Archivierter Artikel vom 30.07.2020, 17:07 Uhr

Großes Lob für's kleine K – Test: Skoda Kamiq 1.5 TSI DSG

Im VW-Konzern hat Skoda schon längst die Rolle der etwas clevereren Marke übernommen. Nicht unbedingt wegen der Preise, die im Wettbewerbsvergleich durchaus nicht mehr so günstig sind. Aber die Tschechen bauen einfach gute Autos. So wie den Kamiq, das kleinste SUV der Marke.

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Der Kamiq bietet im Vergleich zu vielen Wettbewerbern recht viel Platz
Der Kamiq bietet im Vergleich zu vielen Wettbewerbern recht viel Platz

Ein alltagstauglicher Kofferraum mit 400 Litern Fassungsvermögen – für die Urlaubsfahrt zu Zweit auf fast 1.400 Li
Ein alltagstauglicher Kofferraum mit 400 Litern Fassungsvermögen – für die Urlaubsfahrt zu Zweit auf fast 1.400 Liter erweiterbar

SP-X/Köln. Kamiq, Karoq und Kodiaq – der Gleichklang dieser Namen deutet schon darauf hin, dass die Fahrtzeuge etwas gemeinsam haben: Es handelt sich stets um SUVs. Während der Kodiaq mit seine Länge von 4,70 Meter in der Mittelklasse auf Kundenfang geht und der Karoq sich mit seinen 4,38 Meter im gut gefüllten Kompaktsegment tummelt, macht sich der kleinere Kamiq als neuestes Modell seit rund 10 Monaten im SUV-Kleinwagensegment lang. Und das „lang“ darf man getrost wörtlich nehmen, denn Skoda bleibt auch hier seiner geschickten Strategie treu, sich eher zwischen den traditionellen Segmenten als in ihnen zu bewegen. Für das kleinste SUV des Trios heißt das, mit 4,24 Metern eigentlich schon in die Kompaktklasse zu schielen.

Der Skoda Kamiq streckt sich auf eine Länge von 4,24 Metern
Der Skoda Kamiq streckt sich auf eine Länge von 4,24 Metern

Der Vorteil dieser Strategie liegt auf der Hand: Der Kamiq bietet im Vergleich zu vielen Wettbewerbern recht viel Platz – vorne sowieso, aber auch auf der Rückbank. Hinzu kommt ein alltagstauglicher Kofferraum mit 400 Litern Fassungsvermögen – für die Urlaubsfahrt zu Zweit auf fast 1.400 Liter erweiterbar. Und wer mal einen besonders langen Gegenstand zu transportieren hat: Die Beifahrerlehne ist umklappbar. Da fragt man sich nur, warum die cleveren Tschechen anders als VW beim deutlich kürzeren T-Cross nicht auch noch eine verschiebbare Rückbank eingebaut haben.

Der 1,5-Liter stellt nicht nur 110 kW/150 PS zur Verfügung, sondern auch ein Drehmoment von 250 Newtonmetern
Der 1,5-Liter stellt nicht nur 110 kW/150 PS zur Verfügung, sondern auch ein Drehmoment von 250 Newtonmetern

Apropos clever: Obwohl nicht neu, erfreut man sich als Tester immer wieder an den vielen durchdachten Lösungen für den Alltag, mit denen auch der Kamiq aufwartet. So gibt´s sowohl den liebgewonnenen Regenschirm in der Tür der Fahrerseite, die Eiskratzer im Tankdeckel, den Tickethalter an der Frontscheibe, die Taschenlampe im Kofferraum oder den integrierten Trichter zur vereinfachten Nachfüllung von Scheibenwasser. Manche dieser Dinge sind aufwendiger, andere kosten im Großeinkauf wohl eher nur ein paar Cent. Alle tragen aber dazu bei, das selbstkreierte Image der Marke „simply clever“ zu unterstreichen und dem Besitzer des Fahrzeugs das Gefühl zu geben, dass man sich um ihn und seinen Komfort Gedanken gemacht hat. Die ebenfalls praktischen Features „Abfalleimer“ und „Türkantenschutz“ müssen hingegen extra bezahlt werden.

Der Testwagen war mit dem 1,5-Liter-Benziner ausgestattet
Der Testwagen war mit dem 1,5-Liter-Benziner ausgestattet

Zurück zum kleinesten „K“ in der SUV-Flotte von Skoda. Unser Testwagen war mit dem 1,5-Liter-Benziner ausgestattet, dieser Motor wurde sozusagen nachgeschoben. Zum Marktstart im letzten Herbst standen neben einem 1,6-Liter-Diesel (85 kW/115 PS) nur die beiden aus zahlreichen Modellen des VW-Konzerns bekannten 1,0-Liter-Benziner zur Verfügung. Die Dreizylinder leisten 70 kW/95 PS oder 85 kW/115 PS. Der 1,5-Liter stellt dagegen nicht nur 110 kW/150 PS zur Verfügung, sondern auch ein Drehmoment von 250 Newtonmetern, dass zudem fast über das gesamte im Alltag genutzte Drehzahlband anliegt.

Der Kamiq überzeugt  mit einem tollen Fahrwerk
Der Kamiq überzeugt mit einem tollen Fahrwerk

Der Vierzylinder hat gegenüber seinen kleineren Benziner-Kollegen zudem nicht nur den konstruktionsbedingten Vorteil einer deutlich größeren Laufruhe, er verfügt auch über eine Zylinderabschaltung (ACT), die so gut funktioniert, dass man gar nicht bemerkt, wenn sich zwei Kolben temporär aus der Arbeit verabschieden. Allerdings wirkte der Motor im knapp 1,3 Tonnen wiegenden Kamiq aus unerfindlichen Gründen leicht zugeschnürt, auf jeden Fall nicht so agil wie in einem kürzlich von uns gefahrenen, gleich motorisierten Golf. Zudem reagierte das Siebenstufen-DSG häufiger mal recht langsam, so dass man sich den Aufpreis von etwa 1.800 Euro zum manuellen Sechsgang-Getriebe auch sparen kann. Dafür überzeugt der Kamiq mit einem tollen Fahrwerk, das eine souveräne Spreizung zwischen Komfort und Dynamik hinbekommt.

Eine Freude sind der gut verarbeitete Innenraum und die klar gezeichneten Instrumente
Eine Freude sind der gut verarbeitete Innenraum und die klar gezeichneten Instrumente

Ebenfalls eine Freude sind der gut verarbeitete Innenraum und die klar gezeichneten Instrumente. Hier ist alles so übersichtlich und aufgeräumt, wie man es sich bei manchem Wettbewerber wünschen würde. Wer es unbedingt ganz modern haben will, ordert gegen Aufpreis volldigitale Instrumente, was aus unserer Sicht aber nicht unbedingt sein muss.

Hinten geht es recht kommod zu
Hinten geht es recht kommod zu

In Verbindung mit dem großen Benziner ist der Kamiq erst ab der zweiten von insgesamt vier Ausstattungsniveaus zu haben, die wie bei anderen Modellen auch den Namen „Ambition“ trägt. Einige wichtige Dinge sind dann dabei, unter anderem auch eine Klimaanlage und einige Assistenten – einer für die Spurhaltung, ein Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer und natürlich ein Frontradar mit City-Notbremssystem.

Andere Dinge können einzeln oder besser noch in Paketen geordert werden, deren Preise Skoda erfreulich fair gestaltet. Ein Beispiel: Für 965 Euro kommt der Kamiq mit Zweizonen-Klimaautomatik, beheizbaren Vordersitzen, höhenverstellbarem Beifahrersitz (der Fahrersitz ist es sowieso), elektrischer Heckklappe und schlüssellosem Zugang.

Trotzdem ist das kleinste Skoda-SUV kein Schnäppchen. Im Vergleich zu einem ähnlichen VW T-Cross kommt er zwar um die 3.000 Euro günstiger, bei einem Blick auf andere Wettbewerber sieht die Rechnung aber nicht mehr so deutlich gut aus. Mit DSG-Getriebe steht der Kamiq momentan für rund 26.125 Euro in der Preisliste. Wer eine der beiden höheren Ausstattungsvarianten wählt, muss bereits rund 28.075 Euro (Style) oder gar 29.720 Euro (Monte Carlo) hinblättern. Mit einigen weiteren Extras sind schnell über 30.000 oder 32.000 Euro erreicht. Das ist dann schon happig und schmälert ein wenig das große Lob, das wir dem kleinsten K in Skodas SUV-Flotte alles in allem zukommen lassen wollen.

Skoda Kamiq 1.5 TSI DSG – Technische Daten:

Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Kleinwagen-Klasse; Länge: 4,24 Meter, Breite: 1,79 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 1,99 Meter), Höhe: 1,56 Meter, Radstand: 2,64 Meter, Kofferraumvolumen: 400 – 1.395 Liter

1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit Zylinderabschaltung (ACT), 110 kW/150 PS, maximales Drehmoment: 250 Nm bei 1.500 bis 3.500 U/min, 7-Gang-DSG, 0-100 km/h: 8,4 s, Vmax: 212 km/h, Normverbrauch: 5,1 Liter/100 Kilometer, CO2-Aussstoß: 116 g/km, Effizienzklasse: B, Abgasnorm: Euro 6d-temp, Testverbrauch: 6,7 Liter/100 Kilometer

Preis: ab 26.124 Euro (Ambition)

Kurzcharakteristik:

Warum: viel Platz; sehr gute Verarbeitung; tolles Fahrwerk; clevere Einzellösungen

Warum nicht: kein Allrad; DSG reagiert teils behäbig; nur zwei Jahre Garantie

Was sonst: VW T-Cross, Seat Arona, Renault Captur, Mazda CX-3, Ford Puma, Opel Crossland X

Peter Eck/SP-X