Archivierter Artikel vom 31.05.2010, 13:26 Uhr

Früh erkannter Mundhöhlenkrebs gut behandelbar

München/Regensburg (dpa) – An Mundhöhlenkrebs erkranken in Deutschland jedes Jahr rund 10 000 Menschen. Dieser Krebs an Kopf und Hals ist allerdings früh erkennbar und oft allein durch chirurgische Maßnahmen sehr gut behandelbar.

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«Die Mundhöhle ist ein relativ gut einsehbares Organ. Sie können in den Darm oder Magen längst nicht so viel reingucken», sagt der Direktor der Regensburger Uni-Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Torsten Reichert, der Nachrichtenagentur dpa in München.

Problematisch sei, dass der Krebs in der frühen Phase nicht wehtue und Betroffene Veränderungen an Zunge, Mundboden oder Wangenschleimhaut nicht immer ernst genug nehmen würden. Die Menschen sollten daher Veränderungen beispielsweise der Farbe oder der Festigkeit dieser Mundpartien genau beobachten.

«Wenn sich da etwas verändert hat, dann ist das mindestens etwas, das man hinterfragen muss. Denn da könnte auch mal ein Tumor dahinterstecken», sagt Reichert, der Präsident des Deutsch-Österreichisch-Schweizerischen Arbeitskreises für Tumoren im Kiefer- und Gesichtsbereich (DÖSAK) ist. Besonders wichtig sei es, Zahnärzte und Allgemeinärzte dahingehend aufzuklären, bei jeder Untersuchung der Zähne oder des Halsbereiches auch immer die gesamte Mundhöhle nach Auffälligkeiten zu untersuchen.

Ein Mundhöhlenkrebs könne ganz spontan auftreten, beispielsweise auf dem Boden einer Schleimhautveränderung. Doch die Erkrankung stehe vor allem in Zusammenhang mit Zigaretten- und Alkoholkonsum. «Das ist erwiesen», erklärt der Chirurg. Gerade die Kombination verstärke die Gefahr. «Heavy smoking und hoher Genuss von Alkohol macht es noch schlimmer, weil der Alkohol die Schleimhaut noch durchlässiger macht.» Auch über den sogenannten HPV-Virus (Humane Papilloma-Viren), der auch beim Gebärmutterhalskrebs eine Rolle spielt, könne man diesen Krebs bekommen.

Die allgemeine Aufklärung über die Erkrankung werde zwar besser. «Immer noch wird ein Großteil erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Wir nennen ihn das Stadium vier. Das ist ein Krebs, der schon große Ausdehnung hat.» Behandelt werde meist mit Strahlen, Chemotherapie und der Entfernung von Gewebe. In vielen Fällen ersetzen Gesichtschirurgen entfernte Teile der Zunge mit eigenem Gewebe, beispielsweise aus dem Unterarm.

Wenn sich bereits Metastasen im Körper verteilt haben, sinkt die Überlebenschance der Betroffenen dramatisch. In den fünf Jahren nach der Diagnose sterben in diesen Fällen vier von fünf Patienten. Anders sieht es bei den früh erkannten Erkrankungen aus. In diesen Fällen überleben mehr als 90 Prozent der Kranken die ersten fünf Jahre. Reichert rät daher, auf Veränderungen im Bereich der Mundhöhle zu achten und gegebenenfalls den Haus- oder Zahnarzt aufzusuchen.

Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie: dpaq.de/SMRxP