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    Kritik: Agenten-Ränkespiele in den nächtlichen Straßen Londons

    Agenten-Ränkespiele in den nächtlichen Straßen Londons, Comedy-Star Bill Murray als zentrale Figur und als Filmtitel "Agent null null nix": Bei einer solchen Kombination kann es sich nur um eine Chaos-Komödie handeln. Murrays neuer Leinwandspaß, der am 4. Juni in unseren Kinos anläuft, baut auf einer originellen Storyidee auf. Für den populären amerikanischen Schauspieler also eine gute Voraussetzung, um wieder einen Erfolg zu landen, wie es ihm vor fünf Jahren mit "Und täglich grüßt das Murmeltier" gelang, als er mit Andie McDowell in einer Zeitschleife gefangen war.

    In "Agent null null nix" begreift sich Wallace Ritchie alias Bill Murray als Teil eines Mitmach-Reality-Theaters. Die auslösende Instruktion für die angesagte Performance des "Theater of Life", dem ganz London als Bühne dient, sollte der Hobby-Mime in einer Telefonzelle bekommen. Fataler Weise nimmt er den falschen Anruf entgegen und erhält eine Anweisung, die für einen leibhaftigen Killer namens Spencer bestimmt war. So gerät der naive Wally in ein Spionagekomplott. Er hält fortan Geheimdienstchefs und Callgirls für Ensemblemitglieder der Experimental-Schauspieltruppe und jede noch so haarsträubende Lage in die er gerät, für eine dramaturgisch besonders gelungene Vorgabe für seine Improvisation.

    Deshalb zuckt Wallace nicht mit der Wimper, wenn ihm Kugeln statt Platzpatronen um die Ohren pfeifen und wagt es, der schönen Lori (Joanne Whalley) Avancen zu machen. Denn zu Wally's Rolle als Bond- Verschnitt gehört eben das entsprechende Girl. Und wenn er lächelnd über echte Leichen steigt, bewundert er die Toten dafür, daß sie so täuschend realistisch wirken. Ob die Situation eine actionreiche Verfolgungsjagd oder ein russisches Tänzchen erfordert - der ahnungslose Wally ist kein Spielverderber. Der Clou sind dabei die doppeldeutigen Konversationen, in denen die Beteiligten den gleichen Satz völlig verschieden interpretieren. So kann Wally sogar vom "Theater of Life" sprechen und sein Gegenüber hält es für eine philosophische Betrachtung darüber, daß das Leben ein Spiel sei.

    Leider hat Regisseur Jon Amiel ("Sommersby") es nicht verstanden, seine Komödie punktgenau zündend zu inszenieren. Statt der erhofften Lachsalven reicht es nur für mehr oder weniger breites Grinsen. Deshalb gilt in Abwandlung eines berühmten Fußball-Zitats: Nach dem Film ist vor dem Film - man beginnt in freudiger Erwartung des nächsten Versuchs von Bill Murray auf einen würdigen Nachfolger für "Und täglich grüßt das Murmeltier" zu hoffen.

    Silvia Seipel, dpa

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