40.000
  • Startseite
  • » Jugendliche bringen Leben mit Krebs auf die Bühne
  • Aus unserem Archiv
    Tübingen

    Jugendliche bringen Leben mit Krebs auf die Bühne

    Auf die dunkle Bühne tritt ein krebskranker Jugendlicher. Vor dem schwarzen Hintergrund zeichnet sich ein weißer Mundschutz ab. Seine Glatze hat der Krebskranke unter einem Kopftuch versteckt.

    Zornig ruft er: «Was starrt ihr mich denn alle so an, als wäre ich ein Monster!» Im Publikum flüstert ein Mädchen seiner Nachbarin zu: «Ich habe Angst.» Diese Angst zu verscheuchen – darum geht es in der nächsten Stunde beim Tübinger Theaterstück «Station Leben». Die jungen Schauspieler wollen zeigen: Krebskranke Kinder und Jugendliche sind keine Ungeheuer – und eine Krebsstation muss kein Ort der Verzweiflung sein.

    Fünf der Schauspieler kennen die Situation aus eigener Erfahrung: Sie sind höchstens 20 Jahre alt, doch bereits an Krebs erkrankt. Zusammen mit 14 gesunden Altersgenossen haben sie «Station Leben» geschrieben. Rund 30 Tage lang haben sich kranke und gesunde Schauspieler gemeinsam mit Krebs und Tod beschäftigt. Für Regisseur Stephan Laur ist diese Erfahrung genauso wichtig wie das fertige Stück, das am 15. Januar in der Tübinger Universitätsklinik zum ersten Mal aufgeführt wurde: «Die kranken Jugendlichen können ihre eigenen Erfahrungen kreativ aufarbeiten und ihre Sicht einer breiten Öffentlichkeit darlegen. Die gesunden Jugendlichen erhalten die Möglichkeit, eigene Ängste und Vorurteile abzubauen.»

    Krebskranke Jugendliche wollen nicht bemitleidet werden

    Marina Maier aus Freiburg gehört zu den Gesunden in der Theatertruppe. Bei den Proben ist der 17-Jährigen aufgefallen: «Wir Gesunden reden über die nächste Mathe-Arbeit oder Klamotten. Die Kranken reden über ihr Blutbild oder die Nebenwirkungen der Chemotherapie.» Die 16-jährige Johanna Hohberger aus Tübingen war überrascht, wie offen die kranken Schauspieler über ihre Gefühle sprachen. «Jetzt weiß ich zum Beispiel, dass krebskranke Jugendliche auf keinen Fall bemitleidet werden wollen.»

    «Station Leben» beginnt mit der Diagnose Krebs. «Am Anfang fühlte ich mich wie leer gefegt, wie eine Hülle», beschreibt eine Jugendliche auf der Bühne ihre Gefühle. «Ich sah einfach alles nur an mir vorbeiziehen, wusste nicht, was mit mir geschah, was in meinem Körper los war. Wie wenn dir der Himmel mit einem Schlag auf den Kopf fällt.» Die Hauptfigur Martin (gespielt von Lion Russell Baumann) flüchtet sich nach der Diagnose in Sarkasmus: «Verrecke ich jetzt gleich oder erst in zwei Wochen?» Martin verliert seine langen Rastalocken. Glatzköpfig liegt er nun in einem Krankenhausbett, doch er beginnt zu kämpfen – gegen den Krebs, für das Leben.

    Lachen und Weinen, Hoffnung und Verzweiflung

    In einer der stärksten Szenen des Stücks tanzt Martin mit seiner Zimmernachbarin, obwohl beide an ihre Infusionsständer gekettet sind. Auch Szenen von absurdem Witz gibt es in «Station Leben» – etwa wenn sich zwei Krankenhausclowns, die krebskranke Kinder aufmuntern sollen, zu Martin verirren, der als Jugendlicher diesen Besuch äußerst uncool findet. «Station Leben» erzählt berührende Geschichten von Lachen und Weinen, von Krankheit und Heilung, von Hoffnung und Verzweiflung.

    Der 20-jährige Thao Pham aus Nördlingen in Bayern musste rund zwei Jahr lang wegen Lymphknotenkrebs behandelt werden. «Dass ich diese ganze Geschichte im Theaterprojekt aufarbeiten kann, das ist mir wichtig.» Für Pham wurde die Krebsstation tatsächlich zur «Station Leben»: «Ich habe viele neue Leute kennengelernt, und im Krankenhaus waren alle nett zu mir.» Doch die Krebskranken brachten auch schlimme Erfahrungen mit in das Theaterprojekt, wie sich die gesunde Marina Maier erinnert: «Wir haben von den kranken Schauspielern so krasse Geschichten gehört. Da muss man innerlich eine Schutzwand aufstellen, damit man überhaupt noch Theater spielen kann.»

    Gastspiele am Theater Freiburg: 22., 23. und 24. Januar um 18.00 Uhr

    Infos und Tickets Theater Freiburg: dpaq.de/theater

    Krebsinformationsdienst: dpaq.de/XCqTc

    Krebs bei Kindern und Jugendlichen

    Nicht nur Erwachsene sind von Krebs betroffen. Auch rund 1800 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren erkranken jährlich in Deutschland an einem Tumor, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg angibt. Die Überlebenschancen krebskranker Kinder hätten sich in den vergangenen 30 Jahren aber deutlich verbessert. Dennoch sei die Tumorerkrankung eines Kindes für die gesamte Familie noch immer eine extreme Belastung. Dem DKFZ zufolge sind die Ursachen für Krebs bei Kindern und Jugendlichen im Einzelfall nicht eindeutig zu belegen. Mitunter nehme die Krankheit schon vor der Geburt ihren Anfang.

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Jochen Magnus

    0261/892-330 | Mail


    Fragen zum Abo: 0261/98362000 | Mail

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    Das Wetter in der Region
    Freitag

    0°C - 6°C
    Samstag

    1°C - 5°C
    Sonntag

    2°C - 4°C
    Montag

    3°C - 7°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    UMFRAGE
    Winter, oh Winter!

    Mit voller Kraft brach am Wochenende der Winter herein – allerdings ging ihm schnell die Puste aus. Wie finden Sie das Winterwetter?

    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!