Archivierter Artikel vom 09.08.2010, 12:18 Uhr

Gefühlsblindheit macht Miene regungslos

Ulm/Stuttgart (dpa/tmn) – Gefühlskälte ist nicht unbedingt der Grund für eine regungslose Miene. Vielmehr kann Gefühlsblindheit, eine sogenannte Alexithymie, dahinter stecken, erläutern Mediziner vom Universitätsklinikum Ulm.

Betroffene seien unfähig, ihre eigenen Gefühle auszudrücken und die Gefühle anderer Menschen richtig zu deuten, erläutern sie in der Fachzeitschrift «Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie». Rund zehn Prozent der Bevölkerung seien Studien zufolge alexithym.

Gefühlsblinde Menschen sind laut den Medizinern «expressiv gehemmt». Das bedeute, dass sie ihre Emotionen stärker als andere Menschen kontrollieren oder ihre Gefühle nicht angemessen wahrnehmen. Per Videoanalyse habe sich nachweisen lassen, dass alexithyme Menschen weniger Gefühle in ihrer Mimik ausdrücken als andere. Ihr bewegungsarmes Gesicht erinnere an ein schwer zu deutendes «Pokerface».

Gestört sind den Medizinern zufolge aber nicht die Gefühle der Betroffenen. Vielmehr sei ihr Verstand nicht in der Lage, die empfundenen Emotionen verlässlich einzuschätzen. Alexithymie werde mittlerweile als Risikofaktor für verschiedene körperliche und psychische Krankheiten angesehen. Begünstigt werden etwa somatoforme Störungen, also körperliche Beschwerden, für die sich keine organische Ursache finden lässt.