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    Kritik: Alan Rudolphs Filmsatire "Breakfast of Champions"

    Frankfurt/Main - Kein Ort könnte amerikanischer sein als Midland City. Das ist das Städtchen, in dem Dwayne Hoover mit größtem Erfolg Autos verkauft. Für die Leute in und um Midland City ist er fast eine Art Idol, denn er macht selbst Werbung im Fernsehen, und sein Kopf prangt von jeder Plakatwand.

    Aber in Wirklichkeit sieht es überhaupt nicht gut aus mit Hoover: Seine Frau ist ein tablettensüchtiges Wrack, sein Sohn betätigt sich als singendes Barhäschen, seine Geliebte droht mit dem Ende der heimlichen Vergnügungen, und sein Verkaufsleiter präsentiert sich in Damenunterwäsche.

    Kurzum, Hoover hat eine Menge Probleme, zweifelt am Sinn des Daseins und schiebt sich immer wieder mal den Revolver in den Mund, um der Sache ein Ende zu machen. Doch dann kommt der gescheiterte Autor Kilgore Trout, dessen aberwitzige Science-Fiction-Geschichten nur in schmierigen Pornomagazinen erscheinen, in die Stadt und bringt neue Hoffnung ins Leben des Autohändlers. Das ist die Handlung des US-Films "Breakfast of Champions" von Alan Rudolph, der nach seiner Präsentation als Wettbewerbsbeitrag bei den gegenwärtigen Berliner Filmfestspielen am 18. Februar in die deutschen Kinos kommt.

    Der für seine anspruchsvollen Arbeiten bekannte, aber gerade deshalb in Hollywood nicht überbeschäftigte Rudolph hat auch das Drebuch zu dem Film geschrieben. Die Geschichte selbst aber stammt vom wohl größten lebenden Satiriker der amerikanischen Literatur, Kurt Vonnegut. Dessen unter gleichem Titel bereits 1973 erschienener Roman hatte Rudolph schon lange zur Verfilmung gereizt, aber es dauerte 25 Jahre, bis sich dieser Traum des Regisseurs erfüllte. Aber wie das so ist bei langgehegten Wünschen, die endlich wahr werden: Irgendwie hatte man sich von ihrer Realisierung doch viel mehr erhofft.

    Der mit 105 Minuten zu lang geratene Streifen beginnt furios und lebt eine gute Stunde lang von den Glanzauftritten seiner prominenten Darstellerriege: Bruce Willis zeigt sich in der Rolle von Hoover mal wieder von seiner ehrgeizigen Seite, Nick Nolte legt als Dessousfetischist eine begeisternd schräge Kinonummer hin, die noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Hervorragend auch der alte Albert Finney als kauziger Schriftsteller und Glenne Headly als zickige Geliebte. Dagegen bleibt Barbara Hershey in der Rolle der weltabgewandten Ehefrau etwas unterfordert. Insgesamt ist das Agieren der Schauspieler aber die Eintrittskarte wert.

    Was sich von der Handlung leider nicht sagen läßt. Denn das Pulver ist bald verschossen, die aberwitzigen Knalleffekte verpufft, der Film hängt spätestens ab dem Mittelteil in der Luft. Was sich in Vonneguts Romanen, die ohnehin Geschmacksache sind, so witzig wie hintergründig liest, läßt sich eben nicht so einfach auf die Leinwand übertragen. "Breakfast of Champions" schrieb Vonnegut im Anschluß an eine Lebenskrise auf seine ganz eigene Art. Selbst ein erwiesener Könner wie Rudolph scheitert letztlich daran, eine bittere literarische Satire auf den amerikanischen Lebensstil kongenial filmisch umzusetzen. Das ist keine Schande, aber schade.

    Wolfgang Hübner, AP

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