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    Kritik: Alan Rudolphs "Liebesflüstern" : Christie endlich wieder in großer Rolle

    Frankfurt/M (AP) Zwei Ehepaare, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Der starke Handwerker Lucky und seine alternde Phyllis hier, der unreife Yuppie Jeffrey und seine um Liebe und Sex bettelnde Partnerin Marianne da. Was geschieht, wenn sich diese vier Menschen begegnen und gar über Kreuz erotisch aufeinander einlassen? Der amerikanische Regisseur Alan Rudolph, ein ausgewiesener Spezialist für ungewöhnliche Konstellationen, zeigt seine Version in dem Film "Liebesflüstern", der am 23. Oktober in den deutschen Kinos anläuft.

    Was da in knapp zwei Stunden an menschlichen Verwicklungen vor dem Zuschauer enthüllt wird, hat den Charakter einer ausgeklügelten Versuchsanordnung. Daß es trotzdem keineswegs eine blutleere psychologische Fallstudie geworden ist, liegt an den exzellenten Schauspielern in den vier Hauptrollen: Nick Nolte spielt überzeugend den reparierenden Alleskönner Lucky, der einsame Hausfrauen mit rauhem Charme und handfestem Sex beglückt. Die zarte Lara Flynn Boyle verkörpert die rechte Mischung zwischen weiblichem Unglück und aufkommender Hysterie. Der junge Jonny Lee Miller mimt den glatten Jeffrey mit angedeuteten Brüchen und Abgründen.

    Aber das große Ereignis von "Liebesflüstern" ist der Auftritt eines einstigen Weltstars des Kinos: Julie Christie, inzwischen 56 Jahre alt, nutzt ihre Figur der ausgedienten Billigfilm-Diva, die vergangenen Glanzzeiten nachtrauert, zum Porträt einer ebenso erfahrenen wie mit bewegender Würde resignierten Frau. Es ist die Kunst und die Magie der Schauspielerin Christie, in dieser eher tragischen Figur immer wieder die strahlende Jugendschönheit früherer Jahre aufscheinen zu lassen. Das sind die Momente, die klar machen, warum der virile Lucky sie letztlich nie verlassen wird und Jeffrey sich in die viel Ältere verlieben muß.

    Julie Christie, deren letzte große Filmerfolge schon zwanzig Jahre zurückliegen, aber als Lara im Epos "Dr. Schiwago" oder an der Seite Donald Sutherlands in dem Kultfilm "Wenn die Gondeln Trauer tragen" unvergessen ist, feiert ein großartiges Comeback, das allein den Besuch des eleganten, durchaus hintergründigen Films von Alan Rudolph lohnt. Darstellerinnen in Christies Alter leiden schmerzlich unter fehlenden Rollenangeboten. Es gäbe nun Anlaß für Hollywoods beste Schreiber, sich ganz schnell an den Schreibtisch zu begeben, um das zu ändern.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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