Archivierter Artikel vom 17.05.2010, 12:24 Uhr
Essen

«Jugend forscht»: Tomate rauchen und per Lift ins All

Sie weisen Nikotin in Tomatenpflanzen nach, lassen selbst gebaute Flugzeuge aufsteigen und träumen davon, mit einem Fahrstuhl ins Weltall zu reisen.

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Jugend forscht
Automatisierte Wicklungsmaschine für Feuerwehrrettungsleinen: Fabian Anhorn, Marc Imbery und Fabian Rupp (l-r) haben beim «Jugend forscht»-Finale den Preis der Bundeskanzlerin gewonnen. (Bild: dpa)

Beim Bundesfinale von «Jugend forscht» haben 179 Jungforscher aus ganz Deutschland vier Tage lang in Essen ihre Ideen und Projekte präsentiert. Für zehn Bundessieger gab es am Ende die begehrte Auszeichnung bei der mittlerweile 45. Auflage des Nachwuchswettbewerbs.

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Alexander Fink (l.) und Philipp Trapp präsentieren in Essen ihre Erfindung «Schwerarbeit für Bauchmuskeln» mit Hilfe einer Schaufensterpuppe. (Bild: dpa)

Schon seit der 4. Klasse beschäftigt sich der 18-jährige Simon Schuldt aus Brandenburg mit Modellbau. Nun ist er mit einem Modellflugzeug in der Kategorie «Technik» auf dem ersten Platz gelandet. Das Besondere an seinem ferngesteuerten Flugzeug: «Es besteht nur aus einer Tragfläche.» Sein erstes Flugzeug stellte er noch nach einem Bauplan her. Aber schon die nächsten Typen hat er in der Werkstatt seines Vaters komplett selbst gebaut. Nun träumt er davon, seinen Flieger für die zivile Luftfahrt nutzbar zu machen.

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Annabelle Maria Krick (l-r), Lucas Valentin Umann und Pauline Anna Hallmann zeigen bei «Jugend forscht» ihre Erfindung «Machen Ballerspiele aggressiv?». (Bild: dpa)

Mit einem ganz irdischen Problem hat sich ein Trio aus Baden-Württemberg beschäftigt. Marc Imbery, Fabian Anhorn und Fabian Rupp haben eine Maschine erfunden, die Rettungsleinen der Feuerwehr automatisch aufwickelt. Für ihre Entwicklung haben die Süddeutschen bei «Jugend forscht» den Preis der Bundeskanzlerin gewonnen. «Erst war es nur ein Jux unter Kollegen», sagt der 21-jährige Fabian Rupp, der bei der Freiwilligen Feuerwehr auf die Idee gekommen war. «Normalerweise macht man das von Hand und das ist mühsam.»

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Chantal Emmerling stellt ihre Erfindung «Tomaten-Zigarette» vor. Insgesamt werden 107 Projekte aus verschiedensten Bereichen wie Biologie und Chemie präsentiert. (Bild: dpa)

Visionär ist das, was Florian Lübke und Philip Berger vorschwebt. Ein Fahrstuhl solle die Menschheit eines Tages ins All befördern. Die beiden 18-Jährigen aus Mecklenburg-Vorpommern hegen seit zwei Jahren diesen Traum, der sich in ihren komplizierten Formeln widerspiegeln soll. Zeichnungen, wie so ein Fahrstuhl zum Mond aussehen könnte, hat das Duo auch dabei. «Die Bilder sind im Kunstunterricht entstanden», erzählt Philip. Einen Bundessieg beim Wettbewerb gab es für den spektakulären Plan jedoch nicht.

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Florian Luebke (l.) und Philip Berger zeigen ihre Idee «Per Knopfdruck ins All» anhand gemalter Bilder. (Bild: dpa)

Die 20-jährige Berlinerin Chantal Emmerling hat Nikotin nicht nur in Tabakblättern, sondern auch in Tomatenpflanzen nachgewiesen. «Tomaten gehören wie Tabak zur Familie der Nachtschattengewächse», weiß die Auszubildende. Sie will niemanden zum Rauchen animieren. Im Gegenteil: «Zigaretten aus Blättern der Tomate würden sich zur Entwöhnung eignen», sagt sie. Denn der Nikotingehalt dieser Pflanze sei um ein Drittel geringer als bei einem leichten Tabak.

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Marius Rakers (l-r), Michael Marx und Johannes Albers stellen beim 45. Wettbewerb «Jugend forscht» in Essen ihre Erfindung «Den Wind optimal nutzen» vor. (Bild: dpa)

Der 14-jährige Philipp Trapp und sein zwölfjähriger Mitstreiter Alexander Fink aus dem Saarland gehören zu den jüngsten Forschern. Sie zeigen an einer Schaufensterpuppe, wie ein Schulranzen die Bandscheiben belastet. Statt Bücher packen sie Tüten mit Kieselsteinen hinein. Der Oberkörper ihres Dummys biegt sich zurück. Für eine aufrechte Haltung müsse die Bauchmuskulatur das Gewicht ausgleichen, sagt Philipp. «Ein paar Sit-ups können prinzipiell nicht schaden», fügt er hinzu.

Eine Jury aus Wissenschaftlern und Unternehmensvertretern hat zehn Bundessieger auserwählt. Daneben wurden mehr als 40 Sonderpreise, etwa Forschungsreisen in die USA und nach China, vergeben. Bundesweit haben sich mehr als 10 000 junge Menschen in diesem Jahr an «Jugend forscht» beteiligt. Die Teilnehmer verteilten sich auf sieben Fachgebiete: Mathematik und Informatik, Biologie, Technik, Chemie, Physik, Arbeitswelt sowie Geo- und Raumwissenschaften.

Weitere Infos zum Wettbewerb: www.jugend-forscht.de

«Jugend forscht»

«Jugend forscht» ist Europas größter Erfinder-Wettbewerb für Naturwissenschaften und Technik. 1965 rief der damalige «Stern»-Chefredakteur Henri Nannen den Wettstreit unter dem Motto «Wir suchen die Forscher von morgen» ins Leben. Seither machten mehr als 150 000 junge Leute mit. Die Initiative wird von Bundesregierung, Wirtschaftsunternehmen und Schulen unterstützt. In den Fachgebieten Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik und Informatik, Physik, Technik und Arbeitswelt müssen sich die Nachwuchsforscher mit ihren Projekten zunächst über 68 Regionalwettbewerbe und 16 Landeswettbewerbe für das Bundesfinale qualifizieren. Eine Jury aus Wissenschaftlern und Unternehmern prüft Qualität und Präsentation der Arbeiten.