Archivierter Artikel vom 28.03.2012, 12:01 Uhr
Mainz

Kater kraulen

Heute hat Mainz einen Kater und würde am liebsten auf dem Sofa liegen und das Tierchen kraulen. Und höchstens mal aufstehen, um ihm ein, zwei Aspirin ins Futter zu mischen.

Zeichnung: Klaus Wilinski
Zeichnung: Klaus Wilinski

Ja, ich weiß, „Kater“ ist nur eine Verballhornung von Katarrh und eigentlich handelt es sich a.) um die Folgen einer milden Alkoholvergiftung oder b.) beim Muskelkater um Schmerzen nach großer Anstrengung. Es gibt noch eine Variante c.), nämlich den Kater, der einen nach besonders intensiven Erlebnissen heimsucht, wenn plötzlich alles fad und grau ist.

In Mainz sind heute alle drei Rassen unterwegs. Manche Mainzer haben nach der Wahl einen Kater vom Feiern, manche von der Anstrengung, sehr viele vermissen jetzt schon die prallen Eindrücke und Erlebnisse, wie sie uns der Wahlkampf in den letzten Wochen beschert hat.

Da gab’s Heiteres wie den Schwank „Rausgeschmissen – Rausgeflogen“ mit Lukas Augustin in der Hauptrolle und es gab Spannendes. Jedes Mal, wenn’s klingelte, hab‘ ich mich gefragt: Ist das der Milchmann, ist es das Rollkommando der GEZ oder ist es einer der Kandidaten beim Hausbesuch? Und was bietet man an? Kaffee? Tee? Einen Schnaps? Beim Milchmann und der GEZ ist das einfacher. Vor allem aber war es intensiv, weil Wahlen ja einiges mit Fußballspielen gemeinsam haben. Sie sind, wie das Sepp Herberger mal gesagt hat, so spannend, weil niemand weiß, wie‘s ausgeht.

Bei den Wahlkämpfern selber treffen sich heute alle drei Kater-Rassen zum Stelldichein. Die Schädel brummen, die Muskeln sind sauer vom Plakatekleben, Klinkenputzen und Dauerlächeln. Vor allem aber ist das ganze Adrenalin verdampft, das die letzten Wochen für höchsten Kesseldruck gesorgt hat.

Beim Verlie…, nein, beim Zweitplatzierten kommt zu den drei Katern noch ein heftiger Katzenjammer. (Ist dieses Wort nicht irgendwie diskriminierend? Warum nennt man das nicht KaterInnenjammer?) Dem Gewinner geht’s so viel besser nicht. Er sitzt ab jetzt Stunden um Stunden hinter den Gittern des Fuchsbaus und zeichnet Akten ab. Und sehnt sich zurück nach der wilden und verrückten Zeit, damals, als noch Wahlkampf war.

Büb Käzmann alias Markus Höffer-Mehlmer ist Kabarettist und lebt gerne in Mainz ( www.bueb-kaezmann.de)