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Kommentar: Graue Eminenzen erteilen Limburger Bischof Absolution

Was läuft da eigentlich im Bistum Limburg und im fernen Rom? Das unwürdige Spektakel um den suspendierten Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst geht munter weiter. Er selbst fügt ihm immer neue Kapitel hinzu.

Franz-Peter Tebartz-van Elst
Das Verfahren gegen Tebartz-van Elst wurde eingestellt.
Foto: Arne Dedert/Archiv – DPA

Hans-Georg Egenolf zur zeitweisen Rückkehr des Limburger Bischofs

Hans-Georg Egenolf kommentiert.
Hans-Georg Egenolf kommentiert.

Es zeugt von dem mangelnden Fingerspitzengefühl dieses Mannes, dass er heimlich nach Limburg zurückkehrt und damit erneut die Lunte an ein Pulverfass legt, das der katholischen Kirche in Deutschland und dem Vatikan in Rom um die Ohren zu fliegen droht.

In welcher Welt lebt dieser Bischof eigentlich, welche Eigenwahrnehmung, welche Einschätzung von der Stimmung und der Lage im Bistum und welche Berater hat er? Klar, die Unschuldsvermutung hinsichtlich der Baukosten für den Bischofssitz gilt auch für Franz-Peter Tebartz-van Elst. Die Ergebnisse der von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen Untersuchung müssen abgewartet werden. Andererseits hat Tebartz-van Elst mit der Zahlung der Geldauflage von 20 000 Euro aber selbst eingeräumt, bezüglich des Erste-Klasse-Flugs nach Indien die Unwahrheit gesagt zu haben. Eine lässliche Sünde? Ja sicher, aber nicht für einen Bischof.

Bezeichnend ist, dass rückwärtsgewandte Kräfte in Rom allem Anschein nach versuchen, die Personalie Tebartz-van Elst für einen Richtungskampf zu instrumentalisieren. Es ist geradezu absurd zu behaupten, das Bistum Limburg sei renitent und antirömisch eingestellt. Wer die Protagonisten kennt, weiß, dass solche Vorwürfe völlig haltlos sind und einzig und allein dazu dienen, von den offensichtlichen und möglichen Verfehlungen eines erzkonservativen Mitstreiters abzulenken. Stattdessen – wie jüngst der frühere Kurienkardinal Walter Brandmüller – zu behaupten, Bischof Franz Kamphaus habe das Bistum fehlgeleitet und sei verantwortlich dafür, dass Tebartz-van Elst von den Katholiken in der Diözese abgelehnt werde, ist eine Unverschämtheit.

Die Äußerungen Brandmüllers, aber auch des Präfekten des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, und des jüngst zum Kardinal ernannten Glaubenspräfekten, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, zeugen von einem tiefen Misstrauen gegenüber den Katholiken in Deutschland, aber auch von einer latenten Respektlosigkeit gegenüber der Deutschen Bischofskonferenz. Ganz offensichtlich ohne Kenntnis der Untersuchungsergebnisse zu den Baukosten des neuen Limburger Bischofssitzes erteilen die grauen Eminenzen Franz-Peter Tebartz-van Elst die Absolution und versuchen, mit abstrusen Verschwörungstheorien und einer fortwährenden Medienschelte die Deutungshoheit über die Vorgänge in Limburg zu gewinnen. So macht man vielleicht Politik in Rom, so treibt man aber hierzulande die Menschen in Scharen aus der Kirche.

E-Mail: hansgeorg.egenolf@rhein-zeitung.net

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