Archivierter Artikel vom 24.10.2010, 11:00 Uhr

«Grausam»: Motor-Drama raubt Vettel Titelchance

Yeongam (dpa). Aus Sebastian Vettels Red Bull schlug nur noch Rauch, über den Ferrari-Funk drang nach dem irren Regenchaos von Südkorea Fernando Alonsos schadenfrohes Gelächter. Mit dem kapitalen Motorplatzer war für Vettel der Premierensieg in Yeongam dahin.

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Verärgert
Nach dem Aus ist Sebastian Vettel der Frust ins Gesicht geschrieben.

Die erste WM-Führung seiner Karriere wäre ein Riesenschritt Richtung WM-Titel gewesen. Nachdem sein Teamkollege Mark Webber durch einen Unfall ebenfalls vorzeitig ausgeschieden war, schnappte sich Alonso als lachender Dritter den Sieg und kletterte zwei Rennen vor Saisonende an die Spitze der WM-Wertung. «Im Moment ist man natürlich enttäuscht. Ich kann aber nichts dran machen», meinte Vettel.

Triumph
Ferrari-Fahrer Fernando Alonso freut sich über seinen Sieg.

«Der Sieg wurde ihm auf grausame Weise genommen, er hat ein perfektes Rennen hingelegt. Das ist eine große Enttäuschung», meinte Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Unterbrechung
Das Rennen war geprägt durch zahlreiche Safety-Car-Phasen.

45 Runden lang dominierte Vettel, der zum neunten Mal in der laufenden Saison von der Pole Position gestartet war, das Feld. Als der bis dato im Klassement führende Webber von der Strecke abkam und dabei auch noch den aussichtsreich liegenden Mercedes-Piloten Nico Rosberg mitnahm, schien der Sieg wie auf dem Silbertablett serviert. «Ich hatte zu jeder Zeit den Rest des Feldes im Griff», meinte Vettel. Für den folgenreichen Triebwerksdefekt konnte er nichts. Den nahm Motorlieferant Renault auf seine Kappe. Das Unternehmen «muss sich beim ganzen Team für den Motorschaden an Seb's Auto entschuldigen», sagte Chefingenieur Fabrice Lom zerknirscht.

Abtransport
Der zerstörte Red-Bull-Rennwagen von Mark Webber wird weggefahren.

Des einen Leid, des andren Freud bei dem Südkorea-Spektakel mit einer 49-minütigen Renn-Unterbrechung und vier Safety-Car-Phasen. Alonso, der auf der Strecke als kompromisslos gilt und im Team den Nummer-1-Status beansprucht, lachte nach der Zieldurchfahrt schallend. «Avanti», brüllte der Spanier ins Funkgerät. Hinter ihm fuhren McLaren-Pilot Lewis Hamilton und Teamkollege Felipe Massa die weiteren Podestplätze ein.

Rutschig
Intensive Regenfälle sorgten für schwierige Streckenbedingungen.

Nach seinem vierten Sieg in den vergangenen sieben Rennen ist der Spanier auf dem besten Weg zu seinem dritten WM-Titel nach 2005 und 2006 (Renault). Er hat nun 231 Punkte und damit satte elf Zähler Vorsprung vor Webber (220). Vettel rutschte mit weiterhin 206 Punkten auf Rang vier hinter Hamilton (210) und hat damit nur noch eine Mini-Chance auf den Titel als jüngster Champion der Formel-1- Geschichte. Titelverteidiger Jenson Button (McLaren), der Zwölfter wurde, hat als Fünfter mit 189 Punkten wohl nur noch rechnerisch eine Chance. «Es ist fast unmöglich», sagte der Brite.

Erster
Der Spanier Fernando Alonso (M.) führt da Fahrerfeld an.

Wie Vettel und Rosberg kamen in Yeongam auch Force-India-Fahrer Adrian Sutil und Virgin-Pilot Timo Glock nicht ins Ziel. Nick Heidfeld sammelte im Sauber als Neunter zwei Punkte, auch Nico Hülkenberg ergatterte als Zehnter im Williams noch einen Zähler.

Von Beginn an entwickelte sich das Debüt in Südkorea zum denkwürdigen Abenteuer. Wegen des Dauerregens musste das Feld zum ersten Mal in dieser Saison hinter dem Safety-Car starten. Nach drei Runden brachen die Renn-Kommissare den Versuch ab und beorderten die Piloten zurück in die Startaufstellung. Auf der Strecke, die erst wenige Tage vor dem Grand Prix fertig geworden war, konnte das Wasser nicht gut ablaufen. Erst nach 49-minütiger Unterbrechung ging es zum zweiten Mal hinter dem Safety-Car los. Nach 13 weiteren Runden gaben die Kommissare das Rennen endgültig frei.

Der erste Paukenschlag in Runde 19: Webber verlor die Kontrolle über seinen Boliden und krachte in Rosbergs Silberpfeil. «Das war ganz allein mein Fehler», gestand der 34-Jährige, der vor dem Rennen noch mit 14 Punkten vor Alonso und Vettel gelegen hatte. Wieder musste das Safety-Car für vier Runden auf die Piste.

Vettel blieb wie schon bei seiner Last-Minute-Pole absolut cool und setzte sich zunehmend von Verfolger Alonso ab. Dahinter zahlte sich für Schumacher die in der Zwangspause veränderte Fahrzeug- Abstimmung aus. In Runde 27 zog der 41-Jährige an Button vorbei. Nach einem Crash von Toro-Rosso-Pilot Sebastien Buemi mit Glock kam erneut das Safety-Car. Vettel konnte gerade noch die Chance zum Boxenstopp nutzen und blieb Erster. Alonsos Mechaniker-Crew dagegen patzte, Hamilton schnappte sich Rang zwei. Dann aber verbremste sich der Brite und der Scuderia-Star kam wieder vorbei.

Alles sah nach einem sicheren Sieg für Vettel aus. Doch in der 46. Runde begann Vettels Motor zu qualmen, Funken schlugen, er rollte aus. Statt als erster Deutscher seit Michael Schumacher vor vier Jahren und 17 Tagen wieder an die WM-Spitze zu klettern, sanken seine Titelhoffnungen auf ein Minimum. «Ich bin traurig für ihn. Das ist leider der Motorsport», sagte Schumacher über Vettel. Frei war der Weg für Alonso: Der raste nach 55 Runden in mehreren Etappen auf dem 5,621 Kilometer langen Kurs und 2:48:20,810 Stunden jubelnd als Erster die Ziellinie.