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    Kinderbuchautor Stefan Gemmel: Rekordvorleser aus Lehmen

    80 Lesungen in 14 Tagen – quer durch Deutschland verteilt: Stefan Gemmel, Kinderbuchautor aus Lehmen an der Untermosel, will die schnellste Lesereise der Welt schaffen. Vorher muss er allerdings unser Interview überstehen.

    Kinderbuchautor Stefan Gemmel liebt es nicht nur, Geschichten zu schreiben – er liebt es auch vorzulesen. Vorlesen kann er überall: unseren beiden Praktikantinnen Maria und Marie zum Beispiel, beim Redaktionsbesuch im Innenhof des Verlagsgebäudes. Oder er plant gleich einen Weltrekord: die schnellste Lesereise der Welt. Klingt verrückt? Dazu passt das verrückte Interview, zu dem wir Stefan Gemmel einluden. Foto: Michael Defrancesco
    Kinderbuchautor Stefan Gemmel liebt es nicht nur, Geschichten zu schreiben – er liebt es auch vorzulesen. Vorlesen kann er überall: unseren beiden Praktikantinnen Maria und Marie zum Beispiel, beim Redaktionsbesuch im Innenhof des Verlagsgebäudes. Oder er plant gleich einen Weltrekord: die schnellste Lesereise der Welt. Klingt verrückt? Dazu passt das verrückte Interview, zu dem wir Stefan Gemmel einluden.
    Foto: Michael Defrancesco

    Sie planen im Herbst die schnellste Lesereise der Welt, es soll Ihr zweiter Weltrekord werden. Warum sind Sie so rekordverrückt?

    Bei meinem ersten Vorleseweltrekord auf der Festung Ehrenbreitstein habe ich gemerkt, wie viel Spaß das den Kindern und mir gemacht hat. Vor allen Dingen hatten die Kids ein positives literarisches Erlebnis. Und diesmal kann viel mehr schiefgehen. Da steigt gleich mein Adrenalinspiegel, wenn ich daran denke.

    Aber vorher können Sie bei unserem Interview noch ein paar Rekorde knacken, gleichsam im Vorbeigehen.

    Oh wie praktisch!

    Es gibt zum Beispiel einen Rekord im Stehen auf einem Bein. Wenn Sie bitte aufstehen würden? 76 Stunden und 40 Minuten gilt es zu toppen, das hat ein Australier geschafft.

    Ich soll mich echt hinstellen?

    Bitte sehr.

    Ihr seid bekloppt.

    Ja. Und wir haben eine Stoppuhr. Ab jetzt.

    (steht auf und hebt das Bein)

    Wollen Sie immer der Beste sein?

    Nein. Es geht gar nicht nur um mich. Auf der Ehrenbreitstein waren 10 800 Kinder – und die waren alle mit mir Weltrekordler. Alle bekamen eine Urkunde, weil wir gemeinsam gelesen haben! Ich stehe gern vorn, ja, und ich leiste gern Pionierarbeit. Aber dann stelle ich das gern mit allen Kindern auf die Beine.

    Und Sie denken sich dabei ganz neue Rekorde aus. Sie müssen nicht besser als ein anderer sein, sondern Sie haben schon gewonnen.

    Bis vor zehn Minuten war ich noch sicher, dass ich nie versuchen würde, einen alten Rekord zu knacken. Ich finde es super, was Neues zu erfinden. Und jetzt stehe ich hier wie ein Flamingo. Darf ich das Bein wechseln?

    Nein.

    Mal hüpfen?

    Nein.

    Aber nach einer Stunde darf ich mal eine Pause machen, das sehen die Regeln immer vor.

    Wir machen die Regeln. Ihre Rekorde sollen helfen, Kinder zum Lesen zu bringen?

    Das ist der Sinn, ja. Und es gelingt immer wieder! Immer wieder erzählen mir Eltern, dass ihr Kind so begeistert war, dass es jetzt auch mal zu einem Buch greift. Und ich muss hier gleich aufgeben, das geht echt ins Bein!

    Nach drei Minuten?

    Krass, das sind erst drei Minuten? Komm, die fünf schaff ich.

    Vorlesen können Sie gut. Was können Sie denn überhaupt nicht?

    Lang auf einem Bein stehen. Und verlieren. Ich werde in Depressionen verfallen, wenn der Rekord nicht klappt. Mathe kann ich auch gar nicht. Was ich echt supergern können würde, ist singen. Ich kann überhaupt nicht singen! Da lese ich kleinen Kindern vor, wie schön der Drache singt – und dann fragen die: "Wieso hast du das Lied nicht gesungen?" Und dann muss ich murmeln, dass ich nicht singen kann. Ich stamme aus Morbach, und da gab es einen Kinderchor. Den hat 30 Jahre lang der Herr Hoffmann geleitet, und nur zwei Kinder haben bei ihm nicht singen gelernt. Das andere Kind war der Uwe.

    Wie kann man Kindern helfen, das zu entdecken, was sie besonders gut kennen?

    Ich wurde von meiner Deutschlehrerin entdeckt! Ich hatte damals ganz schlechte Noten in Deutsch, aber sie hat irgendetwas in meinen Texten gesehen. Man muss eigentlich jedes Kind individuell an der Nase packen, die sie einem entgegenhält: ob es sportlich ist, gut Musik kann oder gut in Deutsch ist. Leider ist das bei den großen Klassen heute kaum noch möglich.

    Die fünf Minuten wären um. Wollen Sie sich setzen?

    Oh ja. (schnauft und setzt sich)

    Rekorde haben ja ganz viel mit Quatsch zu tun. Wir hätten noch einfachere Sachen für Sie. Hier, Sie könnten diesen Liter Zitronensaft in 53,9 Sekunden trinken. Oder möchten Sie eine 160-Wörter-SMS in 18,19 Sekunden tippen? Oder die Geschichte der "Drei kleinen Schweinchen" in 13 Sekunden vorlesen? Hier wäre der Ausdruck für Sie.

    13 Sekunden? Dann mal los. (holt tief Luft und liest rasend schnell vor)

    Zeit ist um. Uh, gerade mal zweieinhalb Absätze.

    Wahnsinn! Das geht doch gar nicht!

    Ist ja auch der Weltrekord!

    Sie lachen so fies. Das macht mir Angst. Kommen da noch schlimmere Sachen? Das Stehen auf einem Bein war ja schon gemein. 76 Stunden ...

    Ah, das ist harmloser Sport. Nur weil Sie grandios gescheitert sind ...

    Ich bin gleich deprimiert, ich sag es Ihnen gleich.

    Möchten Sie einen Keks?

    Danke. Das hilft. Ein bisschen. (mampft)

    Gut, Sie waren ja auch nicht vorbereitet. Wie bereiten Sie sich auf die schnellste Lesereise der Welt vor?

    Die Lesereise wird zwei Wochen dauern, und vorher werde ich massiv runterfahren müssen. Mein Hausarzt hat mich tatsächlich vorgewarnt, dass während der Lesereise mein Adrenalinspiegel zwei Wochen lang nicht mehr sinken wird. Auch nachts nicht. Ich werde also auch schlecht schlafen. Und wenn ich acht, neun Lesungen pro Tag hoch konzentriert mache, muss auch der Geist funktionieren. Ich werde vorher viel laufen, mich gesund ernähren, und ich muss vor den jeweiligen Lesungen runter auf eine Nullstimmung kommen. Aus dem Stress raus. Das muss man trainieren. Hätte ich das eben machen können, dann wäre ich locker bis zum dritten "Schweinchen"-Absatz gekommen.

    Wie wollen Sie Routine vermeiden, wenn Sie zwei Wochen lang täglich das Gleiche erleben?

    Ich habe mir ganz vielfältige Stationen ausgesucht. Ich lese mal in der Kirche, mal im Knast. Oder bei der Rhein-Zeitung im Druckhaus! Ansonsten werden die Lesungen immer anders ablaufen, um Routine zu vermeiden. Der Stress wird enorm sein. Um 80 Lesungen in 14 Tagen zu schaffen, haben wir einen sehr engen Terminplan. Drei Fahrer wechseln sich ab, und wir dürfen nicht in einen Stau kommen. Das wäre fatal. Denn jede Lesung muss mindestens eine Stunde dauern, sonst wird sie für den Weltrekord nicht anerkannt. Und: Wir dürfen keine Verkehrsregeln verletzen. Wenn wir über eine rote Ampel brettern oder sonst einen Verstoß begehen, ist der Rekord vorbei – beim ersten Punkt in Flensburg ist alles aus.

    Lesung im Auto?

    Das ist nicht so einfach. Die Lesung muss angemeldet sein, spontan kann ich nicht sein, wenn Stau ist.

    Schade. Sonst könnten Sie im Stau raus auf die Raststätte und spontan den Lkw-Fahrern aus Ihrem Kinderbuch vorlesen.

    Jaha, das hättense gern.

    Ja.

    Wir haben einen Notfallplan: Wir müssen nur 80 Lesungen halten, wir werden aber 84 Lesungen machen. Vier Lesungen dürfen also platzen. Die späteste Lesung machen wir nach 22 Uhr in Morbach in der Schulbücherei, die nach mir benannt wurde. Nachts geht es nicht, weil sich die Lesung ja an Kinder richtet.

    Vielleicht haben Sie auch schon längst einen Rekord geknackt, von dem Sie gar nichts wissen! Was ist Ihr teuerstes Buch im Regal?

    Hab ich geschenkt bekommen. Ein Buch, das mit Gold belegt ist, und das ist ein paar Hundert Euro wert.

    Niedlich. Das teuerste Buch der Welt kostet 30,8 Millionen Dollar, ein Original von Leonardo da Vinci. Wie viele Bücher haben Sie daheim?

    Oh eine Menge. Sehr viele. Ein paar Hundert. Mehr als 1000. Ich würde 1500 sagen.

    Weit weg vom Rekord. Rund 1,5 Millionen Bücher umfasst die größte private Buchsammlung der Welt. Sie bekommen hier von uns Chancen über Chancen, einen Rekord zu knacken!

    Und keine nutze ich.

    Tja, dann müssen Sie doch zur schnellsten Lesereise antreten.

    Ich glaube, dass mich die Fahrerei total nerven wird. Aber ansonsten freue ich mich riesig darauf.

    Haben Sie einen Glücksbringer? Machen Sie Stoßgebete?

    Eine Standleitung zum lieben Gott habe ich ohnehin. Ansonsten habe ich keinen Glücksbringer. Am Ende verliere ich den, und dann ist der Rekord futsch. Das Risiko wäre mir zu groß.

    Das Gespräch führten Michael Defrancesco und Sabine Scharn

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