Archivierter Artikel vom 16.04.2020, 13:07 Uhr

Ideal für Kurzstrecken – Test: Ford Kuga Plug-in-Hybrid

In Zeiten von Corona beschränkt sich die Fahrzeugnutzung oftmals auf Fahrten zum Supermarkt. Diese lassen sich prima elektrisch erledigen, auch mit einem Plug-in-Hybriden.

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Erstmals hat Ford neben Benziner- und Dieseltriebwerke auch elektrifizierte Varianten für den Kuga im Angebot, darunter
Erstmals hat Ford neben Benziner- und Dieseltriebwerke auch elektrifizierte Varianten für den Kuga im Angebot, darunter einen Plug-in-Hybrid

Bis zu 56 Kilometer sind rein elektrisch möglich
Bis zu 56 Kilometer sind rein elektrisch möglich

P-X/Köln. Der Kuga ist seit 2008 Teil des Ford-Portfolios. Mittlerweile steht die dritte Generation in den Startlöchern. Online konfigurierbar ist das SUV bereits, sobald die Autohäuser wieder ihre Pforten öffnen dürfen, kann die interessierte Kundschaft auch zum Probesitzen und -fahren kommen. Erstmals hat Ford neben Benziner- und Dieseltriebwerke auch elektrifizierte Varianten für den Kuga im Angebot, darunter einen Plug-in-Hybrid. Dieser soll mit geringen CO2-Emissionen dazu beitragen, den Flottenverbrauch in Richtung der vorgegebenen 95 Gramm zu senken. Wir konnten die ab 39.550 Euro erhältliche Plug-in-Hybrid-Version (PHEV) bereits für einen Alltagstest nutzen.

Die leicht pummeligen Pfunde des Vorgängers sind verschwunden
Die leicht pummeligen Pfunde des Vorgängers sind verschwunden

Schick ist er geworden. Die leicht pummeligen Pfunde des Vorgängers sind verschwunden. Immerhin hat der Kuga fast 9 Zentimeter in Vergleich zum Vorgänger auf eine Länge von 4,61 Meter zugelegt, dass er in die Breite um gut vier Zentimeter auf 1,88 Meter (2,18 mit Außenspiegeln) zugenommen hat, bemerkt man erst in engen Parklücken. Zumindest vier Personen finden reichlich Platz; die Hinterbänkler können ihre Sitzgelegenheit zugunsten von mehr Kniefreiheit oder Gepäckvolumen verschieben.Das Kofferraumvolumen ist beim Plug-in-Hybriden etwas kleiner als das seiner konventionell angetrieben Brüder und fällt mit 411 bis 1.481 Litern durchschnittlich aus. Gut gefallen hat grundsätzlich die Fahrwerksabstimmung, allerdings muss es nicht unbedingt die pseudosportliche Straffung in der ST-Line-X-Ausstattungslinie (ab 43.550 Euro für den PHEV) sein.Fürs Wohlbefinden sorgen in diesem Komfortniveau unter anderem Navi, B&O-Soundsystem und Klimaautomatik. Dazu kamen im Testwagen noch Extras wie Head-up-Display, adaptiver LED-Scheinwerfer und Assistenten wie den Staufahrer-Helfer.

Ford kombiniert beim Kuga PHEV einen 2,5-Liter-Benziner mit 112 kW/152 PS mit einem 97 kW/131 PS starken E-Motor.
Ford kombiniert beim Kuga PHEV einen 2,5-Liter-Benziner mit 112 kW/152 PS mit einem 97 kW/131 PS starken E-Motor.

Bei einem Plug-in-Hybriden arbeitet ein konventioneller Motor mit einem oder mehreren E-Motoren zusammen. Ford kombiniert beim Kuga einen 2,5-Liter-Benziner mit 112 kW/152 PS mit einem 97 kW/131 PS starken E-Motor. Die Systemleistung kommt auf 165 kW/225 PS. Die Lithium-Ionen-Batterie hat eine Kapazität von 14,4 kWh, die für eine elektrische Reichweite von bis zu 56 Kilometer reichen soll. Ziel ist es, kürzere Strecken rein elektrisch fahren zu können, aber dank des konventionellen Motors und einem 45-Liter-großem Benzintank keine Angst vorm Liegenbleiben haben zu müssen.

Die Systemleistung kommt auf 165 kW/225 PS
Die Systemleistung kommt auf 165 kW/225 PS

Bislang klingen 56 Kilometer für Vielfahrer nach nicht allzu viel. Die sind im Alltag normalerweise schnell aufgebraucht. Doch in Zeiten von Corona-Einschränkungen sinkt das Fahraufkommen. Homeoffice, keine Termine und keine Besuchs- oder Ausflugsfahrten: Wird das Auto nur noch zum Einkaufen und als Versorgungseinheit für ältere Personen genutzt, reicht die elektrische Reichweite des Kuga Plug-in-Hybriden für die alltäglichen Besorgungen.

Das Platzangebot ist ordentlich
Das Platzangebot ist ordentlich

Und so ging es mitnichten mit der Standardeinstellung „EV Auto“ los – hier wechselt das System je nach Fahrbedingung und Batterieladezustand zwischen rein elektrischem Fahren, Fahren mit nur Benzinerunterstützung oder kombiniertem Antrieb – sondern wir testeten wie weit wir mit dem rein elektrischen Fahrbetrieb „EV jetzt“ kamen. Bei sehr kühlen Außentemperaturen von knapp über Null Grad halbierte sich nicht ganz überraschend die elektrische Reichweite. Kälte ist eben ein Reichweitenkiller. Bei angenehmeren Temperaturen über 10 Grad schafften wir 42 Kilometer bevor der Benziner sich dazu schaltete und den Vortrieb übernahm. Die Kraftübertragung erfolgt über ein stufenloses Getriebe. Dies macht seine Sache gut, unter Volllast allerdings – etwa bei einem durch einen Kick-Down eingeleiteten Überholvorgang – agiert es laut und die Sortierung der „Schaltstufen“ gelingt nicht auf Anhieb.

Das Kofferraumvolumen ist beim Plug-in-Hybriden etwas kleiner als das seiner konventionell angetrieben Brüder
Das Kofferraumvolumen ist beim Plug-in-Hybriden etwas kleiner als das seiner konventionell angetrieben Brüder

Ist man entspannt im elektrischen Modus, der bis Tempo 135 möglich ist, unterwegs, hört man bis auf das Abrollgeräusch der Reifen nicht viel. Schaltet sich der Benziner dazu, kommt dies als akustische Meldung sofort beim Fahrer an. So weiß man auch im EV-Auto-Modus immer, ob man elektrisch oder konventionell angetrieben fährt; den Blick auf die im Display gezeigten Antriebsinformationen kann man sich ziemlich schnell sparen. Apropos Sparen: Wer elektrische Reichweite für das Durchfahren etwa einer Umweltzone nutzen möchte, kann diese durch den Modus „EV später“ aufheben. Der Benziner übernimmt den Vortrieb, die mittels Bremsen rekuperierte Energie bleibt in der Batterie. Zur Not kann die Batterie auch durch den Benziner aufgeladen werden. Idealerweise lädt man aber die Batterie an einer Haushaltssteckdose oder Wallbox auf. In knapp sechs Stunden gelingt dies an der Steckdose, mithilfe einer Wallbox in 3,5 Stunden. Ach ja: Theoretisch verbraucht der Kuga Plug-in-Hybrid 1,4 Liter Super plus 15,8 kWh Stromauf 100 Kilometer. Wer nur Kurzstrecke fährt und regelmäßig auflädt, dürfte mit knapp 20 kWh auskommen. Wer längere Strecken zurücklegt, kann je nach Fahrstil mit sechs Liter Super rechnen. Wird indes der Akku nie oder selten aufgeladen, sind es eher gute 8 Liter, die durch die Benzinleitungen rauschen – sofern man nicht die 225 Pferde ungezügelt galoppieren lässt.

Vielfahrer und Lademuffel sollten sich nicht vom Umweltbonus und dem reduzierten Steuersatz für Dienstwagen blenden lassen. Die Anschaffungskosten für den Kuga-PHEV sind hoch und wer nicht regelmäßig lädt, verschenkt den Verbrauchsvorteil. Für Vielfahrer interessant dürfte der 110 kW/150 PS starke Diesel mit 48 Volt-Mildhybridtechnik sein, dieser kommt mit rund fünf Litern aus und ist in der vergleichbaren Ausstattungsstufe knapp 5.000 Euro günstiger als der Teilzeitstromer. Und wer nur wenig fährt, wird auch mit dem 1,5-Liter-Benziner froh. Diesen gibt es mit 88 kW/120 PS (ab 26.550 Euro) oder mit 110 kW/150 PS (ab 30.350 Euro)

Ford KugaPlug-in-Hybrid – Technische Daten:

Viertüriges, fünfsitziges SUV, Länge: 4,61 Meter, Breite: 1,88 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 2,18 Meter), Höhe: 1,68 Meter, Radstand: 2,71 Meter, Kofferraumvolumen: 411 –1.481 Liter

2,5 l Plug-in-Hybrid: 2,5-Liter-Vierzylinder-Turbo-Benziner; 112 kW/152 PS, maximales Drehmoment: k.A., Elektromotor: 97 kW/131 PS, 50 Newtonmeter, Frontantrieb, stufenloses Automatikgetriebe, 0-100 km/h: 9,2 s, Vmax: 20 km/h, elektrische Reichweite: 56 Kilometer, Verbrauch (WLTP): 1,4 l/100 km, CO2-Ausstoß: 32g/km, Abgasnorm: Euro 6d-temp-EVAP-ISC, Effizienzklasse: A+, Testverbrauch: 2 Liter plus Strom

Preis: ab 39.550 Euro [Titanium]

Ford Kuga Plug-in-Hybrid – Kurzcharakteristik:

Warum: einfach mal nicht tanken müssen

Warum nicht: teuer in der Anschaffung; für Vielfahrer empfiehlt sich der sparsame Diesel mit Mildhybrid-Technik

Was sonst: Die Geschwister Opel Grandland X Hybrid4 und Peugeot 3008 Plug-in-Hybrid und demnächst ihre Frontantriebsversionen oder doch einen elektrischen Kleinstwagen für die Kurzstrecke zum Supermarkt?

Elfriede Munsch/SP-X