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Helden im Hintergrund – Neuheiten der Automobilzulieferer

Sie agieren weitgehend im Hintergrund und sind den meisten Autofahren unbekannt, doch sind sie für die Automobilindustrie unentbehrlich: die Zulieferer. Wir haben uns an den IAA-Ständen, wo traditionell weniger Betrieb herrscht, als bei Porsche, BMW und Co. auf die Suche nach Neuheiten begeben.

Bosch arbeitet unter anderem an einem Geisterfahrerwarner
Bosch arbeitet unter anderem an einem Geisterfahrerwarner

Das Auto kann künftig selbst in die Garage fahren
Das Auto kann künftig selbst in die Garage fahren

Zulieferer entwickeln neue Technologien, beraten die Hersteller und fertigen ganze Bauteile in Eigenregie. Und sie sind natürlich auch auf der IAA. Was sie dort heute vorstellen, werden wir in wenigen Jahren in vielen Serienmodellen der großen Hersteller wiederfinden. Die großen Themenfelder sind schnell abgesteckt: Elektrifizierung, Connectivity und Sicherheit – daran wird durch die Bank geforscht, getüftelt und entwickelt. Wir haben uns einige wichtige Neuheiten näher angesehen.

Getrag präsentiert ein Hybridgetriebe
Getrag präsentiert ein Hybridgetriebe

Getrag zum Beispiel präsentiert sein neues Hybridgetriebe namens 7HDT300, mit Doppelkupplung und integrierter E-Maschine, die wahlweise 48, 240 oder 400 Volt leistet und so gleichermaßen in Mild-, Full- oder Plug-in-Hybriden eingesetzt werden kann. Vor allem die 48-Volt-Technik steht bei vielen Zulieferern ganz oben auf der Prioritätenliste, lässt sich damit doch mit wenig Aufwand ein Hybrid-System realisieren, das nicht nur Boosten kann, sondern auch einige rein elektrische Kilometer ermöglicht. In zwei bis drei Jahren könnte das Getrag-System in Serie gehen, das dank seiner kompakten Abmessungen auch gut in einen Kleinwagen passen würde.

Auch ZF beschäftigt sich mit teilautonomem Parken
Auch ZF beschäftigt sich mit teilautonomem Parken

ZF, einer der ganz großen auf dem Zulieferer-Markt, arbeitet nicht nur an einzelnen Bauteilen, sondern stellt in Frankfurt mit dem Advanced Urban Vehicle ein Konzeptauto vor, das die intelligente Vernetzung von Fahrwerks-, Antriebs- und Fahrerassistenzsystemen demonstriert. Eine neuartige Vorderachse mit 75 Grad Einschlagwinkel, die mitlenkende Hinterachse und radnahe Motoren erlauben einen äußerst kleinen Wendekreis von 6,50 Metern, wohlgemerkt von Wand zu Wand, der vor allem beim Ein- und Ausparken seinen Trumpf ausspielt. Und damit das noch leichter geht, kann der Parkvorgang von außerhalb des Autos mit der Smartwatch oder dem Mobiltelefon erledigt werden.

Ebenfalls kein Unbekannter ist Bosch, doch das Unternehmen bietet weit mehr als Akkuschrauber und Bohrmaschinen aus dem Baumarkt. Unter anderem arbeiten die Ingenieure an neuen Akkus für Elektroautos. Die bisher eingesetzten Lithium-Ionen-Stromspeicher sollen nach Boschs Vorstellung schon bald Lithium-Polymer-Batterien weichen, die mehr als die doppelte Reichweite, bei weniger als der Hälfte der bisherigen Kosten bieten. Damit wird die E-Mobilität, schätzungsweise ab 2020, einen gehörigen Sprung nach vorne machen. Bis das soweit ist, will Bosch mit einem verbesserten Thermomanagement E-Autos effizienter machen; bei Kälte soll mehr Reichweite ermöglicht werden, in dem der Fahrgastraum nicht nur elektrisch beheizt, sondern das bisschen Wärme, das E-Motor und Leistungselektronik abgeben, so intelligent genutzt wird, dass damit der Innenraum mollig temperiert werden kann. So sollen rund 60 Prozent des zum Heizen verwendeten Stroms eingespart und in Summe bis zu 25 Prozent mehr Reichweite ermöglicht werden.

Außerdem sind am Stand der Schwaben viele kleine Assistenten und Helferlein zu sehen, die schon bald das Leben leichter machen könnten. Zum Beispiel der Homezone Park Assist: Dem Auto wird dabei einmal der Weg in die heimische Garage beigebracht und fortan erledigt es das Ein- und Ausparken allein auf Tastendruck. Bosch arbeitet außerdem an einem Geisterfahrwarner, der nicht nur, wie ein Mercedes-System, im falschfahrenden Auto Alarm schlägt. Das bringt in der Regel nichts, da 70 Prozent der Geisterfahrten absichtlich stattfinden. Stattdessen werden über Mobilfunk andere Fahrzeuge, die das gleiche herstellerunabhängige System nutzen und sich im Gefahrengebiet befinden, informiert. Und für alle die Angst in engen Baustellen haben arbeitet der Zulieferer noch an einem Assistenten, der automatisch die Spur in der engen Gasse hält.

Am autonomen Fahren und auch an der Hybrid-Technik tüftelt auch Continental mit Hochdruck, auf der IAA zeigt der Zulieferer aber auch noch eine Plattform für Apps, die das Auto noch mehr in den Alltag einbinden soll. Nach Contis Vorstellung soll zum Beispiel der zuhause klingelnde Postbote per Videoübertragung auf dem Display im Auto erscheinen – so kann der Fahrer (und Paketempfänger) direkt mit ihm kommunizieren und die Zustellung regeln. Das Auto soll also zu einem weiteren Wohn- oder Arbeitszimmer werden.

Apropos Arbeiten: Einer der weniger bekannten Zulieferer, Kostal, beschäftigt sich intensiv mit der Zeit, wenn das autonome Fahren Realität geworden ist. Dann nämlich hat der Passagier während der Fahrt Zeit zu arbeiten – oder zu entspannen. Well-Being ist das Schlagwort, das immer wieder fällt, und beschreibt das Wohlfühlen im Auto. Kostal, die unter anderem den Duftspender für die Mercedes S-Klasse beisteuern, denkt daran, eine Wellnessoase zu schaffen, mit bequemen Liegesesseln und Schlummerduft, damit der Fahrer entspannter aus- als einsteigt.

Und die, noch selber fahren wollen? An die denkt zum Beispiel Brembo. Der italienische Bremsenzulieferer kommt aus dem Motorsport und arbeitet intensiv an der Brake-by-Wire-Technik, also der Übertragung des Bremsbefehls per Datenkabel und nicht mehr physisch. Das hat Mercedes zwar schon vor einigen Jahren in der E-Klasse probiert, aber nur mit wenig Erfolg. Doch bald soll die Technik reif für die Serie sein und dem Fahrer dann ein direkteres Bremsgefühl und schnellere Reaktionszeiten bieten als heute.

Michael Gebhardt/SP-X

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