Archivierter Artikel vom 17.08.2012, 17:00 Uhr
Wörrstadt

Juwi bremst kräftig beim Solarstrom

Bei Juwi scheint die Sonne derzeit gar nicht so strahlend: Der Spezialist für erneuerbare Energien aus Wörrstadt kündigte an, die Solarsparte stark zu verkleinern. Zudem richtet sich das Unternehmen im Bereich der Bioenergie neu aus. Die Jobs von 150 Mitarbeitern stehen auf der Kippe.

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Solarstrom-Module
Foto: Symbolbild DPA

Wörrstadt – Bei Juwi scheint die Sonne derzeit gar nicht so strahlend: Der Spezialist für erneuerbare Energien aus Wörrstadt kündigte an, die Solarsparte stark zu verkleinern. Zudem richtet sich das Unternehmen im Bereich der Bioenergie neu aus. Die Jobs von 150 Mitarbeitern stehen auf der Kippe.

Eigentlich wollte Juwi am Samstag kräftig und unbeschwert feiern: Die Einweihung eines neuen Bürogebäudes in Wörrstadt steht an, ein weiterer Meilenstein in der rasanten Entwicklung, die das Unternehmen in den vergangenen Jahren nahm. Eine Umsatzsteigerung nach der anderen wurde verkündet, bis 2011 die Milliardengrenze überschritten war.

Und jetzt die Delle: Der Umsatz wird vermutlich um 200 Millionen Euro weniger stark steigen. Anfang des Jahres waren hier noch 1,4 Milliarden Euro geplant. Schuld daran ist die Debatte ums Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und die letztlich seit Ende Juni stark gekürzten Solarstrom-Vergütungen, erklärte Ricarda Schuller von der Juwi-Pressestelle.

Neue Strategie

Deshalb habe Juwi in den vergangenen Monaten an der Strategie für die Zukunft gearbeitet. Ergebnis: Die Firma wird künftig in Deutschland keine Solarstrom-Dachanlagen mehr bauen. Nur Freiflächen werden weiter projektiert. Und das Auslandsgeschäft läuft weiter.

Umstrukturiert wird auch der Bereich Bioenergie: „Wir werden keine neuen Werke für Holzpellets oder Holzschnitzel mehr projektieren“, sagte Schuller. Nur noch die bestehenden Anlagen – etwa in Morbach im Hunsrück – werden weiter betrieben. Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen hier künftig auf Biogasanlagen.

„Die Stimmung ist jetzt sehr gedrückt“, beschreibt Kommunikationschef Christian Hinsch die Lage. Bei einer Versammlung wurden die Mitarbeiter gestern morgen über die Sachlage informiert, das sei auch für die Vorstände Fred Jung und Matthias Willenbacher schwer gewesen. Sie kündigten dabei aber an, dass möglichst viele der auf der Kippe stehenden Mitarbeiter bis Ende des Jahres in andere Unternehmensbereiche übernommen werden sollen: „Wir hoffen, dass dies bei der Hälfte auch klappt“, sagte Hinsch. Besonders der Windbereich, jetzt wichtigste Sparte, werde weiter wachsen.

Party abgesagt

Den Tag der offenen Tür mit der Einweihung der Gebäude findet am Samstag wie geplant statt: „Aber die Party am Abend haben wir abgesagt“, sagte Hinsch. „Da hat jetzt keiner Lust drauf.“ Im Programm bleibt aber der Besuch von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) – der sich wohl auf interessante Diskussionen mit den Juwi-Gründern einstellen kann. Die sehen sich in ihrer Haltung bestätigt, dass die Politik die Energiewende aufs Spiel setzt. Bardo Faust