Archivierter Artikel vom 20.07.2011, 12:22 Uhr

Gas wird teurer: 90 Anbieter erhöhen Preise

Berlin (dpa/tmn). Gas wird im August und September deutlich teurer. 90 Anbieter wollen ihre Preise um durchschnittlich rund 11 Prozent anheben. Das teilen die Verbraucherportale Verivox und Toptarif mit.

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Gaspreise werden steigen
Die Gaspreise werden steigen. (Bild: ZB-Funkregion Ost)
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Die Gas-Anbieter stellen wieder an der Preisschraube. Durchschnittlich steigen die Preise um rund 11 Prozent. In einigen Regionen müssen sich Verbraucher sogar auf Kostensteigerungen von bis zu 29 Prozent einstellen. Die Versorger begründeten die Erhöhungen mit gestiegenen Beschaffungskosten, die sie nun weiterreichten.

Für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden bedeutet ein Anstieg um 11 Prozent eine Mehrbelastung von rund 133 Euro pro Jahr. In der Spitze könnten sogar bis zu etwa 400 Euro pro Jahr zusätzlich fällig werden, erklären die Verbraucherportale.

Teurer wird es den Angaben zufolge für etwa jeden fünften Haushalt mit Gasbezug, da unter anderem einige Grundversorger wie EnBW, Eon Avacon oder der norddeutsche Regionalversorger EWE ihre Preise anheben. Aber auch in Großstädten wie Frankfurt am Main, Duisburg, Wuppertal, Bonn, Aachen, Chemnitz oder Hamm müssen Verbraucher für Gas tiefer in die Tasche greifen..

Gaspreise sind im Wesentlichen an den Ölpreis gekoppelt – eine freiwillige Absprache der Branche, die seit den 1960er Jahren besteht und zunehmend kritisiert wird. Damals sollte die feste Koppelung Gasbezieher vor der Marktmacht der wenigen Erdgasproduzenten schützen.

Kritiker sagen aber heute, dass die Anpassungen tendenziell nur nach oben gingen und die Energiekonzerne Extraprofite abschöpfen ließen. Aus Sicht der Verbraucher gilt die Faustregel: Ziehen die Preise an der Zapfsäule über einen längeren Zeitraum an, dürften die Gaspreise bald folgen.

Den 90 Versorgern, die Preiserhöhungen angekündigt haben, stehen der Verivox-Rechnung zufolge bundesweit nur drei Anbieter mit sinkenden Preisen gegenüber. Der Rohölpreis hatte zur Jahreswende etwa bei 90 Dollar gelegen, stieg im April auf gut 110 Dollar und fiel nun wieder auf rund 90 Dollar.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben sich die Gaspreise seit Ende der 1990er Jahre kontinuierlich nach oben bewegt. 55,40 Euro gab ein durchschnittlicher Haushalt 1998 für Gas aus. Fünf Jahre später waren es schon 73,30 Euro und 2008 bereits 85,56 Euro. Bei dieser Rechnung spielen jedoch auch Faktoren wie steigende Wohnfläche, effizientere Gastechnik oder Wärmedämmung eine Rolle.

Kunden sollten angesichts der Entwicklung über einen Anbieterwechsel nachdenken, empfiehlt Toptarif. Gerade bei größeren Abnahmemengen, etwa bei Familien, könnten so mehrere Hundert Euro gespart werden. Sollte der Haushalt nicht über einen eigenen Zähler verfügen, müssten Verbraucher sich an ihren Vermieter wenden und ihn zum Anbieterwechsel auffordern, empfehlen die Experten von Verivox.

Wechsel ohne eigenen Zähler möglich

Viele Gaskunden verfügen nicht über einen eigenen Zähler. In zahlreichen Mietshäusern gebe es nur ein einziges Gerät, erklärt das Verbraucherportal Verivox. Auch dann sei aber ein Wechsel des Gasanbieters grundsätzlich möglich. Allerdings müssten Verbraucher in diesem Fall ihren Vermieter von einem Wechsel zu einem günstigeren Versorger überzeugen.

Grundsätzlich müsse der Vermieter die Betriebskosten gering halten, erklären die Experten. Dabei bestehe jedoch ein gewisser Spielraum. Ab einem Anstieg der Betriebskosten im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent sei der Vermieter verpflichtet, den Preisanstieg zu erklären und Vergleiche anzustellen. Er sei jedoch nicht verpflichtet, das günstigste Angebot zu nehmen.