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    Celle

    Kinder lassen Blockflöte liegen – Alternativen sind hipper

    Die Zahl der Musikschüler in Deutschland steigt. Blockflöte spielen aber nur noch halb so viele Jungen und Mädchen wie vor 20 Jahren. Ist das Holzblasinstrument am Ende?

    Blockflöte
    Die Blockflöte ist nicht mehr die Nummer eins bei Kindern. Sie lernen heute lieber Klavier und Gitarre spielen.
    Foto: Jens Büttner - DPA

    Auch wenn «Ihr Kinderlein kommet» manchmal quietschig klingt - die Blockflöte gehört zur Weihnachtszeit wie Plätzchen, Wunschzettel und Krippenspiel. Bei den Adventskonzerten vor stolzen Eltern darf sie nicht fehlen. Doch die Schar der Flötenkinder schrumpft, was auch ein Blick in die Statistik des Verbands Deutscher Musikschulen belegt. Unangefochtene Nummer eins ist schon lange das Klavier, bis Ende der 90er Jahre gefolgt von der Blockflöte. Jedoch hat sich die Zahl der Blockflötenschüler unter 18 Jahren von 100 000 im Jahr 1995 mittlerweile nahezu halbiert.

    Ist die Blockflöte uncool geworden? Liegt es an den Eltern, die sich die hohen Frequenzen beim Üben daheim ersparen wollen und ihren Nachwuchs eher als hippe Gitarristen sehen? Oder fehlen die Vorbilder à la Stargeiger David Garrett? Seit drei Jahren lernen sogar mehr Musikschüler Violine als Blockflöte.

    Ronald Haase, Geschäftsführer des größten deutschen Blockflötenbauers Moeck, sagt: «Wir haben keine Untergangsstimmung, wir passen uns gut an.» Rund 60 Mitarbeiter kümmern sich in der Fabrik in Celle um Entwicklung, Produktion und Vertrieb der Instrumente sowie um den zugehörigen Verlag. Der Export sei ein solides Standbein, berichtet Haase.

    Das gesunkene Interesse habe vielfältige Gründe, sagt der Chef des Traditionsunternehmens: «Vor 30 Jahren waren Geige und Gitarre für große Teile der Bevölkerung unerschwinglich.» In den 70ern hätten alle Blockflöte gespielt, obwohl nicht jeder Lust darauf hatte. «Für Anfänger ist es ein unübertroffen gutes Instrument, man muss den Atem kontrollieren und lernt Fingerfertigkeit», ist Haase überzeugt.

    Dem Rückgang flötender Schüler und Studenten kann der Professor für Blockflöte, Ulrich Thieme, sogar positive Seiten abgewinnen. «Es ist ein Gesundschrumpfen», sagt der Wissenschaftler von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Mit der Jugendbewegung sei die Blockflöte in den 1920er Jahren in Deutschland zum Massenphänomen geworden. «Jedes Instrument, das massenhaft gespielt wird, wird oft schlecht gespielt.» Das sei ein Ursprung des schlechten Images der Blockflöte.

    Eine Werbekampagne für die Blockflöte wie vor einigen Jahren für den Kontrabass hält der Professor für unnötig. Trotz gesunkener Schülerzahl sei bei Wettbewerben wie «Jugend musiziert» das künstlerische Niveau sehr hoch. «In der Spitze ist die Blockflöte in ihrer Geschichte seit dem Mittelalter noch nie so gut gespielt worden wie heute.»

    Auch der Musiker Matthias Schrei sieht eine Zukunft für das Holzblasinstrument. Anders als sein Künstlername «Blockflöte des Todes» vermuten lässt, hat er früher selbst gern geflötet. «Niemand nimmt eine Blockflöte mit auf Klassenfahrt, auf den großen Bühnen der Welt spielt sie keine Rolle», klagt der Sänger, der kürzlich von Berlin nach Hude im Landkreis Oldenburg gezogen ist. Dabei klinge «Leise rieselt der Schnee» nach wenigen Monaten Unterricht auf der Geige noch schiefer und grausiger.

    Verband Deutscher Musikschulen, Zahlen und Fakten

    Flötenbauer Moeck

    Homepage «Blockflöte des Todes»

    Mehr Musikschüler

    Die öffentlichen Musikschulen in Deutschland zählten vor zehn Jahren gut 802 000 Schüler, 2012 waren es bereits knapp 920 000. Die Zunahme erklärt sich vor allem damit, dass schon Babys und Kleinkinder Früherziehungs-Kurse besuchen und es mehr Kooperationen mit Kitas oder Schulen gibt. So werden beispielsweise spezielle Bläserklassen eingerichtet. Mit gut 132 000 Schülern ist das Klavier das beliebteste Instrument, gefolgt von der Gitarre mit gut 110 000 und der Geige mit knapp 61 000 Schülern. Während es 1995 noch 100 000 Blockflötenschüler gab, waren es im vergangenen Jahr nur noch gut 52 000.

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