Archivierter Artikel vom 16.03.2011, 09:22 Uhr

Kein Bock auf Musikschule: So sagt man's den Eltern

Hof/Berlin (dpa/tmn). Eltern finden musikalische Bildung wichtig, Kinder würden lieber zum Skaten gehen. Oft gehen die Vorstellungen über Hobbys auseinander. Wer seine Eltern überzeugen will, sollte mit offenen Karten spielen und ein paar gute Argumente parat haben.

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Hobbys sollten Spaß machen
Vielen Eltern ist es wichtig, dass ihre Kinder ein Instrument beherrschen. Bevor das Hobby in Frust umschlägt, sollten Jugendliche besser eigene Vorschläge machen. (Bild: Marks/dpa/tmn)
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Klavier, Geige, Ballett: Auch wer diese Hobbys schon sehr lange hat, möchte vielleicht im Teenageralter mal etwas anderes ausprobieren. Sie zählen zu den klassischen, bildenden Hobbys, und viele Eltern sind stolz, wenn ihre Kinder sich dafür interessieren. Doch was tun, wenn man keine Lust mehr darauf hat? Wie kann man das seinen Eltern verklickern?

«Es ist nicht immer einfach, mit seinen Eltern über das Aufgeben eines Hobbys zu sprechen, vor allem auch dann nicht, wenn man beispielsweise ein Instrument recht gut spielt», sagt Beate Friese vom Kinder- und Jugendtelefon Nummer gegen Kummer.

Am wichtigsten ist laut der Expertin, dass sich ein guter Zeitpunkt für ein Gespräch findet. «Auf keinen Fall sollten Jugendliche ihren Eltern morgens zwischen Tür und Angel entgegen rufen, 'Ich hab keinen Bock mehr, ich geh da nicht mehr hin.' Dann kann es schnell Streit geben.» Eine gute Einstiegsfrage sei beispielsweise: «Hast Du einen Moment Zeit und kannst mir zuhören?»

Prinzipiell sei es leichter, die Eltern von einem neuen Hobby zu überzeugen, als mit dem Wunsch, in einem Jugendzentrum seine Zeit zu verbringen. «Es ist immer besser, irgendein Hobby zu haben, als gar keins», sagt Paula Honkanen-Schoberth, Geschäftsführerin vom Deutschen Kinderschutzbund in Berlin. Als Argument könne dienen, dass eine Freizeitbeschäftigung Spaß bringt und Ausgleich von der oft stressigen Schule.

Und auch das schlichte Rumhängen mit Freunden oder Bekannten bringe etwas für das Leben, sagt Honkanen-Schoberth. «Gerade in den Jugendtreffs lernt man neue Leute kennen, die von anderen Schulen und aus anderen Bevölkerungsgruppen kommen, da muss man lernen, in einer Gruppe zurecht zu kommen, es geht um soziale Kompetenz.»

Manche Eltern hätten Bedenken, dass Alkohol oder Drogen im Spiel seien, wenn es um Jugendzentren gehe, sagt Beate Friese. Es sei daher gut, den Eltern genau zu erklären, wen man treffen wolle, welche Angebote es in einem Treff gebe und was man sich erhoffe.

Lassen sich Eltern nicht überzeugen und bestehen auf der ungeliebten Freizeitbeschäftigung, so könne man vielleicht einen Patenonkel oder eine Freundin der Familie als Unterstützung einschalten, rät der Erziehungsberater Andreas Engel aus Hof. Oder die Eltern eines Freundes. «Vielleicht erinnert diese Person die Eltern daran, wie es in ihrer Jugend war, als die Rolling Stones populär waren – möglicherweise haben die Eltern nämlich auch darum gekämpft, ihre Interessen durchzusetzen.»

Günstig sei auch herauszufinden, warum Eltern ein bestimmtes Hobby gut finden und ein anderes nicht. «Oft wollen Eltern ihre eigenen Wünsche in den Kindern verwirklicht sehen, beispielsweise weil sie selbst nicht Klavier spielen durften oder kein Geld da war.» Wer gut argumentiere, dass man selbst aber ein anderer Mensch mit anderen Ideen sei, könne auf Verständnis hoffen.

Von Heimlichkeiten hält Friese nichts. «Wenn ich etwas heimlich mache, und einfach nicht mehr zur Musikstunde gehe, oder sogar lüge, kommt dies meistens raus und das Vertrauen wird gebrochen», sagt sie. Es sei dann umso schwieriger, Vertrauen wieder aufzubauen. Und womöglich erlaubten die Eltern ein neues Hobby oder eine Beschäftigung erst recht nicht.