Archivierter Artikel vom 08.01.2013, 11:48 Uhr
Bad Kreuznach

Fünfjährige Schwester schildert Details

Der dritte Verhandlungstag im Verfahren gegen die Großmutter, die ihr zweijähriges Enkeltöchterchen getötet haben soll, war nichts für schwache Gemüter. Neben dem Gutachten der Rechtsmedizin stand die Aufzeichnung einer Videovernehmung, in der die ältere Schwester des Opfers zum Tathergang befragt wurde auf dem Plan. Vor deren Augen hatte sich das Drama abgespielt.

Lesezeit: 2 Minuten
Enkelin getötet – Großmutter unter Verdacht
Das ist das Haus, in dem die Großmutter ihre Enkelin getötet haben soll.
Foto: T. Frey/Archiv – DPA

An der Fünfjährigen seien keine Verletzungen zu erkennen gewesen, die mit der Tat in Verbindung zu bringen wären, stellte Dr. Bianca Navarro-Crummenauer von der Mainzer Rechtsmedizin fest. Zwischenzeitlich stand die Frage im Raum, dass auch das das Kind von der Oma gewürgt wurde. Dafür gebe es aber keine Anhaltspunkte.

Enormer Blutverlust, Würgen und womöglich auch Ersticken seien als Todesursachen für die zweijährige Anna zu sehen, berichtete der Stellvertretende Leiter der Mainzer Rechtsmedizin, Professor Thomas Riepert, aus seinem Gutachten. Für den Rechtsmediziner waren daneben auch die umfangreichen kleinen Einblutungen an Hals, Mund, Augen und Ohren markant. Das deute auf ein erhebliches Würgen hin. Insgesamt habe der Todeskampf der kleinen Anna bis zu zwei Minuten gedauert. Auf eine mögliche Tatabfolge wollte sich der Rechtsmediziner nicht festlegen.

Dazu konnte nur die einzige Zeugin etwas sagen, die Schwester von Anna. In einer Videovernehmung schilderte die Fünfjährige, wie sie zusammen mit ihrer kleinen Schwester bei der Oma im Bett schlafen wollte. Dort sei es auch zu kleinen Kabbeleien gekommen. Anna habe dabei mit den Füßen geschubst. „Oma wollte schlafen, doch Anna war sehr laut“, erinnerte sich die Fünfjährige, die während ihrer Vernehmung einen aufgeweckten und intelligenten Eindruck machte. Anstatt sich während der Unterhaltung im Amtsgericht Bad Kreuznach mit Spielzeug zu beschäftigen, antwortete das Mädchen flüssig und direkt auf die einfühlsamen Fragen von Vernehmungsrichterin Sabrina Sixt. „Wir haben uns auch wirklich bemüht, das Büro einigermaßen kindgerecht zu gestalten“, so Sixt, die selbst auch als Zeugin der Vernehmung befragt wurde.

Die Oma habe sie dann in die Küche geschickt, um ein Messer zu holen, erzählte das kleine Mädchen. Mit dem Messer in der Hand sei sie zurück ins Schlafzimmer gekommen. Die Großmutter habe sie dann aber noch mal in die Küche geschickt, um ein anderes Messer zu holen. Diesmal brachte das Mädchen ein kleineres Exemplar. „Damit hat Oma die Anna dann geschnitten“, berichtete das Kind.

Es sind noch weitere Fortsetzungstermine geplant. Wann es zu einem Urteil kommt, steht noch nicht fest.

Von unserem Mitarbeiter Rolf Müller