Archivierter Artikel vom 09.03.2013, 08:00 Uhr

Interview: Tourismusministerin fordert authentisches Angebot

Berlin. Trotz der angespannten Haushaltslage sieht Tourismusministerin Eveline Lemke das Land auf einem guten Weg. Wir sprachen mit der Grünen-Politikerin am Rande der ITB in Berlin.

Eveline Lemke
Eveline Lemke

Berlin – Trotz der angespannten Haushaltslage sieht Tourismusministerin Eveline Lemke das Land auf einem guten Weg. Wir sprachen mit der Grünen-Politikerin am Rande der ITB in Berlin.

Rheinland-Pfalz wirbt mit und um Radhelden. Hat man da ein ganz neues Touristenklientel im Auge? Wir denken einfach, dass das Potenzial für den Bereich Radfahren in unserer Tourismusstrategie noch groß ist. Und das wollen wir weiter ausschöpfen. Der Begriff Radheld hat damit etwas zu tun, dass jeder, der sich körperlich anstrengt, sich danach so richtig wohlfühlt.

Haben Sie da auch Touristen auf der Rechnung, die nicht aus Deutschland kommen?

Unbedingt. Die Radfahrer machen nur 10 Prozent unserer 220 Millionen Tagestouristen aus, auch wenn wir vielleicht nicht alle erfassen können. Aber der größte Teil in diesem Bereich sind inländische Touristen. Deshalb braucht das Land ein Profil beziehungsweise ein Image, das so attraktiv ist, dass auch Menschen aus dem Ausland unser Bundesland auch mit dem Rad erleben wollen.

Die klassischen Rheinland- Pfalz-Touristen aus dem Ausland kommen aus den Beneluxländern, Großbritannien oder auch den USA. Ist dort noch Potenzial für Zielgruppen aus anderen Ländern?

Der Markt verändert sich im Augenblick. Die Zahl der europäischen Gäste ist zurückgegangen, nicht zuletzt auch durch die europäische Krise. Dafür ist der Anteil der Asiaten und Südamerikaner gestiegen. Viele wollen das alte Europa besuchen, und wir bemühen uns, diesen Menschen ein gemischtes Angebot zu machen, in dem auch das Fahrradfahren als Bestandteil eines nachhaltigen Tourismus eine Attraktion sein wird.

Konsumstudien offenbaren, dass die Deutschen wieder bereit sind, mehr Geld auszugeben. Müssen Sie nicht befürchten, dass Fernreiseziele dem rheinland- pfälzischen Tourismusangebot den Rang ablaufen?

Ich beobachte eher eine Entwicklung in der Bevölkerung, dass die Menschen zufrieden sein wollen mit dem Produkt, das sie kaufen. Sie sind Skandale leid, wollen authentisch Produkte erwerben – und das gilt auch fürs Reisen. Und wenn man in Rheinland-Pfalz diese Authentizität in den Regionen erleben kann, wenn man regionale Produkte kaufen kann, von denen man weiß, woher sie stammen, dann vermittelt das ein gutes Gefühl. Und dieses Gefühl wollen wir ein Stück weit mit unserer Strategie bedienen.

Nachhaltigkeit ist in aller Munde – auch der Tourismus wirbt mit diesem Begriff. Ist das mehr als eine Modeerscheinung, oder, anders gefragt, wie nachhaltig wird sich das in den Köpfen der Menschen festsetzen?

Diesen Trend beobachten wir ja auch in den Bioabteilungen im Supermarkt. In dem Augenblick, in dem das Preissegment ein akzeptableres ist, dann wird es auch breiter angenommen und verlässt sein Nischendasein. Und wir sind ja auch hier auf dieser Messe, um die Marktfähigkeit herzustellen und uns als Gastland Rheinland-Pfalz zu präsentieren. Da gibt es noch einiges zu tun, weil wir mit unserem Angebot auch nicht nur eine Ökonische bedienen wollen. Das wollen die Leute nicht.

Der öffentliche Sparzwang macht ja auch vor dem Tourismusetat nicht halt. Glauben Sie, dass Sie diese Tourismusstrategie mit eingeschränkten Mitteln weiter fortsetzen können, oder müssen Sie jetzt nicht auch Abstriche in Kauf nehmen?

Ich glaube, dass wir auf gutem Weg sind auch mit geringer werdenden Tourismusmitteln, wenn wir sie anders einsetzen. Das Marketing hat sich deutlich verändert. Früher hat man Prospekte aus dem Reisebüro gewälzt. Heute ist das Internet das kommende Tourismusmarketinginstrument – dort muss man in vielen Sprachen präsent sein.

Aber ist das für kleine Betriebe denn überhaupt leistbar?

Wir brauchen die Vernetzung. Kein Gastronom allein kann das bewerkstelligen. Es gibt ein Tourismusnetzwerk, auf dem sich sehr viel abspielt, ebenso auf Social- Media-Plattformen. Das Marketinglayout müssen wir so aufbereiten, dass es für jeden einen leichten Zugriff ermöglicht.

Das Gespräch führte Markus Kratzer