Archivierter Artikel vom 20.04.2012, 14:26 Uhr

Kristina Schröder, die überforderte Ministerin

Danke, das hat uns gerade noch gefehlt! Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hat ein Buch geschrieben, das politisch sein will, vor allem aber eines offenbart: dass die 34-Jährige die Ansprüche ihres Amtes nicht erfüllt.

Kristina Schröder bei der Präsentation ihres Buches, das sie mit ihrer Freundin und Mitarbeiterin Caroline Waldeck geschrieben hat.
Kristina Schröder bei der Präsentation ihres Buches, das sie mit ihrer Freundin und Mitarbeiterin Caroline Waldeck geschrieben hat.
Foto: DPA

„Danke, emanzipiert sind wir selber“ hat die Ministerin ihr Buch genannt. Ein Befreiungsschlag für Frauen soll es sein, ein Mutmachen für eigene Lebensentwürfe. Doch bei diesem Versuch scheitert Kristina Schröder an sich und ihrer begrenzten Wahrnehmung von Realitäten. Denn als die einzig wahren Feinde von Frauen hat sie die Feministinnen ausgemacht. Sie sind es angeblich, die den Frauen mit missionarischem Eifer immer wieder den Spiegel des eigenen Ungenügens vorhalten und sie damit zermürben. Das meint Kristina Schröder ernst – und zieht dazu ihre eigene Biografie heran.

Schon als 19-Jährige schrieb sie in der Abiturzeitung, sie wolle „Ehe, Kinder und Karriere unter einen Hut bringen, ohne dass irgendein Teil darunter leidet und ohne jemals zur Feministin zu werden“. Partnerschaft und Familie seien in feministischer Logik Orte weiblicher Unterdrückung. Dabei ist es nur die Logik der Kristina Schröder, die im Jahr 2012 zu diesen Schlussfolgerungen führt. Schließlich gibt es nicht den einen Feminismus, sondern es gibt vielfältige Strömungen, die aber in der Summe zu wichtigen gesellschaftlichen Veränderungen geführt haben. Dass der Feminismus mit seinen Verdiensten für eine 34-jährige Familienministerin zu einem Schimpfwort geworden ist, mutet abstrus an.

Überall lauern Feinde

Die Aufgaben der Zukunft beschreibt Kristina Schröder nur vage. Es gehe nicht darum, einen Feind zu besiegen, sondern „gemeinsam die Frage zu klären, wie wir – Mann und Frau – im 21. Jahrhundert leben und zusammenleben wollen“. Das klingt nach einem harmonischen Diskurs am Küchentisch, bei dem man klärt, wer den Müll nach draußen bringt und das Abendessen kocht. Doch das löst keine gesamtgesellschaftlichen Probleme.

Schröder will Freiheit und Individualität – das kann sie aus ihrer wohlsituierten Position heraus gut fordern. Ihr eigener Lebensweg hat keine Brüche. Der Vater Oberamtsanwalt, die Mutter Immobilienhändlerin, sie hat Soziologie und Politik in Mainz studiert, wurde schon 2002 in den Bundestag gewählt. Als Tochter aus gutem Hause kennt sie existenzielle Nöte nur aus der Theorie und hat offenbar auch keinen Blick für die Schattenseiten des Lebens.

Aus dieser Unbedarftheit heraus erklärt sich ihr politisches Versagen – und die Tatsache, dass sie sich von den Medien unverstanden fühlt und überall (feministische) Feinde vermutet. Alice Schwarzer sowieso, aber auch Bascha Mika und Ines Pohl, ehemalige und aktuelle Chefredakteurinnen der „taz“, gehören dazu. Nur ZDF-Frau Maybrit Illner kommt gut weg: Sie ließ eine Talkshow auf Bitte der damals schwangeren Ministerin aufzeichnen und verzichtete ihr zuliebe auf die Liveausstrahlung. Sie fände es gut, zitiert Schröder sie, „dass ich als werdende Mutter den Mut hätte, Prioritäten zugunsten des Privatlebens zu setzen“.

Aber der Mann, ja der muss sich nach Schröders Rollenverständnis nach wie vor im Leistungswettbewerb der Berufswelt behaupten. „Daran hat sich bis heute wenig geändert“, schreibt sie. „Mögen Männer mittlerweile auch am Herd, am Wickeltisch und im Kinderzimmer eine passable Figur machen: Das gilt als Kür – die Pflicht ruft woanders.“ Feministinnen, konstatiert Schröder weiter, „haben ein Umdenken der Männer erreicht, aber wenig dazu beigetragen, die Fesseln des traditionellen männlichen Rollenleitbilds zu lösen“. Das war auch nicht ihre Aufgabe, möchte man ihr antworten. Und dann folgert Kristina Schröder, die gut ausgebildete Frau wolle ohnehin nicht auf die Vorzüge des gut verdienenden, erfolgreichen Mannes an ihrer Seite verzichten. Schließlich habe eine Studie nachgewiesen, dass Frauen nach wie vor „nach oben“ heiraten möchten.

In welcher Welt bewegt sich Frau Schröder? Jedenfalls nicht in der Welt der Schlecker-Frauen, der Hartz-IV-Familien oder der Alleinerziehenden, für die sie als Ministerin ebenfalls zuständig ist. Was will sie diesen Menschen von „Zeitsouveränität“ erzählen, die sie als große Freiheit am Ende des Buches postuliert?

Keine Konsequenzen für Politik

„Ändern muss sich unsere Arbeitswelt mit ihrer (Un-)Kultur der permanenten Verfügbarkeit“, schreibt sie und hat in dem Fall sogar recht. Sie plädiert für vollzeitnahe Teilzeitmodelle und belegt den Wunsch der Arbeitnehmer danach wieder mit zahlreichen Studien und Umfragen. Doch dabei belässt sie es. Für ihr politisches Tun zieht sie keine Konsequenzen aus diesen Erkenntnissen. Offen bleibt letztlich aber eine ganz andere Frage: Was qualifiziert diese Frau als Bundesministerin?

Von unserer Redakteurin Birgit Pielen

Kristina Schröder mit Caroline Waldeck: „Danke, emanzipiert sind wir selber! Abschied vom Diktat der Rollenbilder“; Piper, 14,99 Euro