Archivierter Artikel vom 29.05.2013, 07:00 Uhr
Koblenz

Gespräch: Koblenzer Neurologe zur Entwicklung auf dem Arzneimittelmarkt

Darauf haben MS-Patienten gewartet: Arznei, die man schlucken kann. Bisher waren Spritzen das Mittel der Wahl – eine Tortur für viele MS-Kranke. Dr. Ulrich Marczynski vom Brüderkrankenhaus in Koblenz im Gespräch:

Herr Dr. Marczynski, es gibt gute Medizin gegen MS. Jedoch mit oft heftigen Nebenwirkungen. Heißt das nicht, den Teufel mit Beelzebub auszutreiben?

Vereinzelt gibt es schwere Nebenwirkungen auf Medikamente. Dazu muss man sagen: Je höher das Wirkpotenzial desto höher im allgemeinen auch das Risiko. Wir erwarten, dass noch in diesem Jahr weitere Medikamente gegen Multiple Sklerose auf den Markt kommen, die die Therapiemöglichkeiten deutlich erweitern werden.

Welche Arzneien waren für Ihre Arbeit ein echter Durchbruch?

Es gibt leider kein Heilmittel gegen MS, aber Medikamente, die die Erkrankung günstig beeinflussen: Diese reduzieren einerseits die Anzahl der Schübe, wodurch die Beschwerden kurzzeitig rapide zunehmen, andererseits bremsen die Medikamente das Voranschreiten der Erkrankung an sich. Das funktioniert vor allem in den ersten Jahren der Erkrankung, denn ab einer gewissen Schwere der MS ist deren Verlauf durch Medikamente kaum noch zu beeinflussen.

Neben den gängigen Spritzen werden derzeit Medikamente entwickelt, die man einfach schlucken kann. Ist das eine erhebliche Erleichterung für die Patienten?

Für den einen oder anderen ja. Andererseits sollte jemand, der mit seiner bisherigen Therapie gut gefahren ist, diese unbedingt fortsetzen. Die Chance, die sich durch eine Erweiterung der Palette der Arzneien ergibt, ist, für jeden Patienten eine ganz individuelle Therapie zu entwerfen. In jedem Falle ist es sehr wichtig, die verordneten Mittel konsequent zu nehmen.