Archivierter Artikel vom 24.04.2020, 12:46 Uhr
Berlin

Coronavirus-Pandemie

Kein DFB-Pokalfinale am 23. Mai in Berlin

Aus dem DFB-Pokalfinale im Berliner Olympiastadion am 23. Mai wird nichts. Wann das Endspiel überhaupt stattfinden kann, bleibt offen. Auf jede Fall droht dann ein Finale ohne Zuschauer. Derzeit sind nicht einmal die Halbfinals ausgetragen.

Lesezeit: 3 Minuten
DFB-Pokal
Das Finale im DFB-Pokal kann nicht am 23. Mai in Berlin stattfinden.
Foto: Friso Gentsch/dpa

Berlin (dpa). Kein Fußballfest im Olympiastadion, keine rauschende Partynacht für den Cupsieger und auf jeden Fall ein Geisterspiel: Das DFB-Pokalfinale kann aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht wie geplant am 23. Mai in Berlin stattfinden.

Wie der Deutsche Fußball-Bund nach einer Videokonferenz des Präsidiums mitteilte, bleibt der Wettbewerb aufgrund der Corona-Krise auf unbestimmte Zeit ausgesetzt und der Endspieltermin offen. Es stehen Pokal zuvor noch die Halbfinals mit den Partien FC Bayern München gegen Eintracht Frankfurt und 1. FC Saarbrücken gegen Bayer 04 Leverkusen auf dem Programm. Auch für diese Begegnungen gibt es zunächst noch keine konkreten Termine.

Es sei „überaus bedauerlich, dass auch dieses besondere Spiel aller Voraussicht nach ohne Zuschauer im Stadion stattfinden muss, wobei wir selbstverständlich zunächst die generellen behördlichen Entscheidungen und Vorgaben abzuwarten haben“, sagte DFB-Präsident Fritz Keller und ergänzte: „Unter der Voraussetzung, dass das Spiel genehmigt wird, blicken wir dann erstmals in der Geschichte des DFB-Pokals sozusagen einem Wohnzimmer-Finale entgegen.“

Immerhin sei das Spiel „ja im frei empfangbaren Fernsehen für jedermann zu sehen“, sagte Keller und verdeutlichte den Wunsch des Verbandes. Ziel sei es, die Saison 2019/2020 bis zum 30. Juni zu beenden. Maßgeblich dafür seien die Zustimmung der zuständigen Behörden und die Einhaltung entsprechender Vorgaben für mögliche Geisterspiele. Die Bundesliga bleibt zunächst auch über den 30. April hinaus unterbrochen. Auf genaue Termine will sich der DFB derzeit nicht festlegen. DFL-Chef Christian Seifert hatte bei der Präsentation des Krisen-Konzepts für die Bundesliga am Donnerstag nur lapidar auf die Zuständigkeit des DFB für den Pokal verwiesen.

Eine normale Durchführung des Endspiels im Olympiastadion ist ohnehin nicht möglich. Wie der Berliner Senat am Dienstag beschloss, dürfen öffentliche Sportveranstaltungen in der Hauptstadt bis zum 24. Oktober nur ohne Zuschauer stattfinden. Die entsprechende Verordnung beschränkt die maximale Teilnehmerzahl bei Konzerten, Messen oder Volksfesten hingegen auf 5000. Events mit mehr als 1000 Teilnehmern gibt es in Berlin bis 31. August nicht. Auch Hertha BSC und der 1. FC Union dürften bei einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Bundesliga demnach nur vor leeren Rängen in ihren Stadien antreten.

Seit 1985 wird das Pokalfinale jährlich in Berlin ausgetragen, bis 1984 wurde der Endspielort noch mehr oder weniger kurzfristig festgelegt. Schnell etablierte sich der Schlachtruf „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ unter den Fans, die regelmäßig für eine ausverkaufte Arena sorgten. Das 3:0 des FC Bayern gegen RB Leipzig sahen Ende Mai vergangenen Jahres 74 322 Zuschauer.

Aufgrund der Corona-Krise waren im März bereits die für 21./22. April geplanten Halbfinals auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Trotz der weiter geltenden Abstandsregeln und Kontakteinschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus ist derzeit nur eingeschränktes Training möglich – auch für Saarbrücken. Die Landesregierung erlaubte das dem Regionalligisten, um für „sportliche Chancengleichheit“ zu sorgen, wie die saarländische Staatskanzlei mitteilte. Die Bundesliga-Profis schwitzten zuvor längst wieder in kleinen Gruppen auf dem Rasen.

Offen bleibt, ob es aufgrund der derzeitigen Umstände überhaupt ein Finale geben kann. Klar scheint jedoch, dass durch die Verschiebung bereits auch die nächste Pokalsaison beeinflusst wird. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie könnten dafür sorgen, dass es den traditionellen Saisonstart mit der ersten Pokalrunde vor dem ersten Liga-Spieltag so nicht geben kann. Denn der Heimvorteil der Amateurclubs birgt in der Corona-Krise zusätzliche Unwägbarkeiten. Auch wenn die Partien als Geisterspiele stattfinden, sind in den kleineren Stadien die Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen viel schwieriger umzusetzen als in den Bundesliga-Arenen.

Zudem steht noch nicht einmal fest, wann das Teilnehmerfeld für den Wettbewerb 2020/21 komplett sein wird. In den Landesverbänden ruht derzeit natürlich auch der Pokal. Der wie das große DFB-Pokalfinale am 23. Mai angesetzte Tag der Amateure mit den Landespokal-Endspielen muss zunächst nachgeholt werden, um die Qualifikation abzuschließen.

DFB-Pokal beim DFB

DFB-Präsidium