Archivierter Artikel vom 10.06.2011, 00:59 Uhr

Kamera gefunden – Führen Fotos zum Besitzer?

Kreis MYK/Neustift – Was macht man, wenn man in der Abgeschiedenheit der Alpen eine Kamera entdeckt? Ein ehrlicher Finder hat sich die Bilder angeschaut, auf einem Foto ein MYK-Kennzeichen entdeckt und unsere Zeitung kontaktiert.

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Hier lag die Kamera am 5. Juni. Unweit der Dresdener Hütte am Stubaier Gletscher muss sie bei einer Klettertour heruntergefallen sein. Den Fotos noch zu urteilen waren die Männer an den Tagen zuvor auch auf verschiedenen Klettersteigen unterwegs.
Hier lag die Kamera am 5. Juni. Unweit der Dresdener Hütte am Stubaier Gletscher muss sie bei einer Klettertour heruntergefallen sein. Den Fotos noch zu urteilen waren die Männer an den Tagen zuvor auch auf verschiedenen Klettersteigen unterwegs.

Kreis MYK/Neustift – Was macht man, wenn man in der Abgeschiedenheit der Alpen eine Kamera entdeckt? Ein ehrlicher Finder hat sich die Bilder angeschaut, auf einem Foto ein MYK-Kennzeichen entdeckt und unsere Zeitung kontaktiert.

Die Kamera hat die Klettertour nicht bis zum Ende mitgemacht. Der Finder hat nach verwertbaren Hinweisen gesucht, die auf den Verlierer Rückschlüsse zulassen und ist auf dieses Bild gestoßen.
Die Kamera hat die Klettertour nicht bis zum Ende mitgemacht. Der Finder hat nach verwertbaren Hinweisen gesucht, die auf den Verlierer Rückschlüsse zulassen und ist auf dieses Bild gestoßen.
Foto: Unbekannter Verlierer

Zwei Männer mit Kletterhelmen, die zusammen in die Kamera lachen, die offenbar einer von ihnen hält: Dieses Foto ist die heißeste Spur und könnte den beiden Männern helfen, genau dieses Foto wiederzubekommen – mitsamt etlichen anderen und der Kamera.

Man muss schon geübt sein auf dem Fernau-Express-Klettersteig am Stubaier-Gletscher, er gilt als einer der schwersten in Österreich. Auf der Tour gibt es einen Überhang, extrem steile Platten. Und nur wenig Gras wächst dort, wo dann ein Kletterer aus Fürth am Sonntagmorgen auf rund 2400 Metern Höhe etwas am Boden liegen sah. Eine Kamera. „Sie lag offensichtlich über Nacht dort, weil wir Sonntag früh am Morgen die ersten auf dem Steig waren und sie Kamera nass war“, berichtet er unserer Zeitung. Damit begann die bislang erfolglose Suche nach dem Besitzer.

Der Finder nahm sie mit, ging zum Fundbüro in Neustift. Sonntags geschlossen. Also nahm er sie mit zurück nach Deutschland, sichtete die Bilder. Ein Foto zeigt einen der beiden Männer auf dem örtlichen Campingplatz, dazu einen weißen Skoda mit Kennzeichen MYK für den Kreis Mayen-Koblenz. Wegen weiterer Motive vermutet der Finder, dass einer der Männer oder beide Studenten für Medizin oder Physiotherapie sind. Viele Aufnahmen scheinen Familienfotos zu sein.

Anruf beim Campingplatz – doch dort ist man wenig kooperativ. Er solle die Kamera nach Österreich schicken, dann werde man sie weitergeben, wenn sich die Verlierer melden. „Dann habe ich die Kosten, und die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass der Verlierer sie zurückbekommt.“ Bei der Kamera handelt es sich um eine Nikon Coolpix mit einer 4GB SD-Speicherkarte in einem schwarzen Etui.

Also wandte er sich an unsere Zeitung. Leser aus der Region könnten die beiden Männer wiedererkennen, oder sie selbst lesen den Artikel. Im vergangenen Jahr hatte ein ähnlicher Aufruf für viel Furore – und einen „Fahndungserfolg“ – gesorgt. Ein Deutscher hatte in Neuseeland eine Kamera gefunden, deren Menüsprache auch auf Deutsch eingestellt war und auf der 1500 Fotos waren. Der Aufruf mit einem Gruppenbild verbreitete sich rasend in den sozialen Netzwerken, ein Facebook-Nutzer erkannte schließlich jemanden auf dem Foto. Der Verlierer bekam seine Kamera und die schon längst verloren geglaubten Urlaubserinnerungen zurück, wie der Finder meldete. Allerdings: Das Gruppenfoto geistert immer noch durchs Netz.

Die Aktion war auch von kritischen Stimmen begleitet worden. Der Blogger Jens Arne Männig kritisierte eine Verletzung von Datenschutz und Urheberrecht, man dürfe nicht einfach fremde Fotos veröffentlichen. Eine andere Meinung hatte etwa der Berliner Rechtsanwalt Carsten Hoenig, der in seinem Blog selbst Bilder einer verlorenen Kamera veröffentlicht hat. In den USA gibt es sogar eine eigene Internetseite, die die Bilder verlorener Kameras sammelt, um die Besitzer zu ermitteln.

Unsere Zeitung hat sich entschieden, für die Suche ein Foto zu veröffentlichen. Wenn der Besitzer sich gemeldet hat und das wünscht, werden wir das Foto aber wieder entfernen. Wir bitten deshalb auch darum, das Foto nicht in andere Foren o.ä. zu kopieren.

Der Besitzer kann sich bei unserer Zeitung unter stubai@rhein-zeitung.net melden, wir stellen dann den Kontakt zum Finder her.