische Übereinstimmung, das genügt aber nicht, denn es fehlt eine Prise Originalität, um diese alte «Frage aller Fragen» aufzugreifen.

Der international bekannte Filmemacher Fridriksson hat mit dem Film eigene Erfahrungen reflektiert: Sein Schwager, ebenfalls vom Down-Syndrom betroffen, starb mit 19 Jahren.

Martin Compston ist eine geniale Besetzung in der Hauptrolle. Der 22-Jährige hat schon in Ken Loachs Sozialdrama «Sweet Sixteen» (2002) beeindruckt. Das Zusammenspiel von Compston und dem Schrotthändlerdarsteller Lewis gibt dem Film einen ungeheuren Mehrwert. Sie zeigen in ihrer Art des Spielens sehr zurückhaltend und subtil, dass der Sinn des Lebens in Freundschaft und Liebe besteht. So einfach ist das.

Susanne Schmetkamp,dpa

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