Archivierter Artikel vom 19.06.2013, 21:58 Uhr
Berlin

Holocaust-Mahnmal und Checkpoint Charlie: First Family auf Zeitreise

Die First Lady schaut bedrückt, als sie den Opfern der deutschen Teilung ihre Ehre erweist. Michelle Obama (49) nimmt eine gelbe Rose und schiebt sie behutsam in eine Lücke der Hinterlandmauer an der Bernauer Straße.

Eine Rose für die Maueropfer: Michelle Obama und Joachim Sauer am Checkpoint Charlie.
Eine Rose für die Maueropfer: Michelle Obama und Joachim Sauer am Checkpoint Charlie.
Foto: dpa

Von Andreas Gruhn

Dann lächelt sie, legt ihren Arm um Tochter Sasha, die hat ihre gelbe Sonnenbrille ins Haar geschoben. So lassen sie den früheren Todesstreifen an den Überbleibseln der Berliner Mauer hinter sich.

Die First Lady der USA ist mit ihren Töchtern Malia (14) und Sasha (12) und Auma, der Halbschwester des Präsidenten, als Touristin zu Gast in der deutschen Geschichte. Todesstreifen, Holocaust-Mahnmal, Checkpoint Charlie – es ist ein stiller Besuch, ohne Jubel.

Der Tag beginnt in den Stelen des Holocaust-Mahnmales, danach geht es weiter zum Checkpoint Charlie. Dann fährt die Kolonne mit den gepanzerten Wagen des Secret Service zur letzten Station in die Bernauer Straße. An der Mauer-Gedenkstätte diskutiert Michelle Obama mit ihrem Gastgeber Joachim Sauer, Gatte von Kanzlerin Angela Merkel, und Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer. „Michelle Obama war sehr beeindruckt von diesem Ort, sie war sehr bewegt von dem Schicksal der Opfer“, sagt Klausmeier nach der einstündigen Führung. Viel haben sie gesprochen über den Wert von Demokratie, über die Absurdität der Teilung.

Die Obamas lernen, wie Familien über Nacht getrennt wurden, sie hören von Fluchten durch Tunnel, von Stürzen aus Fenstern in Sprungtücher. Auch Joachim Sauer berichtet von Erlebnissen in der früheren DDR. Und er macht Sasha und Malia ein Geschenk: eine fast 30 Jahre alte Ausgabe der Zeitschrift „National Geographic“ mit einer Geschichte über die zwei Berlins. Sauer hatte sie als DDR-Bürger in den 80er-Jahren in Prag gekauft und seitdem aufbewahrt. Manfred Fischer, ehemaliger Pfarrer der Versöhnungskirche am Todesstreifen, sagt: „Dass sich die Familie so viel Zeit genommen hat, ist eine Botschaft. Mich macht das happy.“ Sasha Obama hingegen ist nachdenklich auf der Tour. „Es ist sehr traurig“, sagt sie.