40.000
  • Startseite
  • » Geisenberger will ohne Druck zu Gold
  • Aus unserem Archiv

    Geisenberger will ohne Druck zu Gold

    Krasnaja Poljana (dpa) – Noch mehr Favoritin geht kaum. Fast alles hat Rodel-Weltmeisterin Natalie Geisenberger im Vorfeld von Olympia gewonnen, für Sotschi bleibt die 26-Jährige betont bescheiden. Die kluge Frau baut vor.

    Weltmeisterin
    Natalie Geisenberger will den Olympiasieg.
    Foto: Tobias Hase – DPA

    «Ich bin keine Tausendstelsekunde schneller oder langsamer, wenn mir alle ständig sagen, dass ich die Gold-Favoritin bin. Mein Ziel bleibt eine Medaille», sagt Geisenberger vor dem Start ihres Olympia-Rennens betont bescheiden. Dabei sprechen die Fakten eine eindeutige Sprache: In der Olympia-Saison hat die Miesbacherin überlegen die Weltcup-Gesamtwertung gewonnen – mit sieben Siegen in acht Rennen.

    Auch das Abschlusstraining beherrschte Geisenberger. Sie fuhr in der Eisrinne in Krasnaja Poljana erneut in beiden Übungsläufen deutliche Bestzeit. «Der Start war gut, der Schlitten läuft – die Läufe von heute würde ich im Rennen so nehmen», sagte Geisenberger. Dagegen beklagte Tatjana Hüfner ihre anhaltenden Probleme mit der Schlüsselstelle Kurve fünf: «Mein Ziel muss im Rennen sein, diese Kurve zu schaffen», sagte die 30-Jährige, die auf den Rängen zehn und 24 landete. «Dann schauen wir, was rauskommt.» Teamkollegin Anke Wischnewski landet auf den Plätzen sieben und 17.

    Die große Gold-Favoritin ist aber Geisenberger. Doch davon will sie nichts wissen. «Der Druck ist schon groß genug, da muss ich mir selbst nicht auch noch Druck machen», hat die Seriensiegerin in den vergangenen Wochen fast gebetsmühlenartig betont. Sie stapelt tief: «Ich möchte eine Medaille – egal welche. Natürlich ist Gold schöner als Bronze. Aber wenn ich hier in Sotschi alles gegeben habe, 100 Prozent abgerufen habe, und dann ist es etwa Silber, dann ist das eben so.»

    Wer den Ehrgeiz der blonden Oberbayerin kennt, weiß, dass dies nur die halbe Wahrheit sein kann. Lang, viel zu lang für ihre eigenen Ansprüche stand Geisenberger im Schatten von Olympiasiegerin Tatjana Hüfner und musste mit der undankbaren Rolle als ewige Zweite zurechtkommen. Das war nicht einfach. «Ich war in den vergangenen Jahren oft Zweite. Aber ich will mehr», betonte Geisenberger vor einem Jahr. Und sie bekam mehr: 2013 wurde sie erstmals Weltmeisterin – zuvor war sie dreimal Zweite und einmal Dritte gewesen.

    Seitdem läuft es bei Geisenberger. «Die letzte Saison hat mir gezeigt, dass sich das Kämpfen lohnt», betont sie. Und tatsächlich fuhr sie im Olympia-Winter teilweise wie entfesselt von Sieg zu Sieg. «Natalie ist derzeit auf einem echten Trip. Die fährt auf jeder Bahn herunter, und unten steht dann immer die Eins», staunte Olympia-Starterin Anke Wischnewski über den Lauf ihrer Teamkollegin. Am Ende stand für Geisenberger der erneute Weltcup-Gesamtsieg.

    Eine Niederlage musste Geisenberger im Olympia-Winter dann doch hinnehmen – und dies könnte für das Gold-Rennen von Sotschi durchaus ein Fingerzeig gewesen sein. Mitte Januar fuhr in Oberhof Hüfner zum Weltcup-Sieg – und meldete sich nach ihren langen Rückenproblemen endgültig zurück.

    «Ich bin von Natur aus ein Kämpfertyp und gebe so schnell nicht auf», sagt Hüfner, die natürlich nur zu gerne ausgerechnet beim Gold-Rennen wieder ganz oben stehen würde. Immerhin würde sie mit dem zweiten Olympia-Coup zur erfolgreichsten Rodlerin bei Winterspielen aufsteigen. «Daran verschwende ich keinen Gedanken», macht Hüfner aus ihrer Abneigung gegen Statistiken aller Art aber keinen Hehl.

    «Natalie ist im Moment die Nummer eins. Aber irgendwann ist so eine Serie auch wieder vorbei», sagt Hüfner und eröffnet mit Blick auf ihre teaminterne Konkurrentin schon einmal die Psycho-Spielchen. Zwar weiß die 30-Jährige, dass sie in dieser für sie so schwierigen Saison noch kein einziges Mal das Optimum ihrer Möglichkeiten abrufen konnte. Doch Hüfner betont: «Vier perfekte Läufe hier in Sotschi würden mir reichen.»

    Alles ist gerichtet für das große Wettrennen, und Bundestrainer Norbert Loch gibt sich mit Blick auf seine beiden starken Frauen diplomatisch. «Tatjana kann Olympiasiegerin werden. Und Natalie kann auch Olympiasiegerin werden», erklärt der Chefcoach. «Beide haben das Zeug.» Es gibt schlechtere Ausgangslagen für Bundestrainer.

    Wenn da nur nicht «Schokola-kova» wäre. Trainingsfahrt um Trainingsfahrt hat Russlands Olympia-Hoffnung Tatiana Iwanowa, die eine Vorliebe für Süßes hat, auf der neuen Olympia-Bahn absolviert. Dass die junge Russin mit Hüfner und Geisenberger mithalten kann, hat sie etwa bei der WM 2012 in Altenberg bewiesen. Damals musste Hüfner alles aufbringen, um Iwanowa auf Rang zwei zu verdrängen und die deutschen Frauen vor einer herben Pleite bei der Heim-WM zu bewahren.

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Jochen Magnus

    0261/892-330 | Mail


    Fragen zum Abo: 0261/98362000 | Mail

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    • Lokalticker
    • Regionalsport
    • Newsticker
    Das Wetter in der Region
    Donnerstag

    3°C - 8°C
    Freitag

    2°C - 6°C
    Samstag

    1°C - 5°C
    Sonntag

    1°C - 4°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    UMFRAGE
    Winter, oh Winter!

    Mit voller Kraft brach am Wochenende der Winter herein – allerdings ging ihm schnell die Puste aus. Wie finden Sie das Winterwetter?

    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!