Archivierter Artikel vom 18.07.2011, 19:14 Uhr

Hambüchens WM-Start im Mehrkampf ausgeschlossen

Berlin (dpa). Die Erleichterung ist groß, doch der Cheftrainer warnt vor Euphorie: Nach 210 Tagen in der Rehabilitation wird Turner Fabian Hambüchen am 13. August wieder auf die Podien zurückkehren. Chefarzt Johannes Peil von der Sportklinik Bad Nauheim gab grünes Licht.

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Rückkehrplan
Turner Fabian Hambüchen will es wieder anpacken, am 13. August.
Foto: DPA

Hambüchen fällt ein Stein vom Herzen. «Ich will mit Freude zurück auf die Turnbühne kommen. Was mich antreibt ist Olympia 2012. Da will ich unbedingt hin», kündigte der Ex-Weltmeister und sechsmalige Europameister freudig an.

Seit es am 15. Januar im Training den «lauten Knall» gegeben hatte und die Achillessehne gerissen war («Der schlimmste Tag meiner Karriere»), durfte der 23-Jährige bei der Reha und dem Krafttraining nur von Wettkämpfen träumen. Seit Anfang Juli trainiert er nun schon wieder Landungen, auf die er monatelang wegen der Rücksicht auf die lädierte Sehne verzichten musste. Am Rande der EM in Berlin hatte er auch verraten, dass er sogar neue Elemente an seinem Spezialgerät Reck einstudiere.

Im deutschen Turnerlager wusste man, dass sich Kämpfer Hambüchen nicht so leicht unterkriegen lässt. «Seine Rückkehr ist keine Sensation. Er sollte jetzt aber nichts übereilen, von uns wird es da keinerlei Druck geben», meinte Rainer Brechtken, der Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB), der sich über den damit wachsenden Konkurrenzkampf im eigenen Lager freut. «Wenn die Top-Turner Philipp Boy, Marcel Nguyen und Fabian Hambüchen fit sind, haben wir ein ganz starkes Trio im Mehrkampf», sagte Brechtken.

Cheftrainer Andreas Hirsch zeigte großen Respekt dafür, wie sich Hambüchen wieder herangekämpft hat. «Aber wir machen uns nichts vor, das ist eine ganz schwere Verletzung. Es gibt jetzt immer mehr Fortschritte, ich sehe das total positiv», sagte der Berliner am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Doch Hirsch bleibt wie stets ein besonnener Realist. «Fabian hat jetzt fast ein Jahr Wettkampf-Abstinenz. Die Situation für ihn hat sich gewandelt. Er muss nun zeigen, welche Rolle er künftig ausfüllen kann.»

Nicht nur weil Hambüchen ankündigte, bei der ersten WM-Qualifikation in Altendiez (13. August) und den deutschen Meisterschaften in Göppingen (27./28. August) nur an drei bis vier Geräten zu turnen, ist für Hirsch nach mehreren Gesprächen mit dem Hessen ein Mehrkampf-Start bei der WM in Tokio (8. bis 16. Oktober) ausgeschlossen. «Davon gehe ich felsenfest aus. Am Boden und beim Sprung ist er in Tokio definitiv nicht dabei.» Und genauso klar benennt Hirsch die WM-Zielstellung: «Wichtig ist für uns in Tokio die Qualifikation für die Olympischen Spiele. Wir müssen uns für London im ersten Ruck qualifizieren, sonst kommen alle unsere Planungen durcheinander.»

Der Berliner hält auch nicht für undenkbar, dass Hambüchen den Sprung nach ganz vorne nicht auf Anhieb schafft. «Wenn es nicht läuft und er die Nominierung in die WM-Riege nicht schafft, dann gibt es nur ein Ziel: Dann müssen wir alles unternehmen, ihm eine optimale Olympia-Vorbereitung zu ermöglichen. Wir werden ihn dann nicht mit zusätzlichen Handicaps ausstatten.»

Mit den beiden Europameistern Philipp Boy und Marcel Nguyen sowie Ex-Europameister Matthias Fahrig hat Hirsch weitere heiße Eisen im WM-Feuer. Boy jedenfalls freut sich auf das Comeback des Konkurrenten: «Ich finde es schön, wenn Fabian wieder dabei ist, weil mit ihm unser WM-Team sicher noch stärker wird. Er soll sich aber Zeit nehmen», sagte der Cottbusser. «Denn nach so einer langen Verletzungspause kann man schnell zu viel wollen und dann kommen Rückschläge. Ich kann das aus leidvoller Erfahrung beurteilen.»