Archivierter Artikel vom 17.07.2011, 19:50 Uhr
Sandwich

Kaymer ohne Aufholjagd – Clarkes Triumphzug

Martin Kaymer griff beim Kampf um die Krone ins Leere, der nordirische Ryder Cup-Held Darren Clarke spielte bei der 140. British Open in Sandwich das Turnier seines Lebens.

Lesezeit: 2 Minuten
Triumph
Darren Clarke gewinnt die British Open bei widrigen Wetterbedingungen.
Foto: DPA

Der 42-Jährige aus Portrush feierte bei der Windlotterie in Kent mit 275 Schlägen (68+68+69+70) den ersten Majorsieg seiner Golf-Karriere. Kaymer fiel dagegen nach einer 73er Runde mit insgesamt (273 Schlägen (68+69+73+73) noch vom siebten auf den zwölften Rang zwölf zurück – mit acht Schlägen Rückstand auf Dominator Clarke.

Verehrung
Darren Clarke küsst seine «Silberne Rotweinkanne».
Foto: DPA

Wenigstens verteidigte Deutschlands Golfstar Platz drei in der Weltrangliste. Schlaggleiche Zweite wurden die US-Asse Dustin Johnson (70+68+68+72=278) und Phil Mickelson (68+70+69+71=278) vor dem Dänen Thomas Björn (65+72+71+71=279) durch. «Die ersten Neun habe ich nicht gut gespielt, musste mich aber zusammenreißen, um den Score zusammenzuhalten. Dann habe ich versucht, den Rest unter Par zu spielen und wenigstens das ist mir gelungen», erklärte Kaymer, aber bereits nach den ersten neun Löchern hatte er so gut wie alles verspielt.

Triumph
Darren Clarke reiß0t nach dem letzten Putt die Arme hoch.
Foto: DPA

Vier Bogeys bis zum ersten Birdie an der Zehn warfen den Rheinländer bei Windgeschwindigkeiten bis zu 53 Stundenkilometern und Regensturzbächen im Minutentakt zu früh und zu weit zurück. Die vielen Putts wurden ihm zum Verhängnis. Der Endspurt kam bei aller Angriffslust viel zu spät, um sich noch in den Kampf um die Plätze unmittelbar hinter der Spitze einmischen zu können.

Frust
Am Ende verpasst Martin Kaymer eine Top-Ten-Platzierung.
Foto: DPA

Volksheld Clarke ließ sich dagegen frenetisch feiern. Er ist der erste Brite, der nach dem Schotten Paul Lawrie 1999 in Carnoustie wieder «The Open» gewinnen konnte. Mit der «Claret Jug»-Trophäe (Silberne Rotweinkanne) in der Hand, genoss er den größten Triumph seiner 21-jährigen Profi-Karriere. 1997 hatte er mit Rang zwei bei der British Open in Troon den Majorcoup hinter dem US-Sieger Justin Leonard noch verpasst.

Annäherung
Phil Mickelson chipt den Ball auf das 2. Grün.
Foto: DPA

Clarke schlug auf dem Par 70-Kurs im Royal St. George's am Ärmelkanal der gesammelten Konkurrenz ein Schnippchen. Mit einer dicken Zigarre zwischen den Lippen trotzte der einstige Lebemann aus Ulster auf den Schlusslöchern dem widrigen Wetter – und wusste erneut die Massen hinter sich. Mehr als 180 000 Zuschauer insgesamt hatten die Turniertage beobachtet. Für seinen Erfolg erhielt Clarke 1,025 Millionen Euro aus der Gesamtdotierung von rund 5,7 Millionen Euro – und als Bonus unter anderem eine fünfjährige Spielgarantie bei den vier Majors der Saison.

Der Weltranglisten-Sechste Mickelson bot Clarke lange Paroli, rieb sich aber bei seiner atemberaubenden Aufholjagd auf. Wie Kaymer auf Rang sieben gestartet, hatte Mickelson mit seinem Eagle am siebten Grün sogar den Fünf-Schläge-Vorsprung von Spitzenreiter Clarke egalisiert – aber der konterte in meisterlicher Manier ebenfalls mit einem Eagle am gleichen Loch und ließ sich den Titel nicht mehr nehmen. Die letzten Löcher wurden für Clarke zu einem einzigen Triumphzug.

Der Vortagsführende Björn hatte unterdessen mit dem Sieg am Ende wenig zu tun. Bereits 2003 hatte er in Sandwich einen Absturz erlebt, als er als Führender mit drei Schlägen Vorsprung auf die letzten vier Löcher gegangen war – und noch gegen den Außenseiter Ben Curtis (USA) verloren hatte.