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Paris

Klasse Mode trotz der Pelze in Paris

Kein Wunder, dass die Armee der Anti-Pelzaktivisten vor der Modenschau von Jean-Paul Gaultier im dritten Pariser Bezirk so wütend kreischte wie schon lange nicht mehr.

Jean Paul Gaultier
Pelz ist wieder ein großes Thema – auch bei Jean Paul Gaultier. Dabei zeigt Gaultier Multi-Kulti-Mode vom Feinsten. (Bild: dpa)

Jean Paul Gaultier
Modische Weltreise: Jean Paul Gaultier mixt Babuschka-Blusen, China-Jacken, russische Folklore mit rumänischen Trachten und afrikanische Turbane. (Bild: dpa)

Pelz wird im kommenden Winter wieder zur ganz großen Sache. Kleine Nerzjacken, ausladende Fuchsmäntel, Kleider wie aus Affenfell oder zumindest Pelzbesatz an Saum oder Ärmeln rauschte in den vergangenen Tagen zuhauf über die Laufstege der noch bis zum kommenden Mittwoch dauernden Pariser Prêt-à-Porter-Woche (2. bis 10. März) der Damenkollektionen für Herbst/Winter 2010/2011. Wer sich nicht das Fell über die Ohren ziehen lassen will, kann zumindest auf Leoparden-Prints zurückgreifen. Denn auch diese waren bei vielen Designern zu sehen.

Céline
Purismus mit Klasse: Phoebe Philos Entwürfe für den kommenden Winter für das französische Luxushaus Céline. (Bild: dpa)

Die wohl von Mode-Insidern am meisten erwartete Schau war die von Phoebe Philo für Céline. Die von vielen verehrte Britin enttäuschte auch in ihrer zweiten Saison für das französische Luxushaus ihre Fans nicht. Fast rigoros wirkte ihr Bekenntnis zum Purismus, doch generierte sie daraus nicht Langeweile, sondern absolute Klasse. Asymmetrisch geschlossene Doppelreihermäntel- und Jacken in Marine, schmale Kleider mit kleinem Kragen sowie fließende cremefarbene Seidenblusen mit langen Bändern atmeten Noblesse. Weiche Strickteile variierten Troyer-Formen und wurden zu schneeweißen Blusen kombiniert, wadenlange A-förmige Röcke in Creme passten zu schlichten schwarzen Ledershirts.

Céline
Schmale Kleider mit kleinem Kragen gehören zu den Entwürfen, die Phoebe Philo für Céline entworfen hat. (Bild: dpa)

Ebenso selbstverständlich elegant wirkten die Entwürfe bei Akris mit superschicken Tweedhosen im Boot-Cut-Schnitt, zierlichen Doubleface-Kapuzenmänteln aus Kamelhaar und graziösen kurzen Etui-Kleidern aus Leder oder kurz geschorenem Fell. Sportlichkeit buchstabierte Akris-Designer Albert Kriemler ganz feminin. Hinreißend schlichte Cocktailkleider bestachen durch schöne Details wie Rosshaar-Bustiers als Oberteil, aufgestickte Federn oder trapezförmige Kristalle auf Tüll. Die Farben: Pflaume, Brombeere, Oliv, Rauchschwarz und Senfgelb.

Akris
Feminin und elegant wirken die Kreationen des Designers Albert Kriemler für Akris. (Bild: dpa)

Keinen Pelz, aber Leder und Latex zuhauf gab es bei Karl Lagerfeld in der Schau seiner eigenen Linie zu sehen. Zur Domina im Unterteil kombinierte er züchtige Couture im Oberteil. Schwarze Lack-Leggings oder -röcke und leicht gerundet um den Körper modellierte Kostümjacken oder Mantelkleider sowie Röhrenhosen aus silberfarbenem Leder zu reich bestickten Oberteilen mischten Elemente der 50er- und 80er-Jahre.

Akris
Bei Akris-Designer Albert Kriemler dominieren im kommenden Winter die Farben Pflaume, Brombeere, Oliv, Rauchschwarz und Senfgelb. (Bild: dpa)

Eigentlich trafen Tierschützer mit der Mini-Demo vor Gaultier nicht ganz den Richtigen. Zwar zeigte er zahlreiche Felle, doch in anderer Hinsicht kam die Schau ganz politisch korrekt daher. Gaultier zeigte nämlich Multi-Kulti-Mode vom Feinsten. Das Defilee glich einer modischen Reise um die Welt. Babuschka-Blusen und Cowboy-Boots, China-Jacken und britische Karos, russische Folklore und rumänische Trachten, afrikanische Turbane, galizische Muster und eine dicke Portion Pariser Schick. Abgesehen von grellen Strümpfen und schrillen Hüten sah nichts lächerlich aus – Gaultier verstand es zu mixen und versteckte unter der auffallenden Oberfläche tolle Klassiker wie Trenchcoat oder Blazermantel.

Karl Lagerfeld
Keinen Pelz, dafür aber Latex und Leder wie etwa diese Röhrenhose aus silberfarbenem Leder, zeigte Karl Lagerfeld bei seiner eigenen Linie in Paris. (Bild: dpa)

Die Schau von Viktor & Rolf war eigentlich eine Performance, traten doch die zwei Ober-Kreativos der Modeszene selbst auf den Laufsteg. Im Zentrum stand das einstige Supermodel Kristen McMenamy in der Rolle einer Schaufensterpuppe. Sie harrte geduldig aus, während die Designer sie aus einem überdimensionalen Tweedmantel schälten. Dabei kamen unendlich viele Schichten hervor: Unter dem Teil verbarg sich ein weiteres mit Fellbesatz, später eine Blousonjacke, dann eine aus Leder und so fort, bis McMenamy nur noch einen Body trug.

Karl Lagerfeld
Lack-Leggings oder -röcke mit reich bestickten Oberteilen: Karl Lagerfeld verbindet für die Herbst-Wintersaison 2010/2011 Elemente der 50er- und 80er-Jahre. (Bild: dpa)

Nach und nach wurde sie neu angekleidet. Am Ende trug sie ein weites Cape mit fächerförmigem Kragen, das zuvor als Stufenrock gedient hatte. Und dies war der eigentliche Clou: Die gut geschnittenen, doch eher unspektakulär in Schwarz, Weiß oder Anthrazit daherkommenden Entwürfe wurden anderen Models – als eine Art wandernde Kleiderständer – an- oder ausgezogen. Und sie passten stets perfekt, ob durch das Schließen von Reißverschlüssen dem Körper angepasst oder für McMenamys tonnenschweren Lagen-Look geweitet.

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