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Kritik: Argentinisches Filmdrama "Sin Querer – Zeit der Flamingos"

Frankfurt/M (AP) Doppelt so groß wie Deutschland, aber geringer besiedelt als Hamburg, das ist das weite, karge Land im Süden Argentiniens namens Patagonien, in dem auf einen Bewohner neun Schafe kommen. Für den aus der Hauptstadt Buenos Aires stammenden Autor, Kameramann und Regisseur Ciro Cappellari ist Patagonien die Heimat seiner Kinder- und Jugendzeit. Nun ist er mit seinem Film "Sin Querer – Zeit der Flamingos" zurückgekehrt, um eine Geschichte zu erzählen, in der die Melancholie und Tragik dieses Landstrichs in den Schicksalen der Figuren aufscheint.

Die Handlung des ab 24. Juli in den deutschen Kinos zu sehenden Films ist einfach gestrickt: Mario, ein junger Ingenieur aus der Hauptstadt, trifft in dem kleinen patagonischen Dorf San Lorenzo ein. Er soll eine Trasse für den Überlandtransport eines Ausflugdampfers vermessen. Das verspricht den Dorfbewohnern nicht nur Abwechslung im täglichen Einerlei, sondern verheißt auch einen wirtschaftlichen Aufschwung. Rasch lernt Mario die attraktive Gloria kennen, die nur ihren kranken Ehemann nicht mehr in ihr Bett läßt.

Rasch entwickelt Cappellari ein menschliches Panoptikum des Dorfes am Ende der Welt. Da gibt es Honoria, die große alte Dame und heimliche Herrschin des Dorfes. Maldonado, ein Mann in den besten Jahren, ist ein notorischer Ehebrecher und hinterlistiger Geschäftemacher; Amado Bazan, sein zwielichtiger Partner, nimmt ein verstörtes Mädchen zur Frau. Und da ist schließlich die verbitterte Indianerin Rosa auf der Suche nach ihrem spurlos verschwundenen Vater. Die Gesichter dieser Menschen prägen sich nicht weniger ein als die der Hauptfiguren.

Diese sind mit dem gutaussehenden Daniel Kuzniecka als Mario und insbesondere der gereiften Angela Molina als Gloria hervorragend besetzt. Die Spanierin, bekannt aus Filmen von Luis Bunuel und Carlos Saura, zeigt eine vom Leben enttäuschte Frau, die in der Sexualität jene Abenteuer sucht, die ihr vom Leben in der patagonischen Einöde verweigert werden. Die schwarzhaarige Andalusierin verbirgt nicht ihr Alter und ist doch eine hinreißend erotische Frau. Allein für ein Wiedersehen mit der Molina lohnt der Besuch von "Sin querer". Aber es gibt noch einen guten Grund: Der Film zählt zu denen, die in eine ferne Welt führen, deren Bekanntschaft reicher macht.

Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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