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Hamburg

Hockeyspieler Fürste – der unbekannte Weltstar

dpa

Auch wenn Moritz Fürste der aktuell beste Hockeyspieler der Welt ist – reich oder berühmt ist er mit seinem Sport nicht geworden. Auf der Straße wird er nur selten erkannt. In Spanien, wo er seit vergangenem Jahr spielt, praktisch überhaupt nicht. Zufrieden ist er trotzdem.

Ausgezeichnet
Moritz Fürste konnte mit den deutschen Hockey-Herren zwei Olympiasiege feiern.
Foto: Grant Treeby – DPA

«Das macht mich nicht unglücklich», sagte er bei der 8. Hamburger Sportgala. «Natürlich genießen wir Hockeyspieler es, wenn bei Olympia das öffentliche Interesse etwas größer ist. Ansonsten ist mir das nicht wichtig.»

Das vergangene Jahr hätte für Fürste nicht besser laufen können. Der 28-Jährige wurde zum zweiten Mal Olympiasieger, gewann zum dritten Mal die Euro Hockey League und wurde zum Welthockeyspieler ernannt. Also war es keine Überraschung, dass er am Montag zu Hamburgs Sportler des Jahres 2012 gewählt wurde. «Es macht mich unglaublich stolz», sagte er sichtlich gerührt. «Hamburg ist meine Heimat, und ich habe all meine Freunde hier. Es ist ein schönes Gefühl, diese Auszeichnung entgegenzunehmen.»

Zu viel Lob scheint ihm jedoch fast unangenehm zu sein. Sofort verweist er auf seine Mitspieler, ohne die der Erfolg nicht möglich gewesen wäre; oder auf seine Trainer, die ihm vieles beigebracht haben. «Ich hatte einfach das Glück, für wahnsinnig gute Mannschaften zu spielen.»

Seine bescheidene Art hat ihn auch in Indien beliebt gemacht. Im Januar und Februar dieses Jahres spielte Fürste in der neu gegründeten Hockey India League (IHL) für Ranchi Rhinos. Hockey ist dort neben Cricket Nationalsport. Tausende Menschen strömen zu den Spielen, die Athleten verdienen astronomische Summen.

Auch Moritz Fürste hat erstmals in seiner Karriere ein beachtliches Gehalt eingestrichen: Rund 65 000 Euro in vier Wochen. Er führte seinen Verein sogar zur indischen Meisterschaft. «Am meisten beeindruckt haben mich jedoch die Menschen dort», betonte er. Schwerreiche Hockeyspieler und bettelarme Rikschafahrer gehen ganz normal miteinander um. Niemand missgönnt dem anderen Geld oder Erfolg. «Es ist einfach ein sympathisches Volk.»

Mittlerweile ist Fürste wieder zurück beim Club de Campo Madrid. «Das Hockey-Interesse ist in Spanien noch geringer als in Deutschland», sagt Fürste. Meist spiele er «vor 17 Leuten und vier Hunden». Bereut hat er den Wechsel nach Südeuropa trotzdem nicht. «Nach zehn Jahren Bundesliga wollte ich etwas Neues sehen, die Sprache lernen und in einem warmen Land leben», erklärt er. Große Summen verdient er dort nicht. «Aber immerhin genug, um neben dem Studium nicht arbeiten gehen zu müssen.»

Möglicherweise wird Fürste seine Option auf ein weiteres Jahr in der spanischen Hauptstadt ziehen. Auch sein Intermezzo in Indien dürfte sich wiederholen. «Er hat den Willen und die Bereitschaft, mit seinem Ehrgeiz etwas aus seinem Talent zu machen. Davon gibt es nur wenige», sagte sein Laudator Felix Magath bei der Sportgala. So einer ist bei jedem Spitzenverein der Welt willkommen.

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