Archivierter Artikel vom 14.02.2011, 10:03 Uhr
St. Goarshausen

Havarie an der Loreley: Bergungsspezialisten sind erleichtert: Heben der „Waldhof“ verlief ohne Probleme

Erleichtert sind sie alle, Freude empfindet niemand. In den Gesichtern der Einsatzkräfte spiegelt sich Erschöpfung der vergangenen Tage und Wochen wider, aber auch Stolz darüber, dass die Bergung des Tankers „Waldhof“ endlich geschafft ist. Einen Monat lang hat das Wrack mit der gefährlichen Schwefelsäure an Bord vor den südlichen Toren von St. Goarshausen gelegen – direkt bei der Statue der weltberühmten Loreley.

Bergungskräfte haben am Sonntag das bei St. Goarshausen auf dem Rhein gekenterte Säuretankschiff „Waldhof“ wieder aufgerichtet. Unser Bild zeigt, wie erste Polizeiboote am Havaristen anlegen, um nach den beiden vermissten Besatzungsmitgliedern zu suchen.
Bergungskräfte haben am Sonntag das bei St. Goarshausen auf dem Rhein gekenterte Säuretankschiff „Waldhof“ wieder aufgerichtet. Unser Bild zeigt, wie erste Polizeiboote am Havaristen anlegen, um nach den beiden vermissten Besatzungsmitgliedern zu suchen.
Foto: dpa

St. Goarshausen. Erleichtert sind sie alle, Freude empfindet niemand. In den Gesichtern der Einsatzkräfte spiegelt sich Erschöpfung der vergangenen Tage und Wochen wider, aber auch Stolz darüber, dass die Bergung des Tankers „Waldhof“ endlich geschafft ist. Einen Monat lang hat das Wrack mit der gefährlichen Schwefelsäure an Bord vor den südlichen Toren von St. Goarshausen gelegen – direkt bei der Statue der weltberühmten Loreley.

Nun haben die Bergungsspezialisten den Havaristen gehoben und aus der Fahrrinne des Rheins gezogen. Einsatzleiter Martin Mauermann sagt: „Beim Heben ist alles gut gegangen. Es sind keine Drähte aus dem Schiff herausgerutscht oder Seile gerissen. Nach den vielen Problemen wie Hochwasser oder Wasserstoff in den Tanks ist die schnelle Hebeaktion wirklich eine Erlösung.“ Rund 4500 Einsatzstunden liegen allein hinter den ehrenamtlichen Helfern von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk und Deutschem Roten Kreuz. Mehr als 300 Personen waren im Dauereinsatz an der Loreley. Alle stehen noch unter dem Eindruck eines der folgenreichsten Unglücke, das unsere Region in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat. Tote sind zu beklagen, menschliche Schicksale stehen hinter den wirtschaftlichen Verlusten, die durch die Sperrung des Rheins entstanden sind.

Es werden Monate ins Land gehen, bis die Havarie aufgearbeitet ist. Es wird diskutiert werden müssen, ob die Schifffahrt an einer der gefährlichsten Stellen des Rheins in dieser Form weiterlaufen kann und ob der Bund am Mittelrhein möglicherweise schweres Bergungsgerät stationieren muss.

Der Rhein war wochenlang ganz oder teilweise gesperrt. Die Belastung durch die Ausfälle ist groß für die Schiffer der wichtigsten Wasserstraße Europas. Das Land hat nun einen ersten Vorstoß in Richtung der angeschlagenen Binnenschifffahrt unternommen und schlägt vor, „Schiffseignern künftig steuerliche Verbesserungen, zum Bespiel durch Stundungsmodelle, zu bieten“, sagt Innenstaatssekretär Roger Lewentz. Bewerten muss diesen Vorschlag nun der Bund, denn dort werden diesbezüglich die Entscheidungen getroffen. Lewentz: „Das Land kann nur anregen.“

Von unserem Redakteur Markus Wakulat