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Jena

Jenas Ralf Schmidt: Einer, der nie Profi werden wollte

dpa

Ralf Schmidt ist sauer. Die zehnte Gelbe Karte wurmt ihn. Zumal es unnötig war, ein Allerweltfoul an der Mittellinie, sagt er. Schmidt hat nicht die Bundesliga mit der 3. Fußball-Liga getauscht, um nun von draußen zuzusehen, wie andere sich abmühen.

Doch gegen den SV Sandhausen sitzt er seine Sperre ab, während sein FC Carl Zeiss Jena dem Tabellenzweiten in der Fremde ein paar Punkte für den Klassenerhalt abringen will.

Dabei stand Schmidts Karriere schon vor dem Aus, noch bevor sie so richtig begonnen hatte. Der jetzt 26-Jährige war unter Kulttrainer Hans Meyer fast noch als Jugendlicher von Jena zum 1. FC Nürnberg gewechselt und erlebte dort «das fußballerisch intensivste Jahr meines Lebens.» Durch den DFB-Pokalsieg stand Schmidt mit Nürnberg im UEFA-Cup auf der großen internationalen Bühne – und in der Bundesliga tief im Tabellenkeller. Letztlich konnten die Franken den Sturz in die Zweitklassigkeit nicht verhindern. «Auch ich bin damals in ein schwarzes Loch gefallen», erzählt Schmidt und gibt zu: «Ganz mit dem Fußball aufzuhören war eine echte Option.»

Der Wechsel zurück in die Thüringer Heimat bot ihm in einer Zeit ohne Orientierung eine Perspektive: «Fußball spielen und nebenbei studieren, Geld verdienen mit dem, was mir Spaß macht, bei dem Verein, der immer in meinem Herzen war.» Auch wenn das nun Abstiegstaumel statt Europatrubel heißt.

Aufgewachsen ist der Blondschopf, der später ein 1,1 Abitur baute und erfolgreich Bioinformatik studierte, wie so viele Jungen in der DDR in einer Plattenbausiedlung. Mit den Nachbarskinder wurde auf der Wiese hinterm Haus gekickt. Gesichtet wurde er beim Schulturnier in der ersten Klasse. «Ich stand im Tor», sagt er und schmunzelt, da er sich doch inzwischen im Mittelfeld am wohlsten fühlt. «Als die Einladung für das Probetraining beim großen FC Carl Zeiss in der Post lag, war ich überglücklich.»

Doch neben der ungewöhnlich großen Begabung unterschied den kleinen Ralf noch etwas von den anderen damals F-Jugendlichen. So richtig Profi werden, das wollte er nie. «Es hat sich dann irgendwie so ergeben.» Schmidt galt als größtes Talent seines Jahrgangs.

Ein paar Jahre später spielte der Junge dann in der Bundesliga. Der «bunten Liga», wie er sagt: «Teil dieses großen Zirkus zu sein, das war für mich so unwirklich, irgendwie fast witzig. Ich konnte manchmal gar nicht glauben, dass mir das gerade wirklich passiert.»

Trotz der Erfahrung der schillernden Bundesligabühne hat Schmidt selbst die Rückkehr nach Jena nie als Abstieg begriffen – Stadt, Verein und Fans waren ihm stets ein Stück Heimat. Allgemein ist Schmidt einer, der eher leise als laute Töne anschlägt, auch wenn er um klare Worte nie verlegen ist.

Jetzt liegt der Fokus auf dem Kampf um den Klassenerhalt in Liga drei. Zuletzt konnten die Jenaer immerhin eine kleine Serie verzeichnen, sind seit sechs Spielen ungeschlagen. Schmidt glaubt trotz seines Fehlens in Sandhausen an einen Erfolg seines Teams und das Happy End am letzten Spieltag. «Wir haben uns als Einheit gefunden. Das Fußballspielen macht mir wieder richtig Spaß.»

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