Archivierter Artikel vom 05.04.2013, 06:00 Uhr

Geschäfte: Grenzwertiger Abflug in die Steueroase

Superreiche, die ihr Geld vor dem Fiskus verstecken wollen, können in Steueroasen auf Diskretion hoffen. Ermittlungsbehörden haben schon lange etwas gegen diese Praxis. Mangels verbindlicher internationaler Abkommen fällt es aber immer noch schwer, Steuerflüchtlinge dingfest zu machen. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wie Superreiche ihr Geld verstecken – Nicht alle Praktiken illegal
Wie Superreiche ihr Geld verstecken – Nicht alle Praktiken illegal

Superreiche, die ihr Geld vor dem Fiskus verstecken wollen, können in Steueroasen auf Diskretion hoffen. Ermittlungsbehörden haben schon lange etwas gegen diese Praxis. Mangels verbindlicher internationaler Abkommen fällt es aber immer noch schwer, Steuerflüchtlinge dingfest zu machen. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Was ist eine Steueroase?

Als Steueroasen werden Länder bezeichnet, die keine oder nur sehr niedrige Steuern auf Einkommen oder Vermögen erheben – und Anlegern Anonymität und Diskretion versprechen. Besonders für Anleger, die in ihrem Heimatland höhere Steuersätze zahlen müssten, sind Steueroasen attraktiv. Die Staaten sind oft klein und wohlhabend, werden meist von stabilen Regierungen geführt und bemühen sich häufig um Investitionen aus dem Ausland. Außerdem garantieren sie Rechtssicherheit und wahren das Bankengeheimnis.

Um welche Länder geht es dabei konkret?

Den jüngsten Enthüllungen („Leaks“) zufolge geht es vielfach um autonome Inselstaaten, weshalb häufig von „Offshore-Leaks“ die Rede ist. Betroffen sein sollen etwa die Britischen Jungferninseln und die Kaimaninseln in der Karibik, im Südpazifik die Cookinseln und Samoa, die im Indischen Ozean gelegenen Seychellen und das zu Malaysia gehörende Eiland Labuan sowie Hongkong, Singapur und Panama. Aber auch auf dem Festland, etwa in Luxemburg, sollen die Beschuldigten ihr Geld den Recherchen zufolge versteckt haben.

Wie brisant diese Informationen tatsächlich sind, ist allerdings unklar. Die Staatsanwaltschaften in Bochum und Düsseldorf, die schon länger mutmaßliche Steuersünder jagen, sehen bislang keinen Anlass für neue Ermittlungen. „An den angeblichen Enthüllungen ist wenig Neues“, sagte ein Bochumer Behördensprecher. In Düsseldorf sieht man ebenfalls noch keine Anhaltspunkte für eine Straftat: „Eine Briefkastenfirma zu haben, ist zunächst einmal nicht strafbar, egal, wo auf der Welt sich die Firma befindet.“

Wie funktionieren die Steuersparmodelle?

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diese Geschäfte ist Verschwiegenheit. Viele Steueroasen werben im Internet mit dieser Diskretion und locken so Anleger an, die ihr Kapital vor dem heimischen Fiskus verstecken wollen. Sie gründen oder kaufen für ihre Auslandsgeschäfte beispielsweise Tochterunternehmen, deren Gewinne im Niedrigsteuerland gehalten und wieder investiert werden. Oft erschweren komplexe Unternehmensgliederungen den Behörden die Ermittlungen.

Wie groß ist der Schaden?

Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG) umfasst das weltweite Hinterziehungsvolumen allein für deutsche Steuerhinterzieher rund 400 Milliarden Euro. Hiervon dürften laut DStG allein 150 Milliarden Euro auf die Schweiz entfallen. Nach einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar (17 Billionen Euro) in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen.

Sind diese Aktionen nun legal oder illegal?

Nicht alle Methoden, die deutschen Steuerbehörden zu umgehen, sind illegal. Wer etwa seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, kann privates Einkommen in ein ausländisches Niedrigsteuerland verlagern, ohne sich strafbar zu machen. Strafbar macht sich aber, wer dem Finanzamt seine Geldanlagen in Überseegebieten verschweigt, aber in Deutschland wohnt und dort auch sein Einkommen versteuern müsste. International tätige Konzerne können ihre Gewinne durchaus legal auf die Tochterunternehmen verteilen, sodass ein möglichst geringes Steueraufkommen anfällt.

Am Beispiel des verstorbenen Multimillionärs Gunter Sachs, dessen Name in den Dokumenten auftaucht, konnte die „Süddeutsche“ aufzeigen, wie Steuerhinterziehung in Steueroasen funktioniert: Auf den Cookinseln in der Südsee bot die Trust Corporation Limited Sachs ihre Dienste an. Sie gründete für ihn auf dem Papier zahlreiche Firmen und Stiftungen, der wahre Eigentümer blieb unbekannt.

Wer Firmen oder Stiftungen („Trusts“) auf den Inseln unterhält, zahlt bis heute so gut wie keine Steuern. Illegal wird das Verhalten, wenn den Heimatbehörden zu versteuernde Summen nicht angegeben werden – ob dem so war, muss im Fall Sachs und vielen anderen Fällen noch geklärt werden.

Wie können die Steuerschlupflöcher gestopft werden?

Mangels verbindlicher internationaler Abkommen fällt es den Strafverfolgern schwer, den illegalen Geschäften auf die Spur zu kommen. Auskünfte zu Banken oder den Eigentumsverhältnissen an Gesellschaften können ihnen verwehrt werden. Zwar hat die Wirtschaftsorganisation OECD einen internationalen Steuerstandard festgeschrieben, der vor allem den Austausch von Informationen über mögliche Betrüger umfasst.

Diese Regeln werden aber nicht immer von allen Ländern eingehalten. Zudem müsste die Zahl der Betriebsprüfer nach Angaben der DStG in Deutschland um 10 bis 20 Prozent erhöht werden, um Einkommensmillionäre ausreichend zu prüfen.

Johannes Schmitt-Tegge/ Birgit Marschall