Archivierter Artikel vom 14.05.2010, 22:28 Uhr
Ingolstadt

Ingolstadt jubelt still – Hansa-Kogge vorm Kentern

Ihren ersten großen Sieg feierten die Mannen vom FC Ingolstadt ganz im Stillen – getreu dem Motto: Nur nicht zu früh freuen. Der 1:0-Sieg im Relegations-Hinspiel über Hansa Rostock lässt die Oberbayern nur ein Jahr nach dem Abstieg wieder ans Tor zur Zweitklassigkeit pochen.

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«Unsere Chancen sind mit dem Sieg sehr gut», sagte Manager Harald Gärtner vor dem zweiten Alles-oder-Nichts-Duell am 17. Mai beim einstigen Fußball-Vorzeigeclub von der Ostsee.

Ihre erste Bewährungsprobe hakten die Ingolstädter Spiel schnell ab und ließen sich auch nur kurz in der eigenen Fankurve blicken. Die Konzentration sollte hochgehalten werden und nicht durch den Enthusiasmus nach Steffen Wohlfarths Stocher-Treffer (73. Minute) ins Wanken geraten. «Unsere Chancen stehen fifty-fifty», prognostizierte Drittliga-Torjäger Moritz Hartmann, der sich in einem chancenarmen Spiel kaum einmal in Szene setzen konnte. «Es war aber trotzdem eine tolle Leistung voller Leidenschaft», bilanzierte Trainer Michael Wiesinger, dessen Team das Match dominierte.

Groß war der Katzenjammer beim Noch-Zweitligisten aus Rostock. 19 Jahre nach dem Gewinn der letzten DDR-Meisterschaft droht den Hanseaten der bittere Gang in die Drittklassigkeit – zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte. Ängstlich und elanlos präsentierten sich die Akteure von der Ostsee, blieben vor 7538 Zuschauern offensiv gänzlich ungefährlich und ließen einen fassungslosen Trainer zurück. «Man muss ehrlich sein und sagen, dass wir uns aus dem Spiel heraus lediglich eine halbe Torchance erarbeitet haben. Das ist zu wenig», sagte Coach Marco Kostmann.

Hansa-Torwart Andreas Walke appellierte eindringlich an seine Mitspieler: «Jetzt gibt es kein Taktieren und keine Entschuldigungen mehr. Jetzt müssen alle aus dem Pott kommen. Wer das nicht kapiert, muss seinen Spielerpass abgeben!», sagte Walke, der beim einzigen Treffer selbst keine gute Figur machte. Nach einer Kopfball-Verlängerung im Strafraum bekam Ingolstadts Wohlfarth den Ball an die Brust, von dort trudelte er dem überraschten Keeper durch die Beine.

Nach den heftigen Ausschreitungen beim Zweitliga-Finale in Düsseldorf blieb der Gästeblock in Ingolstadt leer, im Rückspiel nun hoffen die Rostocker nun vor eigenem Publikum und mit der Unterstützung von rund 20 000 Fans auf die Wende. «Wenn wir in der Liga bleiben wollen, müssen wir uns aber erheblich besser präsentierten», erkannte Trainer Kostmann.