Archivierter Artikel vom 27.06.2014, 09:10 Uhr

Helden am Zuckerhut: Deutschland schon ein WM-Gewinner

Rio de Janeiro (dpa). Die Fußball-Welt staunt über das Torfestival am Zuckerhut. Ein Gewinner des größten WM-Offensivspektakels seit 44 Jahre ist der deutsche Fußball – und das nicht nur durch den souveränen Achtelfinaleinzug der Nationalmannschaft um Vierfach-Torschütze Thomas Müller.

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Vierfachtorschütze
Thomas Müller ist eines der Gesichter der WM.
Foto: Marcus Brandt – DPA

Rio de Janeiro (dpa) – Die Fußball-Welt staunt über das Torfestival am Zuckerhut. Ein Gewinner des größten WM-Offensivspektakels seit 44 Jahre ist der deutsche Fußball – und das nicht nur durch den souveränen Achtelfinaleinzug der Nationalmannschaft um Vierfach-Torschütze Thomas Müller.

Die Bundesliga hat in den 48 Spielen der Gruppenphase ihren Fußabdruck in Brasilien hinterlassen und sich zur erfolgreichsten Liga der Welt aufgeschwungen – wenn auch nur knapp vor der englischen Premier League.

26 der 136 Tore erzielten Profis aus Deutschlands Eliteklasse. Die in Englands Topliga beschäftigten Spieler brachten es insgesamt auf einen Treffer weniger. Die spanische Primera Division liegt mit 20 Toren schon deutlich zurück. Doch das ist nicht der einzige Bestwert «Fabricado na alemanha», der in den Statistikrechnern im noblen Hauptquartier der FIFA an der Copacabana einläuft. Erstmals in der WM-Geschichte stehen in Bundestrainer Joachim Löw, Jürgen Klinsmann (USA) und Ottmar Hitzfeld (Schweiz) drei deutsche Trainer in einem Achtelfinale.

Fast schon ein Sinnbild der WM-Dramaturgie: Die drei italienischen WM-Coaches Cesare Prandelli, Alberto Zaccheroni (Japan) und Fabio Capello (Russland) schieden mit ihren Teams allesamt aus. Aus England und Spanien waren ohnehin nur die eigenen Nationalcoaches Roy Hodgson und Vicente del Bosque dabei – beide wollen trotz der WM-Desaster offenbar weitermachen.

Aus der Ferne müssen die Trainer-Routiniers nun beobachten, wie die Stars den WM-Takt bestimmen. Brasiliens Heim-Held Neymar, Argentiniens Lionel Messi und Titelverteidiger Müller führen das Torjäger-Ranking mit je vier Treffern an. Große Namen, große Taten ist ein Zwischenfazit vor dem Beginn der K.o.-Spiele am Samstag.

Denn auch die Niederländer Arjen Robben und Robin van Persie sind wie Frankreichs Karim Benzema (alle je 3 Tore) die führenden Figuren ihrer Teams, die sich im Gegensatz zu den gestrauchelten Großmächten Spanien, England und Italien problemlos für das Achtelfinale qualifizierten.

Ein Wehklagen aus Europa ist aber trotz des dramatischen Scheiterns der großen Drei nicht nötig. Trotz des viel beschworenen Heimvorteils für die Südamerikaner sind wie 2010 sechs europäische Teams zum Start der K.o.-Runde noch dabei. Die Machtbalance der Fußball-Kontinente hat sich seit dem Turnier in Südafrika weniger verschoben als gedacht. Auch damals schafften fünf Südamerikaner den Einzug in die K.o.-Runde – nur diesmal wird das erfolgreiche Abschneiden von der Euphorie Zehntausender Fußball-Fans auf dem Heimkontinent getragen.

Durch zwei innerkontinentale Duelle zwischen Brasilien und Chile sowie Uruguay und Kolumbien werden sich die CONMEBOL-Teams selbst eliminieren. Alle sechs Europäer könnten hingegen den Sprung ins Viertelfinale schaffen. Ein Achtelfinal-Rekord sind die drei Mannschaften aus Nord- und Mittelamerika. Afrika ist durch Nigeria und Deutschland-Kontrahent Algerien erstmals mit zwei Teams vertreten. Großer Verlierer ist Asien, dessen vier Teams alle ausschieden und keinen einzigen Sieg zustande brachten.

Bei der dringend nötigen Turnieraufarbeitung können sich die englischen Kritiker der vielen ausländischen Stars in der Premier League bestätigt fühlen. Während die Profis der Three Lions schon im Sommerurlaub sind, spielen 60 ihrer Liga-Arbeitskollegen noch um den Titel in Brasilien. Aus Italien sind es 38 Legionäre, aus Spanien 35. Neben 17 Profis in der DFB-Elf sind noch 21 weitere Spieler aus der Bundesliga dabei.

WM-Statistik FIFA-Homepage