Archivierter Artikel vom 13.02.2013, 10:25 Uhr

Gewinn durch Verzicht – Vom Sinn der leeren Schüssel

Berlin (dpa). Fasten als der befristete Verzicht auf feste Nahrung soll Körper und Seele reinigen und einen Zustand innerer Ruhe herbeiführen. Eines der ältesten Naturheilverfahren der Welt ist auch in unserer Zeit zum Trend geworden.

Lesezeit: 2 Minuten
Wasser und Brot
Am Aschermittwoch beginnt die 40-tägige christliche Fastenzeit. Auch bei nicht-religiösen Menschen ist die Tradition längst zum Trend geworden.
Foto: Armin Weigel – DPA

Ursprung: Der Begriff des Fastens geht auf das gotische Wort «fastan» zurück: festhalten, beobachten. Das Fasten gibt es in allen Weltreligionen: Moses fastete, bevor er Gottes Wort empfing. Jesus zog sich zum Fasten für 40 Tage in die Wüste zurück, um sein öffentliches Wirken vorzubereiten. Mohammed fastete, bevor ihm der Koran offenbart wurde.

Christentum: Die Fastenzeit für Christen beginnt an Aschermittwoch. Sie ist die Vorbereitung auf Ostern, das Fest der Auferstehung Christi. Im Jahr 325 legte das Konzil von Nicäa den Ostertermin fest und schrieb ein vorangehendes 40-tägiges Fasten vor. Früher galten für diese Zeit strenge Regeln. Nach der katholischen Lehre sind heute nur noch Aschermittwoch und Karfreitag echte Fastentage, an denen jeweils nur eine – fleischlose – Mahlzeit erlaubt ist.

Sieben Wochen ohne: Die Evangelische Kirche in Deutschland ruft jährlich zu der Fastenaktion «Sieben Wochen ohne» auf. Teilnehmer sollen von Aschermittwoch bis Karsamstag etwa auf Fleisch, Alkohol, Zigaretten oder Süßigkeiten verzichten. In diesem Jahr steht die Aktion unter dem Motto «Riskier was, Mensch! Sieben Wochen ohne Vorsicht». Es soll dazu einladen, im Gespräch unterschiedliche Ansichten auszutauschen, statt hinter einer Mauer des Schweigens und des Desinteresses zu verschwinden.

Islam: Für Muslime ist Fasten eine im Koran verankerte Pflicht. Fasten gilt neben dem Glaubensbekenntnis, täglichen Gebeten, dem Geben von Almosen und der Wallfahrt nach Mekka als einer der fünf Grundpfeiler des Islams. Im neunten Monat des islamischen Mondkalenders sollen Muslime von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex verzichten. Der Fastenmonat Ramadan als Zeit der Besinnung soll den Glauben und die Selbstdisziplin der Gläubigen stärken.

Heilfasten: Auch bei nicht-religiösen Menschen ist die Tradition längst zum Trend geworden: In Klöstern oder beim Fastenwandern können sich gestresste Großstädter eine Auszeit nehmen. Beim Heilfasten stehen statt fester Nahrung Tee, Saft, Wasser oder Gemüsebrühe auf dem Speiseplan. Es sollte jedoch nicht als Maßnahme zum Abspecken verstanden werden. Ernährungswissenschaftler weisen darauf hin, dass der Körper dabei extrem viel Wasser abbaut. Nach einer Fastenkur nimmt man oft mehr zu, als man dabei abgenommen hat. Heilfasten kann ein Impuls für eine Änderung des Lebensstils sein.

Infos zur Aktion «7-Wochen-ohne»

Erzbistum Köln zum Sinn des Fastens

Alles rund ums Heilfasten