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Traunstein

Früherer BSD-Präsident Kotter tot

Der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) trauert um seinen früheren Präsidenten Klaus Kotter.

Der bayerische Sportfunktionär starb am 13. Mai 14 Tage vor seinem 76. Geburtstag nach kurzer schwerer Krankheit in einem Krankenhaus in Traunstein. Das teilte der BSD der Deutschen Presse- Agentur mit. Die Beisetzung soll am kommenden Mittwoch im engsten Familienkreis stattfinden. Eine Woche später wird der BSD für alle Freunde und Weggefährten eine Trauerfeier abhalten.

Loyalität, Integrität und Kreativität waren Kotters Markenzeichen. Der Kämpfer für die Kufen-Sportler erlebte in mehr als drei Jahrzehnten Ehrenamt Höhen und Tiefen. «Wer die Hölle nicht erwarten kann, geht in die Sportpolitik», hatte der streng gläubige Katholik 2004 rückblickend auf seine Funktionärs-Karriere gesagt. IOC-Mitglied Walther Tröger sprach damals in seiner Laudatio von «einem sperrigen, aber geradlinigen Weggefährten.» Der dreimalige Rodel-Olympiasieger Georg Hackl lobte seinen bayerischen Landsmann als «Vordenker, Macher und Künstler».

Kotter verabschiedete sich 2004 an seinem 70. Geburtstag in den selbst gewählten Ruhestand. Nach 35 Jahren in der «Hölle» wartete auf den langjährigen BSD-Präsidenten der Himmel auf Erden, wie er selbst sagte. «Ich freue mich auf meine Enkel. Und auch für meine über 5000 gesammelten Bücher habe ich nun mehr Zeit», betonte das Ehrenmitglied des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland damals. Selbst beim Abschied als Funktionär nahm er gut zwei Dutzend ungeöffnete Briefe mit in den «Ruhestand». Deren Inhalt blieb bis heute verschlossen und machte Kotter während der deutsch-deutschen Sportvereinigung zu einem Ausnahme-Fall.

«Das bleibt mein Geheimnis», betonte er immer wieder. Unmittelbar nach der politischen Wende und vor den Olympischen Winterspielen 1992 in Albertville stellte er sich die Frage: Was könnte passieren? Im Gerangel um Ämter und Positionen war vor allem die Stasi-Frage zu klären. Kotters Grundsatz damals: Bekennen, Bereuen, Buße tun. Alle Aktiven und Betreuer aus Ost und West mussten schriftlich erklären, ob sie Mitarbeiter der Staatssicherheit waren. «Hätte mich einer angelogen, wäre das Ende der Fahnenstange erreicht gewesen.»

Pilot Harald Czudaj war ehrlich. Die Stasi-Akte des Sachsen wurde während Olympia 1992 öffentlich gemacht. Doch Kotter hatte mit dem bis dahin ungeöffneten Geständnis Czudajs einen Joker im Ärmel. Der «Kotter'sche Codex» überzeugte die deutsche Delegations-Leitung und ermöglichte dem Riesaer den Olympia-Start. Zwei Jahre später in Lillehammer holte der Pilot im Viererbob den Olympiasieg.

Kotters Funktionärs-Karriere begann 1969: Seine erste Kassenprüfung im deutschen Verband löste gleich die Kündigung des Schatzmeisters aus. Von da an war der selbständige Steuerberater in Eggenfelden bis 1984 selbst in diesem Amt und nach dem Tod von Präsident Richard Hartmann dessen Nachfolger. 1980 wurde er zum Präsidenten des Weltverbandes FIBT gewählt. «Ich wollte den Bobsport voran bringen. Daher bin ich nie auf Stimmenfang gegangen und habe somit die kleinen Nationen verprellt», erinnerte sich Kotter, der als FIBT-Präsident 1994 durch den Kanadier Robert H. Storey abgelöst wurde. 2004 wurde er im BSD von Andreas Trautvetter beerbt.

Von 1972 bis 1990 war Kotter Mitglied des Bundesausschusses Recht, Sozial- und Steuerfragen des Deutschen Sportbundes, anschließend vier Jahre (1990 bis 1994) DSB-Schatzmeister, seit 1986 war er im NOK für Deutschland. Von 1980 bis 1994 wirkte Kotter als Vertreter der internationalen Wintersportverbände in der Solidaritätskommission des IOC. Im Rahmen der IOC-Session 1995 in Budapest wurde er für seine Verdienste mit dem Olympischen Orden ausgezeichnet.

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