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    Duisburg

    Kanuten verblüffen sich selbst – «Niveau halten»

    Die deutschen Kanuten verblüfften mit ihrer Medaillenhatz bei der Heim-WM nicht nur die Konkurrenz, sondern vor allem sich selbst. Mit großen Augen sah Verbandschef Thomas Konietzko in Duisburg ein schwarz-rot-goldenes Boot nach dem anderen zum Titel steuern.

    Eindrucksvoll
    Max Rendschmidt (l) und Marcus Groß hinterließen bei der WM einen starken Eindruck.
    Foto: Roland Weihrauch - DPA

    In Partylaune suchte er hinterher recht ausufernd nach Gründen für die famosen Auftritte. «So eine tolle Bilanz ist eine absolute Ausnahme. In vielen Rennen war auch extremes Glück dabei», kommentierte der deutsche Kanuchef die beachtliche Ausbeute von insgesamt 16 Medaillen und acht goldenen.

    Noch lange nach Mitternacht feierte der 49-Jährige an der Regattastrecke mit seinen hochdekorierten Paddlern, von denen einige die Nacht durchmachten. Allein in den olympischen Disziplinen gab's am Niederrhein sieben Plaketten und dreimal Gold - zusammen mit den Ungarn waren die Deutschen dominierende Nation. Die schon herausragende Olympia-Bilanz von London mit damals sechs Medaillen wurde sogar noch getoppt, die Aussichten für die Sommerspiele 2016 sind entsprechend glänzend. «Wenn man jetzt so was schafft, will man diese Ziele natürlich wieder erreichen. Im olympischen Bereich wollen wir das Niveau auf jeden Fall halten», verdeutlichte Konietzko.

    Mit Blick auf Prämien und Zuschüsse gelten die zwölf olympischen Wettbewerbe als die entscheidenden im Kanubereich. Allerdings sind für die Sommerspiele 2020 derzeit Änderungen am Programm im Gespräch, die auch den Deutschen Kanu-Verband (DKV) vor Probleme stellen würden. Im Rahmen der Gleichstellungspolitik soll die Zahl der Disziplinen von Männern (acht) und Frauen (vier) angeglichen werden. Die «Gender equality» stehe klar im Fokus aller Überlegungen, machte Weltverbandschef José Perurena López am Rande der WM deutlich.

    Möglich, dass schon in sieben Jahren zwei Männerdisziplinen weichen müssen - und dafür zwei Canadier-Wettbewerbe der Frauen den olympischen Status verpasst bekommen. Doch ausgerechnet in diesem Bereich ist der DKV schlecht aufgestellt. In Cathrin Dürr schickten die Kanuten bei der Heim-WM nur eine Canadier-Frau an den Start, das Finale verpasste die Karlsruher C1-Sprinterin aber. «Wir fahren da weit hinterher», musste auch DKV-Chef Konietzko eingestehen.

    Zunächst aber steht sowieso erst mal Olympia in Rio an. Die Sommerspiele in drei Jahren stehen längst im Fokus der deutschen Paddler, Sportdirektor Jens Kahl ordnete die WM in Duisburg bereits als «ersten Meilenstein» auf dem langen Weg nach Brasilien ein. Neben gestandenen Olympiasiegern wie Sebastian Brendel, Franziska Weber und Tina Dietze erhielten auch Nachwuchskräfte Bewährungschancen; von 31 deutschen Athleten waren gleich 17 Sportler 25 Jahre oder jünger.

    Eindrucksvoll präsentierten sich vor allem Max Rendschmidt (19) und Marcus Groß (23) im olympischen K2, den sie zur Goldmedaille steuerten. «Die Strategie, jungen Leuten eine Chance zu gegeben, ist total aufgegangen», befand Konietzko. «Ich bin ganz sicher, dass wir viele WM-Boote auch in drei Jahren in Rio am Start sehen werden.»

    Die WM-Erfolge der deutschen Kanuten

    Die Nachrichtenagentur dpa dokumentiert die Ausbeute der deutschen Paddler innerhalb aller WM-Disziplinen bei den Welttitelkämpfen seit dem Jahr 2001.

    JahrOrtGold/Silber/BronzeWettbewerbe
    2013Duisburg/Deutschland8 - 6 - 229
    2011Szeged/Ungarn6 - 2 - 329
    2010Posen/Polen5 - 4 - 228
    2009Dartmouth/Kanada7 - 8 - 327
    2007Duisburg/Deutschland9 - 6 - 327
    2006Szeged/Ungarn4 - 9 - 227
    2005Zagreb/Kroatien10 - 5 - 327
    2003Gainesville/USA4 - 2 - 527
    2002Sevilla/Spanien3 - 5 - 427
    2001Posen/Polen5 - 3 - 327

    Die Ausbeute in den olympischen Kanu-Disziplinen

    JahrEreignisOrtGold/Silber/Bronze
    2013WMDuisburg/Deutschland3 - 3 - 1
    2012OlympiaLondon/Großbritannien3 - 1 - 2
    2011WMSzeged/Ungarn3 - 2 - 1
    2010WMPosen/Polen2 - 2 - 1
    2009*WMDartmouth/Kanada3 - 3 - 1
    2008OlympiaPeking/China2 - 2 - 3
    2007WMDuisburg/Deutschland5 - 1 - 2
    2006WMSzeged/Ungarn1 - 4 - 2
    2005WMZagreb/Kroatien8 - 1 - 0
    2004OlympiaAthen/Griechenland4 - 3 - 0
    2003WMGainesville/USA3 - 0 - 3
    2002WMSevilla/Spanien2 - 3 - 1
    2001WMPosen/Polen3 - 1 - 3
    2000OlympiaSydney/Australien3 - 1 - 3

    * Nach der Saison 2008 ist das zwölf Rennen umfassende olympische Kanurennsport-Programm von den Streckenlängen leicht abgeändert worden. Ab der WM 2009 ist in der Medaillenauswertung deshalb das fortan geltende neue olympischen Streckenprogramm einberechnet.

    Zeitplan der Kanu-WM

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