Archivierter Artikel vom 26.08.2010, 10:20 Uhr

Identitätsnachweis 2.0: Personalausweis wird digital

Berlin (dpa/tmn). Der neue digitale Personalausweis löst am 1. November den bisherigen Ausweis ab. Erstmals sind die Daten inklusive Foto auch elektronisch auf einem Chip gespeichert. Kein Wunder, dass Bedenken über die Datensicherheit eine Diskussionswelle auslösten.

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Personalausweis 2.0
Der neue Personalausweis wird am 1. November eingeführt: Mit dem Ausweis im Scheckkartenformat können auch Online-Einkäufe getätigt werden. (Bild: dpa)

Der Personalausweis wird digital. Am 1. November löst der neue Identitätsnachweis in Scheckkartengröße den bisherigen Ausweis in Deutschland ab. Erstmals sind die aufgedruckten Daten inklusive Foto auch elektronisch auf einem Chip gespeichert, der zum Beispiel bei Grenzkontrollen durch die Behörden ausgelesen wird. Der dpa-Themendienst beantwortet die wichtigsten Fragen dazu:

Wer den Ausweis bekommt: Der digitale Personalausweis wird nach Angaben des Bundesinnenministeriums (BMI) im Regelfall für Personen ab 16 Jahren ausgestellt. Für Kinder unter 16 Jahren können Eltern Personalausweise ohne Online-Ausweisfunktion beantragen. Beantragt werden die Ausweise bei der Personalausweisbehörde des zuständigen Bürgeramtes. Eine Umtauschpflicht alter Ausweise besteht nicht; sie bleiben laut BMI gültig bis zum aufgedruckten Ablaufdatum. Ein vorzeitiger Umtausch ist aber ab dem 1. November 2010 möglich.

Kosten des neuen Ausweises: Für das Ausstellen müssen Antragsteller ab 24 Jahren laut BMI 28,80 Euro bezahlen. Ihr Ausweis bleibt zehn Jahre gültig. Personen unter 24 Jahren zahlen 22,80 Euro – ihr Ausweis läuft schon nach sechs Jahren ab. Ein vorläufiger Personalausweis kostet 10 Euro. Hinzu kommen weitere Gebühren, zum Beispiel in Höhe von 6 Euro für das nachträgliche Aktivieren der Online-Ausweisfunktion, die Änderung der PIN (6 Euro) oder das Entsperren der Online-Ausweisfunktion (6 Euro).

Die gespeicherten Daten: Auf dem per Funk auslesbaren Ausweis-Chip sind laut BMI alle auf der Plastikkarte aufgedruckten Daten auch digital abgelegt: Name, Nachname, Anschrift und Foto (Frontalaufnahme erforderlich). Auf Wunsch können Antragsteller auch zwei Fingerabdrücke speichern lassen.

Aktivierung der Online-Funktion: Die Funktion kann gleich im Bürgeramt aktiviert werden. Es besteht aber keine Pflicht, sie zu nutzen, stellt Bundesinnenminister Thomas de Maizière klar: «Wer möchte, benutzt seinen neuen Ausweis genauso wie seinen alten.» In diesem Fall bleibt die Funktion deaktiviert. Michael Bobrowski vom Verbraucherzentrale Bundesverband rät, die Funktion gleich mit freischalten zu lassen, auch wenn sie vorerst nicht genutzt wird.

Die neue Online-Ausweisfunktion: Mit der sogenannten eID-Funktion sollen sich Ausweisinhaber im Internet überall dort ausweisen können, wo personalisierte Dienste angeboten werden – also etwa in Online-Shops, beim Online-Banking oder in Behörden. Aber auch an Fahrkartenautomaten oder beim Einchecken im Hotel.

Dazu werden der neue Personalausweis, ein Kartenlesegerät und Treibersoftware sowie eine persönliche PIN benötigt. Der Dienstanbieter muss sich über ein staatliches Berechtigungszertifikat ausweisen. Dem Nutzer wird angezeigt, welche Daten angefordert werden. Erst mit der PIN gibt der Nutzer die Datenübertragung frei. Für die größtmögliche Sicherheit empfiehlt sich ein sogenanntes PIN-Pad – hier muss die PIN nicht über die PC-Tastatur eingetippt werden.

Auf Wunsch können Ausweisinhaber zudem ein Signaturzertifikat erwerben und auf ihren Ausweis laden. Es dient dann als elektronische Unterschrift, mit der sie Dokumente elektronisch abzeichnen können. Eine Liste der Anbieter ist bei der Bundesnetzagentur erhältlich.

Sperren des Ausweises: Wer den Ausweis verliert, sollte die Online-Ausweisfunktion sofort beim zuständigen Bürgeramt sperren lassen, um Missbrauch auszuschließen. Dafür gibt es auch die Hotline 0180-1-33 33 33 (3 Cent/Minute aus dem deutschen Festnetz).

Sicherheit der Daten: Die Bundesregierung beteuert, dass die Daten sicher sind. Es sei nicht möglich, Daten auszulesen, ohne dass der Inhaber dies bemerkt. Technische Maßnahmen schützten vor unberechtigtem Auslesen, Kopieren oder Verändern der Daten: Liegt keine Berechtigung vor, gebe der Ausweis die Daten nicht frei. Auch habe der Funkchip nur eine sehr begrenzte Reichweite.

Webportal der Bundesnetzagentur