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    Basel

    Gespräch: Milliarden-Gaben sind US-Phänomen

    Milliarden-Gaben von Superreichen wie Bill Gates und Warren Buffett sind ein US-Phänomen, sagt Philanthropie-Experte Georg von Schnurbein.

    Buffett und Gates bringen 40 Milliardäre zum Spenden
    Warren Buffett (r) und Microsoft-Gründer Bill Gates haben 40 Milliardäre zum Verschenken des größten Teils ihres Geldes überredet. (Archivbild)

    Spendenaktionen von 40 Milliardären seien in Europa oder Asien kaum vorstellbar, erklärt der Leiter des Zentrums für Philanthropie und Stiftungswesen an der Universität Basel im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

    Gates und Buffett sorgen mit der Ankündigung spektakulärer Wohltaten nicht zum ersten Mal für Schlagzeilen. Ist ein solches Ausmaß an Gönnertum echte Philanthropie oder eher ein Ego-Trip der beiden?

    Von Schnurbein: «Ich denke, man kann das schon als Ausdruck ehrlicher Spendenbereitschaft verstehen. Und das ist zunächst einmal auch zu würdigen. Diese Herrschaften haben keinerlei Pflicht, so viel von ihrem Vermögen abzugeben. Andererseits ist es natürlich eine Art von Selbstdarstellung. Es gibt eben keinen Altruismus ohne Egoismus.»

    Die zwei Großmäzene haben auf ihrer Werbetour nach eigenen Angaben schon 100 Milliarden Dollar (75 Milliarden Euro) eingesammelt. Sind derlei Projekte auch in Europa oder Asien vorstellbar?

    Von Schnurbein: «Gates und Buffett wollen sich demnächst mit reichen Chinesen treffen, das Sendungsbewusstsein der Amerikaner ist also auch in Fernost zu spüren. Ich denke aber, dass das Ganze eine sehr amerikanische Maßnahme ist. In den USA ist seit jeher ein starkes privates Engagement für das Gemeinwesen verankert.»

    Warum fühlen sich diese Reichen verantwortlich für die Gesellschaft?

    Von Schnurbein: «Man kann das aus der Geschichte erklären: Der amerikanische Staat war noch sehr jung, als es die ersten reichen Industriellen gab. Auch wegen der riesigen Fläche des Landes waren Politik und Verwaltung nicht in der Lage, alle sozialen Probleme zu lösen. Die Reichen sahen sich in der Pflicht, der Gesellschaft etwas zurückzugeben - nicht zuletzt deshalb, weil sie oft selbst zur ersten oder zweiten Generation armer Einwanderer gehörten.»

    Also alles eine Frage verschiedener historischer Erfahrungen?

    Von Schnurbein: «Sicherlich. Aktuell kommt aber noch hinzu, dass die Wirtschaftskrise in den USA viel schärfere Auswirkungen hatte. Dort sind Menschen obdachlos geworden oder haben Rentenansprüche verloren. Das sind gravierende Folgen, die auch die Rolle der Reichen prägen.»

    Wie stehen die Chancen des Software-Gurus und des Investment-Papstes, weitere finanzkräftige Sponsoren ins Boot zu holen?

    Von Schnurbein: «Es kann durchaus sein, dass sie noch das eine oder andere Versprechen abholen. Man muss aber klarstellen, dass es erst einmal Ankündigungen sind. Gates und Buffett fragen nur an, ob jemand bereit ist, 50 Prozent seines Vermögens zur Verfügung zu stellen.»

    Und wo bleiben die deutschen Superreichen in der exklusiven Gruppe?

    Von Schnurbein: «In Deutschland würde so eine Initiative wohl nicht funktionieren. Vor kurzem hat Dieter Lehmkuhl ja eine freiwillige Vermögensabgabe vorgeschlagen. Die hat jedoch wesentlich weniger Chancen. Nicht vergessen sollte man außerdem eines: Sogar die Summen, über die jetzt in den USA gesprochen wird, sind im Vergleich zu den nötigen Ausgaben des Staates für Bildung, Forschung, Soziales, Gesundheit und Kultur nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.»

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