Archivierter Artikel vom 12.03.2013, 07:00 Uhr

Interview: Grüne Neulinge brachten andere Werte ins Parlament

Berlin – Der Berliner Parteienforscher Gero Neugebauer nennt die Grünen heute „eine Koalitionsoption, auch für die Union“. Das Interview:

Gero Neugebauer
Gero Neugebauer

Berlin – Der Berliner Parteienforscher Gero Neugebauer nennt die Grünen heute „eine Koalitionsoption, auch für die Union“. Das Interview:

Herr Neugebauer, haben die Grünen sich verändert?

Am Anfang haben sie ja ein deutliches Zeichen gegen die etablierte Politik gesetzt.

Das hatte Signalwirkung: Sie haben die Trennung von Amt und Mandat vorgelebt und vieles mehr. Aber all das ist allmählich mit ihrer anfänglichen Naivität verschwunden.

Haben die Grünen auch das Parlament verändert?

Die Abgeordneten der anderen Parteien mussten sich mit neuen Wegen der Politik und auch anderen Werten wie Basisdemokratie auseinandersetzen.

Der Frauenanteil im Parlament stieg mit den Grünen deutlich.

Was ist bei dem Prozess der Etablierung auf der Strecke geblieben?

Die Grünen haben sich eigentlich von einer Anti-Parteien-Partei zu einer ganz normalen Partei entwickelt. Sie haben es geschafft, „Grün“ zu ihrem Markenkern zu machen. Aber ihre basisdemokratischen Ideale haben sie aufgegeben.

Sie wollten verhindern, dass einzelne Personen mit viel Macht ausgestattet werden. Das stört sie heute nicht mehr. Ob es eine Fortschritt ist, dass sie heute Dreiteiler statt Strickpullis tragen, weiß ich nicht. Das ist wohl eher nebensächlich.

Treten sie noch glaubwürdig für Umweltschutz ein?

Es gibt Gründe, daran zu zweifeln. Nach dem jüngsten Klimagipfel gab es von ihnen ein kurzes Statement, das eher wie eine Pflichtübung klang.

Sie sind als mittelgroße Partei inzwischen gefragt, sich auch in sozialen und Wirtschaftsthemen gut aufzustellen. Umweltschutz wirkt heute nicht mehr so stark als ihr Alleinstellungsmerkmal.

Vorsitzende Claudia Roth sagt, die Grünen seien noch immer anders als die anderen. Stimmt das?

Sie haben Quoten, und sie haben kürzlich ihre Spitzenkandidaten in einer Urwahl bestimmt. Das ist schon anders. Auf der anderen Seite sind sie eine Koalitionspartei, im Zweifel auch für die Union.

Das Gespräch führte Rena Lehmann