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Kritik: Auf den Spuren des Fanatismus

Pakistan 1979. ein Land im Ausnahmezustand. Der zwei Jahre zuvor durch einen Putsch an die Macht gelangte General Zia ul-Haq baut die Nation brachial in einen islamistischen Gottesstaat um. Welch menschliche Verrohung mit religiösem Fanatismus einhergehen kann, zeigt die pakistanische Regisseurin Sabiha Sumar in ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm «Silent Waters».

Die Jury des Filmfestes Locarno würdigte ihr einfühlsames Werk im vergangenen Jahr mit der höchsten Auszeichnung, dem Goldenen Leoparden. Die pakistanisch-deutsch-französische Koproduktion könnte kaum gegenwartsnäher sein. Aus mikrokosmischer Sicht der Einwohner des friedliebenden Dorfes Charkhi in der Nähe der indischen Grenze erlebt der Kinobesucher, wie Fundamentalisten eine offene Gemeinschaft allmählich in eine restriktive umbauen. Als zudem einige Sikh Pilger aus Indien erstmals ihr altes Dorf besuchen, verdüstert sich die Atmosphäre in Charkhi zusätzlich. Und so weicht der Verzückung des Zuschauers über die fröhlichen Bilder eines zunächst unbeschwerten Dorfalltags immer mehr eine Beklemmung, von der sich bis zum Abspann niemand mehr lösen kann.

Vom verträumten Teenager zum verblendeten Fundamentalisten

Wie in fast allen ihrer bisherigen Filme fürs Fernsehen rückt die Pakistanerin Sumar auch in diesem 99-minütigen Kinofilm die Lage und Belange der Frau in den Mittelpunkt: Die 40-jährige Ayeshsa – eindrucksvoll gespielt von Kirron Kher – erfährt den gesellschaftlichen Wandel als Nicht-Muslimin am eigenen Leib. Ihr 18- jähriger Sohn Saleem (Aamir Malik) entwickelt sich vom verträumten Teenager zum verblendeten Fundamentalisten. Mit seinem Tugendterror drückt er die Frauen in seinem Leben an die Wand, vergrault seine Freundin und treibt seine Mutter schließlich in den Selbstmord.

Ursprünglich von Sumar als Dokumentation über die Gewalt an Frauen nach der Teilung Indiens und Pakistans geplant, ist der Regisseurin ein ebenso komplexer wie spannender Kinofilm gelungen, der tief eintaucht in die Befindlichkeiten einer sich radikalisierenden Gesellschaft. Auch die nicht immer nachvollziehbaren Handlungsverläufe und manch unbeholfene Einlagen der vielen Laiendarsteller können nicht trüben, dass «Silent Waters» mit seinem Blick in die Geschichte ein lehrreicher Film für die Gegenwart ist.

dpa

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Nach dem Martinszug ziehen die Laternenkinder mit ihren Eltern nochmal los. Sie klingeln an Haustüren, singen Martinslieder und bekommen dafür Mandarinen, Nüsse oder Süßigkeiten. Dieser Brauch heißt je nach Region Schnörzen, Dotzen oder Gribschen. Aber gibt es diese Tradition überhaupt noch?

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