Archivierter Artikel vom 25.08.2010, 12:18 Uhr
Berlin

Gebühr beim Fremd-Abheben wird künftig angezeigt

Wie teuer das Geldabheben an Automaten fremder Banken ist, sollen die Geräte bald anzeigen – darauf hat sich die Branche geeinigt. Einen einheitlichen Höchstpreis bekommen die Kunden aber vorerst nicht.

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Geldautomat
Kunden sollen künftig direkt beim Abheben am Automaten einer fremden Bank sehen können, was das kostet. (Bild: dpa)

Hohe Geldautomatengebühren sollen runter – das beteuern private Banken, Sparkassen und Volksbanken unisono. Sie konnten sich nach langem Ringen immerhin auf mehr Klarheit einigen: Wer als «fremder» Kunde Geld abheben will, soll den genauen Preis dafür künftig zuvor auf dem Automaten-Monitor angezeigt bekommen. Eine gemeinsame Preisobergrenze vereinbarte die Branche aber weiter nicht. Prompt preschten die Privatbanken vor.

Was ändert sich mit dem neuen Gebührensystem für die Kunden?

Vom 15. Januar 2011 an sollen die Abhebegebühren transparenter werden, wie der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) als Dachorganisation am Mittwoch (25. August) mitteilte. Steckt ein Kunde die Karte in den Automaten, erscheint der Preis auf dem Display. Findet er ihn zu hoch, kann er den Vorgang kostenlos abbrechen und sich einen anderen Automaten suchen. Hebt er das Geld ab, berechnet ihm die Automaten-Bank direkt die angezeigte Gebühr. Bisher läuft dies über ein kompliziertes Verfahren: Die Bank, die den Automaten betreibt, stellt der Hausbank einen Preis in Rechnung, den diese dann vom Konto ihres Kunden abbucht. Das soll nun wegfallen. Der ZKA kündigte an, die Vorbereitungen für die Umstellung begännen sofort. Bis zum 15. November wollen die Geldhäuser ihre Kunden darüber direkt informieren. Dank der Preisanzeige habe der Kunde «die Wahl, den für ihn günstigsten Geldautomaten zu benutzen».

Wie hoch werden die Preise denn künftig sein?

Das kommt darauf an. Die privaten Banken, die schon länger für eine Obergrenze von zwei Euro werben, legten sich auf maximal 1,95 Euro fest. Kunden wüssten so schon vorab, was sie erwarte und nicht erst dann, wenn sie am Geldautomaten stünden, erläuterte der Bundesverband deutscher Banken – und lud Sparkassen und Volksbanken ein, sich doch anzuschließen. Diese halten nichts von einem «Einheitsverkaufspreis», sondern setzen darauf, dass sich die Preise im Wettbewerb bilden. Je nachdem, von wie vielen Kunden ein Automat genutzt wird und wo er steht, könnten sie unterschiedlich hoch sein.

Wird das «Fremdabheben» nun billiger?

Die Geldinstitute erwarten, dass ihre Lösung schnell zu sinkenden Preisen führt. Unter Branchenexperten gilt es als realistisch, dass sich eine Spanne zwischen 2,50 und 4 Euro herausbilden könnte – bisher sind es im Schnitt 6 bis 7 Euro. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen warnte aber vor einer «ungebremsten Abzocke». Transparenz sei das eine, Willkür in der Preisgestaltung das andere, schimpfte Finanzexperte Manfred Westphal. Dabei hatte sich die Branche schon auf maximal 5 Euro geeinigt. Das Bundeskartellamt, das diesen Vorschlag abgelehnt hatte, zeigte sich ebenfalls skeptisch. Löbliche Transparenz allein führe nicht zu hinreichendem Wettbewerb.

Abhebungen an deutschen Geldautomaten

Hamburg (dpa/tmn) – Die meisten Bargeldabhebungen an Automaten in Deutschland sind für die Kunden kostenlos. Denn mehr als 90 Prozent der Transaktionen erledigen Verbraucher nach Branchenangaben an Geräten ihrer Hausbank oder einer Partnerbank, bei der dies ebenfalls gratis ist. Dafür haben sich mehrere Institute in Verbünden zusammengeschlossen.

Rund 9000 Automaten betreibt die «Cash Group», zu der Commerzbank, Deutsche Bank, HypoVereinsbank und Postbank samt Töchtern gehören. Der «Cash Pool» um Targobank, SEB und Santander hat etwa 2500 Automaten. Die größten Verbünde bilden die Sparkassen (25 700 Automaten) sowie die Volks- und Raiffeisenbanken (19 050).