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    Kazuo Ishiguro im Porträt

    Er verbindet Erinnerungen an seine Geburtsstadt Nagasaki mit der Hingabe zur Musik und Science-Fiction-Elementen. Jetzt bekommt der britisch-japanische Schriftsteller Kazuo Ishiguro den Literaturnobelpreis.

    Kazuo Ishiguro
    Kazuo Ishiguro: Vom Sozialarbeiter zum Literaturnobelpreisträger.
    Foto: Alastair Grant - dpa

    London (dpa). Sein Romandebüt „Damals in Nagasaki“ machte Kazuo Ishiguro auf einen Schlag berühmt. Der Roman, der 1982 zunächst auf Englisch unter dem Titel „A Pale View of Hills“ erschien, spielt in seiner Heimatstadt in Japan.

    Ishiguro verließ das ostasiatische Land mit seinen Eltern bereits als kleiner Junge in Richtung Großbritannien. Erst als Mittdreißiger kehrte er 1989 für einen Besuch zurück.

    Die Erinnerungen an Nagasaki seien aber mehr als „ein paar verschwommene Bilder“, sagte der heute 62-Jährige der britischen Tageszeitung „The Guardian“ im Jahr 2005. Er habe die Stadt als „echten Teil“ seines Lebens im Gedächtnis. Ishiguro wuchs mit zwei Schwestern im Guildford südlich von London auf. Sein Vater arbeitete als Meeresforscher. Eine Einwanderermentalität hätten seine Eltern nicht gehabt, sagte Ishiguro. „Sie dachten immer, sie würden eines Tages wieder nach Hause gehen.“

    Seine Leidenschaft zum Schreiben entdeckte er bereits als Grundschüler, als er sich mit Vorliebe Spionagegeschichten ausdachte. An der Universität von Kent studierte er Philosophie und Anglistik, an der Universität von East Anglia belegte der den Studiengang Kreatives Schreiben. Doch es dauerte, bis er die Schriftstellerei zum Beruf machte. Er trat zeitweise in Londoner Pubs als Gitarrist, Sänger und Pianist auf. Ein Jahr lang arbeitet er im Tross der „Queen Mum“, der Mutter von Königin Elizabeth II., reiste durch die USA und Kanada und fand schließlich einen Job als Sozialarbeiter in London, wo er Obdachlose betreute. Erst seit 1983 widmet er sich voll und ganz dem Schreiben.

    Und das äußerst erfolgreich: Für „Was vom Tage übrig blieb“, sein wohl berühmtestes Buch über einen alternden Butler, bekam der Schriftsteller 1989 den Booker-Preis. Es wurde mit dem US-Schauspieler Anthony Hopkins in der Hauptrolle verfilmt. Dem „Guardian“ verriet er, den Großteil des Buchs in nur vier Wochen verfasst zu haben. „Ich habe nichts als geschrieben, von neun Uhr morgens bis halb elf abends, montags bis samstags“, so Ishiguro. Er habe weder Post geöffnet noch sei er ans Telefon gegangen. Für ein späteres Buch, „The Buried Giant“ (Der begrabene Riese), habe er zehn Jahre gebraucht, sagte Ishiguro bei einem Literaturfestival vor einigen Jahren.

    In jüngeren Werken verwendete er immer wieder Science-Fiction-Elemente. Die Horrorvision „Alles, was wir geben mussten“ über als Organspender herangezogene Klone wurde unter anderem mit Keira Knightley verfilmt. Ishiguros Werke sind in mehr als 40 Sprachen übersetzt und verkauften sich nach Verlagsangaben millionenfach.

    Auch die Musik spielt eine große Rolle in seinem Leben und Werk. Als seine „Helden“ nannte er einst Leonard Cohen, Joni Mitchell und Bob Dylan, den das Nobelpreiskomitee im Jahr vor ihm auswählte. Mit seinen Freunden habe er „endlos“ über die Beziehung zwischen Text und Musik diskutiert, sagte er dem „Guardian“.

    Nach dem Votum der Briten zum EU-Austritt im Juni 2016 appellierte Ishiguro in einem Gastbeitrag in der „Financial Times“ leidenschaftlich für ein zweites Referendum über die Art des EU-Ausstiegs. Er ließ wenig Zweifel daran, dass er den Brexit für ein Unglück hält. Ishiguro ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. Er lebt mit seiner Familie in London.

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