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Nürnberg

Immer ausgefeiltere Schulranzen für immer weniger Kinder

Die Schulranzen-Hersteller kämpfen mit einer kleiner werdenden Zielgruppe: Mit der Geburtenrate sinkt die Zahl der Kinder, die in die Schule kommen. Um sich auf dem umkämpften Markt durchzusetzen, ist viel Kreativität gefragt.

Neue Schulranzen-Designs
Auch bei Schulranzen ist inzwischen «das Besondere» gefragt.
Foto: Franziska Kraufmann – DPA

Ein schöner Ranzen gehört zu jedem stolzen Erstklässler. Weil die Schülerzahlen mit der Geburtenrate sinken, ist der Markt von Jahr zu Jahr umkämpfter. Immer mehr und immer ausgefeiltere Modelle präsentieren die Hersteller für immer weniger Kinder. Es gibt Ranzen mit zuschaltbarem LED-Licht, solche, die ihre Farbe wechseln, dazu zahlreiche Motive und Formen. Das weckt Begehrlichkeiten – und lässt manche Eltern tief in die Tasche greifen. Allein 2013 haben den Konsumforschern der GfK zufolge Eltern im Schnitt 238 Euro für die Erstausrüstung auf den Tisch gelegt.

«Natürlich wird der Schulranzen nicht mehr neu erfunden», sagt Thomas Prechtel von der Firma Steinmann in Nürnberg. Gerade wegen des engen Marktes müsse aber Innovation bewiesen werden, «das Besondere» sei gefragt. So können Schulkinder bei der Schwesterfirma Sternjakob ihren Ranzen inzwischen selbst gestalten. «Die Einschulung ist mit das wichtigste Ereignis für die Kinder», sagt Prechtel.

Auch die Eltern mischen kräftig mit: «Könnt Ihr schon verraten, ob es für 2014/15 auch ein neues Dinosaurier-Modell geben wird?», fragt eine Mutter auf der Facebook-Seite des Schulranzenherstellers Scout. Ob sich hier Kind oder Mutter mehr auf den Kauf der neuen Schultasche freuen? Wann denn die passenden Schirme, Trinkflaschen und Brotdosen endlich auf den Markt kommen, fragt eine andere Mama. «Jetzt haben wir das Problem, dass wir einen Ranzen haben, der selten ist, aber keinen Schirm.»

Ob im Set mit passender Schultüte oder ohne: Rund 720 000 Schulranzen warten auch in diesem Jahr wieder auf Käufer. Etwa 150 Euro müssen Eltern für einen Ranzen bezahlen. Kommen ganze Sets dazu – von der Armbanduhr und Sporttasche bis zum Schreibtisch – steigen die Kosten deutlich. Verbraucherschützer betonen, dass das Aussehen nicht alles ist. «Beim Kauf eines Schulranzens sollte Sicherheit immer vor dem Design beachtet werden», heißt es bei der Stiftung Warentest. Zudem müsse der Ranzen dem Kind auch passen.

Die meisten Modelle werden laut Prechtel zwischen Januar und Ostern gekauft – ein halbes Jahr vor der Einschulung der Kinder. Wer sich noch etwas geduldet, kann Rabatte mitnehmen oder Auslaufmodelle. Das Hauptgeschäft machen die Schulranzenhersteller in Deutschland, aber auch in Österreich und der Schweiz lässt sich Geld verdienen. Über ihre Zahlen schweigen die Firmen allerdings.

In vielen anderen Ländern hat jeder Schüler einen Spind in der Schule, der einen Ranzen überflüssig machen könnte. Angesichts der schrumpfenden Zielgruppe im Inland schielen die Hersteller auch vermehrt über die Grenze. «Wir investieren viel in den Ausbau des Auslandsgeschäfts», sagt Wolfgang Braun von der Firma Sternjakob.

Bislang ist der Ranzen nicht nur eine typisch deutsche Tradition, er wurde sogar in der Bundesrepublik erfunden. Noch bis Mitte der 1970er Jahre gab es den typischen Lederranzen, der später durch Modelle aus textilem, wasserabweisendem Gewebe und Kunststoff ersetzt wurde. Heute sind die Taschen noch viel moderner: Nicht nur über ein extra Handyfach im Schulranzen hat sich früher keiner Gedanken gemacht.

Viele Hersteller setzen auch auf softes Rucksack-Design mit Rückenpolsterung. Der Anblick von großen, kantig-viereckigen Kästen auf dem Rücken zierlicher Kinder soll den Eltern erspart werden. Die Kunststoffbausteine an den Ecken entfallen. Spezielle Ranzentrolleys sollen schonend wirken, sind aber umstritten: Experten halten nichts von ihnen. Häufig müssen die Kinder die Schultrolleys doch schleppen und hochheben, etwa in den Bus, über Bordsteine oder über Treppen. Das belaste das Kreuz mehr, als wenn der Ranzen konstant auf dem Rücken getragen werde, meinen Kritiker.

In den Schulranzenmarkt eingestiegen sind mittlerweile auch Spielzeughersteller wie Lego. Andere Unternehmen setzen auf Lizenzen bekannter Serienhelden, wie Hello Kitty, Spongebob und die Maus. Vorsicht ist für alle Eltern beim Kauf eines Ranzens mit einem allzu kindlichen Design angebracht – sonst will das Kind schon in der Grundschule den Zweitranzen.

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