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    «Fusion»-Festival: Massenveranstaltung ohne Werbung

    Ein Pilgerstrom von 60 000 Menschen fällt an diesem Wochenende zum «Fusion»-Festival in dem 500-Einwohner-Dorf Lärz in Mecklenburg ein. Anders als die Festivals in Wacken oder am Nürburgring kommt die Veranstaltung ohne Werbung und Presse aus. Wie geht das?

    «fusion-festival.de»
    Keine Werbung, keine Presse – nur die Internetseite informiert über das äußerst beliebte «Fusion»-Festival. (Bild: «fusion-festival.de»)

    Sogar Woodstock machte 1969 Werbung. Und wenn im schleswig-holsteinischen Wacken 75 000 Rocker einrücken, kommen gleich Dutzende Kamerateams mit. Doch im mecklenburgischen Lärz (Müritzkreis) sind Reporter nicht erwünscht. Die Veranstalter des «Fusion»-Festivals sind scheu, geben keine Interviews und – so sagen sie dann doch – keinen Cent für Werbung aus. Sponsoren gibt es nicht, auch auf der Internetseite wird auf Werbebanner verzichtet.

    So blüht und wächst das Freiluft-Festival seit 13 Jahren im Verborgenen auf einem ehemaligen Militärflugplatz der Sowjetarmee. Nur Mund-zu-Mund-Propaganda von Besuchern breitete das Wissen über das viertägige Dauerkonzert Jahr für Jahr weiter aus. Im Sommer 2004 kamen 15 000 Besucher, 2008 waren es 45 000. Ein rasantes Wachstum. Die Veranstalter sahen sich nun erstmals genötigt, den Vorverkauf auf 60 000 Karten zu beschränken, wie sie auf ihrer Internet-Homepage schreiben. Angesichts dieses Massenansturms in die mecklenburgische Provinz setzt die Bahn Sonderzüge ein, unter anderem von und nach Rostock, Berlin und Hamburg.

    Ein Hauch von Woodstock, Freigeist und Eigensinn wehe durch die zu Konzerthallen umfunktionierten Hangar, berichten Teilnehmer. Weltverbesserer, Freidenker, Alt-Hippies, Fans elektronischer Musik und sogar Familien mit Kindern leben hier «im größten Ferienlager der Republik die Sehnsucht nach einer besseren Welt» aus, schreiben die Veranstalter. Wer auftritt scheint nicht wichtig, große Namen sucht man vergeblich in den Programmen vergangener Jahre.

    Besucher erzählen, dass Techno-Fans tagelang wie Duracell-Hasen durch die Hallen «zappeln». Wer das nicht mag, lauscht mit Kind und Kegel finnischem Tango oder Klezmer. Aktivisten dürfen sich als Mumien verkleiden, um auf die Folgen der Globalisierung aufmerksam zu machen und beim Hula-Hoop-Workshop wird schon mal ein als Marienkäfer verkleideter Schwarm Mädchen gesichtet.

    «Im kollektiven Ausnahmezustand entfaltet sich an einem Ort ohne Zeit ein Karneval der Sinne», beschreiben das die Veranstalter. Die regelmäßige Festivalgängerin Anastasia sagt: «Ich gehe dorthin, weil ich mich mit dem großen geistigen Konzept identifizieren kann. Anderswo gehe ich wegen der Musik hin.» Die «Fusion» entstand zunächst nicht anders als andere Musik- Festivals in Deutschland auch: Einige Gleichgesinnte hatten eine Idee. So luden im schleswig- holsteinischen Wacken Heavy-Metal-Fans Bands ein, im thüringischen Saalburg legten befreundete Techno-DJs in einem Keller auf. Aus dem Kellerloch ging es auf die Wiese und der Ruf lockte immer mehr Besucher. Bis zu 100 000 Raver kommen heute zum «SonneMondSterne»- Festival an den Thüringer Bleiloch-Stausee, 75 000 waren es zuletzt beim «Wacken Open Air». Mit den Massen kamen auch schnell die Beachtung durch die Medien und Sponsorenanfragen.

    Doch in Lärz scheut der ausrichtende Verein «Kulturkosmos Müritzsee» bis heute Öffentlichkeit und lehnt auch jegliche Unterstützung ab. «Wir setzen auf die Empfehlungen unserer Gäste, die dieses Festival im Allgemeinen auch gerne an ihre Freunde weiterempfehlen», schreibt «Fusion»-Veranstalter «Max» auf Anfrage. «So ist die Fusion in den Jahren gewachsen, ohne von den Medien groß beachtet zu werden. Dies soll auch in Zukunft so bleiben», teilt er weiter mit. Reporter und Fotografen sind nicht gern gesehen in Lärz. Immerhin, eine Facebook-Seite mit Bildern früherer Treffen hat der Verein seit 2009.

    Die Betreuung der Massen stemmen die Organisatoren mit deren eigener Hilfe. Rund 3000 Besucher halfen 2009 für ein paar Stunden beim Ausschenken oder Putzen und bekamen dafür einen Teil des Eintrittspreises von rund 60 Euro erstattet. Aber wie rentabel die «Fusion» für den Verein ist, bleibt unbekannt. Bekannt ist nur, dass er das Flughafengelände 2003 kaufen konnte.

    Fusion: www.fusion-festival.de

    Verein Kultuskosmos: www.kulturkosmos.de

    Wacken Open Air: www.wacken.com

    SonneMondSterne: www.sonnemondsterne.de

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